The Project Gutenberg EBook of Gebete fr Israeliten, by A. A. Wolff

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Title: Gebete fr Israeliten

Author: A. A. Wolff

Release Date: November 16, 2006 [EBook #19823]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                 Gebete fr Israeliten
                  zum Gebrauche beim
      Gottesdienste, im Hause und auf dem Friedhofe

                         von

                 Prof. Dr. A. A. Wolff,
              Oberrabbiner in Kopenhagen.
                       R. v. D.

        Fnfte vermehrte und verbesserte Auflage.
                    Frankfurt a. M.
               Verlag von J. Kauffmann.
                        1908.

        Druck von M. Lehrberger & Co., Rdelheim.

       *       *       *       *       *




                 Inhaltsverzeichnis.


Zu Hause ehe man ins Gotteshaus geht
Nach dem Eintritt ins Gotteshaus
Desgleichen

I. Gebete nach den vorgeschriebenen tglichen
Gebeten zu lesen

Allgemeines Morgengebet
Allgemeines Abendgebet

II. Gebete fr jeden Tag der Woche

Am Sonntag.

Morgengebet
Betrachtung ber 1. B. M. 1, 3.-4.
Abendgebet

Am Montag.

Morgengebet
Betrachtung ber 1. B. M. 1, 6.-8.
Abendgebet

Am Dienstag.

Morgengebet
Betrachtung ber 1. B. M. 1, 9.-13.
Abendgebet

Am Mittwoch.

Morgengebet
Betrachtung ber 1. B. M. 1, 14.-19.
Abendgebet
      Seite
Am Donnerstag.

Morgengebet
Betrachtung ber 1. B. M. 1, 20.-23.
Abendgebet

Am Freitag.

Morgengebet
Betrachtung ber 1. B. M. 1, 24.-31.
Abendgebet

Am Sonnabend.

Am Sabbat-Morgen
Beim Ausheben der Thora am Sabbat
Bei der Verkndigung des Neumondes
Ein anderes Gebet bei der Verkndigung des Neumondes
Am Sabbat-Nachmittag
Am Neumondstage
Am Sabbat-Abend

III. Gebete an den Feiertagen

Abendgebet an den drei Festen: Peach, Schabuoth
(Wochen-) und Succoth (Laubhttenfest)
Morgengebet fr den ersten und zweiten Tag des
Peachfestes
Ein anderes Gebet fr den Peachmorgen
Morgengebet an den beiden letzten Tagen des Peachfestes
Morgengebet am Wochenfeste

Am Neujahrsfest.

Am Vorabend des Festes
Am Neujahrstag
Beim Schofarblasen

Am groen Vershnungsfeste.

Zu Anfang des Abendgottesdienstes (Kol nidre)
Zum Morgengottesdienst (Schacharis)
Beim Mittagsgebet (Mussaph)
Beim Nachmittagsgebet (Mincha)
Zum Schlugebet (Nelah)

Am Laubhttenfest (Succoth)

Desgleichen als Erntefest
Am Schlufeste (Schemini Azeres)
Am Freudenfeste ber die Thora (Simchas Thora)
Am Feste der Tempelweihe (Chanuka, Lichterfest)
Am Purimfest
Am Tage der Zerstrung des Tempels (Tischoh b'ab)
Schlugebet beim Gottesdienste (Olenu)
Die Hausfrau, wenn sie Chala nimmt
Die Hausfrau, wenn sie die Sabbatlicher oder die
Festlichter anzndet

IV. Gelegenheitsgebete

Am Geburtstage
Am Verlobungstage
Am Hochzeitstage
In einer glcklichen Ehe, jhrlich am Hochzeitstage
In einer kinderlosen Ehe
In der Schwangerschaft
Vor der Niederkunft
Nach der Niederkunft
Bei der Beschneidung
Eine Whnerin beim ersten Gang ins Gotteshaus
Ebenso nach der Geburt eines totgeborenen Kindes
Eine Ehegattin
Eine Tochter fr die Eltern
Im Witwenstande
Eine Waise
Im Alter
Bei der Fortreise von der Heimat
Fr einen Abwesenden, der auf der Reise ist
Zusatz fr ein Kind, das auf der Reise ist
Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst

Gebete in Krankheit

Eine Kranke
In bedenklicher Krankheit
Desgleichen in Bibelversen
Vor einer gefhrlichen Operation
Frbitte fr einen Kranken
Der Kinder Gebet fr einen kranken Vater oder eine
kranke Mutter
Dankgebet nach berstandener Krankheit
Gebet in einem Krankheitsfalle (Nach dem Hebrischen)
Gebet fr einen andern Kranken

Gebete whrend einer ansteckenden Krankheit

Bei Ausbreitung der Krankheit
Gebet um Mut
Trstung
Ergebenheit in Gottes Willen
Gebet um das Morgen und Abendgebet im Gotteshause
oder daheim zu beschlieen
Desgleichen

Gebete auf dem Friedhofe

ber die Sitte, die Grabstellen zu besuchen und dort
zu beten
Am Jahrestage des Todes eines der Eltern
Desgleichen
Am Grabe des Vaters am Jahrestage
 " " der Mutter     "      "
 " " eines Kindes
 " " des Mannes
 " " eines gefallenen Vaterlandsverteidigers
 " "  "   Verwandten
Am Ereb Rsch Haschonoh

Dankgebet bei Vollendung eines Werkes

Anhang.

Esehu Mekmon (Betrachtung ber die Opfer)
Bame Madlikin (Freitagabendbetrachtung)
Pittum hak'tres (Betrachtung zum Mussaphgebet)




Zu Hause, ehe man ins Gotteshaus geht.

Israel! bereite dich vor, vor deinen
Gott zu treten.(Amos 4, 12.)


Es drstet meine Seele nach dir, o Gott, nach dir, dem lebendigen Gott,
und ich will eilen nach deinem Heiligtume, wo dein Name angebetet wird,
wo deine Gemeinde sich versammelt, um dich anzurufen, dir zu danken,
dich zu loben und dich zu preisen. O! bereits auf dem Wege dahin lutere
du meinen Sinn, heilige du meinen Geist, und znde du in meiner Brust
die Andachtsflamme an, die mich und meine Brder an der heiligen, dir
geweihten Sttte durchglhen soll. Denn wohl wei ich, da du, den die
Himmel und aller Himmel Himmel nicht umfassen, nicht in dem Hause
wohnest, das von Menschenhnden erbaut worden, da du, dessen
Herrlichkeit Himmel und Erde erfllt, mir berall nahe bist, wo ich auch
sein mag; wohl wei ich, da das fromme Gebet, welches meine Seele in
meiner Einsamkeit stillen Kammer zu dir empor sendet, auch Gnade und
Erhrung vor dir findet, aber auch dies wei ich, da der Geist des
wahren Gebets, der nicht persnliches Wohl, sondern das Wohl und Heil
aller sucht, der nicht blo das Glck und die Wohlfahrt der Erde,
sondern auch das Nahen des himmlischen Reiches erfleht, der nichts
begehrt, nichts fordert, sondern nur im Glauben und in der Erkenntnis
sein Hchstes findet und sein treues Bekenntnis dieses Glaubens vor
aller Welt ablegen mchte;--ich wei, da dieser Geist des wahren Gebets
mir fehlen wrde, so dessen Flamme, die zuerst in der Mitte der
Gottesgemeinde angefacht wurde, nicht auch in ihr stets Nahrung fnde.
Was ich glaube, und um was ich bete, und wonach mein Herz sich sehnt,
soll ja nicht in meinem Innern verborgen bleiben, es soll ja auch als
ein freudiges Zeugnis auf meinen Lippen hervortreten und vor der Welt,
so wie vor anderen Glaubensbrdern von mir als meines Lebens Schild und
als ein kstlicher Schatz gepriesen werden. Ach, sind ja leider so
viele, welche in Leichtsinn hinleben, so da sie die Bande lsen, die
sie mit der Gemeinde innigst verbinden sollten, und welche jedes
Kennzeichen auslschen, das sie an ihren vterlichen Glauben erinnern
knnte; aber desto mehr will ich die Sttte aufsuchen, wo Israeliten
sich sammeln, um dich in jdischer Weise zu verehren. Schon dies, da
mein Gang nach dem Bethause gerichtet ist, schon dies soll ein Zeugnis
sein, das ich vor der Welt ablege, da ich zu dieser heiligen
Gemeinschaft gehre, und da ich ber den Spott und Hohn erhaben bin,
womit jene, die sich die Weisen der Welt nennen, auf diejenigen sehen,
die dich, o Ewiger, nach ihrer Vter Weise verehren. Und wie sehr wird
nicht meine Andacht, meine fromme Sehnsucht durch den Gedanken erhht:
Ich stehe nicht allein mit meinem Gebet vor dir, stehe nicht allein mit
der Glaubensschar, die sich da versammelt, sondern stehe mit dieser als
ein Glied der ganzen Gemeinde Israels da; denn wunderbar hast du, o
Herr, es so gefgt, da meine Glaubensgenossen fast berall, in heier
wie in kalter Zone, da, wo ihnen die Sonne der Freiheit zulchelt, wie
dort, wo sie unter Druck seufzen, da sie fast berall sich doch vor dir
zur selbigen Zeit und Stunde sammeln und dieselben bedeutungsvollen,
Vertrauen und Demut atmenden Worte ihren Lippen entstrmen lassen, so
da ein Laut in gemeinsamer Andacht und Seelenerhebung zu deinem Thron
von dem ganzen jdischen Volke emporsteigt. Nein, nicht allein stehe ich
da; denn unzhlige der hingeschwundenen Geschlechter erheben sich
gleichsam vor meinem andchtigen Blick von ihren Ruhesttten, sowohl
die, welche in unterirdischen Hhlen, als die, welche unter klarem
Himmelszelte auf ihren Wanderungen dieselben Gebete gebetet, ja mit
diesen auf den Lippen ihr Leben aushauchten, indem sie den Mrtyrertod
erlitten;--mit allen diesen fhle ich mich vereint, indem ich die Worte
ausspreche, die prophetische Zungen verkndigt, die heilige, von deinem
Geist beseelte Snger gesungen, und die so viele Zeitalter hindurch uns
unter so mannigfaltigen Versuchungen und Prfungen die Reinheit unserer
heiligen Lehre, sowie die Einfalt und Eintracht im Glauben in unsrer
Mitte bewahrt haben.--O, so leite du denn meine Schritte, wenn ich in
dein Haus wandere, so strke du meinen Geist, da er dort von solchen
Vorstzen erfllt werde, solche Eindrcke empfange und bewahre, da nie
das innige Verlangen, dein Haus aufzusuchen, von mir weiche, und auch
nicht die berzeugung und Gewiheit mir verloren gehe, da du an solch
gemeinsamer Anbetung Wohlgefallen habest. Strke du mich, o Gott, auf
da mein Glaube dem gleiche, der den Vater der Glubigen beseelte, als
er sein Opfer dir brachte, und gib mir Kraft, da ich, wie er die
Raubvgel,[1] die trben Zweifel, die verkehrten Einwendungen
verscheuche, wenn sie meine Andacht mir rauben wollen; la darum mein
Auge dort in deinem Hause nur auf das achten, was mich erheben und zur
Andacht stimmen kann. La mich erkennen, da du uns nach unserm Herzen
und unsern Gesinnungen richtest, auf da Frmmigkeit mich leite, Andacht
mich entflamme, und meine Schritte dir wohlgefallen, wenn ich in
zahlreicher Versammlung dich anbete;[2] ja sende mir, Vater im Himmel,
dein Licht und deine Wahrheit, da sie mich fhren und leiten nach
deinem heiligen Berge und zu deiner Wohnung.[3]

Amen!

[Funote 1: Buch Mosis 15.]

[Funote 2: Ps. 26, 12.]

[Funote 3: Ps. 43.]




Nach dem Eintritt ins Gotteshaus.


2. Wie berwltigt werde ich von Gefhlen des Dankes und der Ehrfurcht,
indem ich an dieser Sttte weile, Gefhle des Dankes, da du, o Gott, es
dem Sohne des Staubes gestattest, sich zu dir zu erheben, da du in
deiner Liebe ihn selbst dazu aufgefordert dein Antlitz zu suchen, da
du uns eine Sttte gegeben hast, wo du deine Herrlichkeit unter uns
thronen lassen willst.--O Unendlicher, welche Ehrfurcht durchbebet mich,
da ich, ein Kind des Staubes, Zutritt zu deinem Hause habe und mich
dir, dem Allheiligen, nhern kann, da ich vor dich alles bringen darf,
was mein Herz beschwert, zu dir fr mein Wohl und das Wohl der Meinen,
fr die Glubigen und mit ihnen, ja fr die ganze Menschheit beten kann!
So hast du in deiner Gte uns gesegnet und uns erhoben. O, la mich
dieser deiner Gnade nimmer vergessen und la mich whrend meines Betens
stets eingedenk sein, vor wem ich stehe, auf da du mich wrdig findest,
ein Trger deines Geistes zu sein. Entferne du von mir jeden fremden und
unseligen Gedanken, da weder die Lust der Welt noch ihr Schmerz den
reinen Aufschwung der Seele hindere. O, da alle, die mit mir hier
versammelt sind, voll Demut dich in einem Geiste anbeten, und wir so
eine echt israelitische, heilige Brudergemeinde bilden mchten, ber
welche du selbst den Geist des Gebetes und der Gnade ausgegossen!

Amen!




Ein anderes Gebet.


3. So hast du, mein Gott, mich gestrkt und gewrdigt, dein Haus zu
betreten, wo alles mir verkndigt:Hier ist die Pforte des Herrn,
Gerechte treten da ein;[4] o, da ich zu diesen mich zhlen drfte!
Ach, da dein Himmel mir offen stnde, wenn ich aus ganzer Seele dich im
Gebete suche! O, gewhre mir Verzeihung, da ich rein werde, erschaffe
in mir ein reines Herz, verjnge ein festes Gemt in meinem Innern, auf
da jedes Wort, das ber meine Lippen geht, mich in heilige Gemeinschaft
mit dir bringe! Erhebe mich ber die Lust und den Schmerz der Welt,
befreie mich von jeder Sorge und jedem Kummer, auf da ich mich in dir
und mit dir fhle, glckselig wie die Geister des Himmels in deiner
Anbetung, und auf da ich es mit ganzer Seele empfinde, wie kstlich
deine Huld den Menschenkindern ist, die im Schatten deiner Fittige sich
bergen, auf da ich an deines Hauses Segen mich labe und an dem Strome
deiner Gnade mich erquicke.[5] La mich auch diesen Segen mit hinaus
aus diesem Hause nehmen, da ich berall deine heilige Nhe fhle und
berall dir zum Wohlgefallen lebe!

Amen!

[Funote 4: Ps. 118, 20.]

[Funote 5: Ps. 36, 8. 9.]




I. Gebete nach den vorgeschriebenen tglichen Gebeten zu lesen.





Allgemeines Morgengebet.

Dein, o Herr, ist der Tag. (Ps. 74, 16.)


4. Alliebender Vater im Himmel! Wie kann ich dir genug fr all deine
Gte danken, die du mit jedem Morgen mir erneuerst. Deine Gnade hat ber
mich wiederum diese Nacht gewacht und mir in erquickendem Schlafe neue
Kraft und Strke geschenkt! Whrend viele sie in Kummer und Unruhe haben
zubringen mssen, hast du ber mich und die Meinigen gewacht! Gesund und
froh gre ich wiederum diese Morgenstunde und freue mich des Anblicks
meiner Teuren und Lieben. O, ich bin zu gering fr all die Gnade und fr
all die Treue, die du mir erweisest, und doch drngt es mich, dich
anzuflehen, da du auch heute mir deine Gnade und deinen Beistand
schenkest. La auch diesen Tag mir Segen bringen und mich zu dir fhren.
Dir seien meine Gedanken alle geheiligt, in deinem Namen werde mein
Tagewerk durchgefhrt! Leite du mich mit deiner Hand, auf da ich nicht
strauchle und von deinen gttlichen Geboten nicht weiche, da ich mit
Gewissenhaftigkeit die Pflichten meines Berufes be und stets eingedenk
sei, da du einst mich zur Rechenschaft ziehen wirst fr jegliche
Stunde, die versumt worden. Lutere du darum mein Herz und breite ber
meine Seele den stillen Frieden aus, auf da ich der Kmpfe nicht achte,
die du uns in unserem Berufe auferlegst, und nicht ermatte unter den
Mhen und Beschwerden, die mit diesem verbunden sind! Erneuere stets die
Liebe zu dir in meinem Innern, auf da ich dich suche und dir diene mit
allen meinen Krften! La mich unter meinen Mitmenschen mit einem
liebenden Sinn wandeln, der niemanden beleidigt und der zum Verzeihen
bereit ist, so da ich sanftmtig und vershnlich gegen jedermann sei,
dem ich heute begegne! Gedenk, o Gott, da ich Staub bin, und la mich
frei sein von schweren Prfungen. So du aber in deiner Weisheit es fr
gut findest, solche ber mich zu verhngen, dann halte du mich aufrecht
mit deiner Rechten, und leite du mich mit deinem Rate, auf da ich nicht
wanke und nicht verzage.Gott, mein Gott, leite meine Schritte nach
deinem Worte, sei mein Schild, meine Zuflucht den ganzen Tag; Lob und
Preis dir in aller Ewigkeit![6]

Amen!




Allgemeines Abendgebet.

Dein, o Herr, ist auch die Nacht. (Ps. 74, 16.)


5. Mein Gott! der Tag ist dahin; ich suche Erholung nach der Arbeit
desselben, und bevor ich mich den Armen des Schlafes bergebe, fhrt mir
die Stille der Nacht noch einmal alles vor die Seele, was ich heute
gesehen und erlebt, alles, was ich heute getan und vollbracht habe. Ach!
wie knnt' ich dir fr die vielen Wohltaten genugsam danken, die du
heute wiederum mir und allen denen, die mir lieb und teuer sind,
erwiesen hast. Du hast nicht nur ber meine Schritte gewacht, vor
Gefahren mich beschirmt, zu meinem Werke mich gestrkt, und mit allem
mich gesegnet, dessen ich bedarf, sondern du hast auch mit so mancher
Gabe mich erfreut, mit so mancher Freude mich erquickt; aber auch selbst
durch das, was mir fr einen Augenblick Kummer und Schmerz verursachte,
hast du mich zu dir hingezogen und mich innerlich glckselig gemacht. O!
wie demtiget es mich, wenn ich alles dessen gedenke und dann vor meiner
Seele alles das vorberziehen lasse, was ich heute gedacht und getan.
Wie oft habe ich nicht dein vergessen, wie oft wurde ich nicht von
sndiger Lust erfllt, fr die meine Seele keinen Raum gehabt, wenn der
Gedanke, da du allgegenwrtig seiest, und da du mein Inneres
erforschest, mich ganz erfllt htte; ach, und wie wenig geben die
Werke, die ich vollfhrt, wohl Zeugnis davon, da ich von Liebe zu dir
beseelt bin, die mich eifrig und treu in meinem Berufe, unverdrossen
und liebevoll gegen meinen Nchsten htte machen sollen. O, reuevoll
schaue ich auf den verflossenen Tag zurck, und mit aufrichtiger Bue
flehe ich um deine vterliche Vergebung. Ich will daher selbst, ehe mein
Auge sich zum Schlafe schliet, allen denen vergeben, die mir zuwider
gehandelt, und mich zu krnken und zu verletzen gesucht haben. Nimm du
mich in deinen gndigen Schutz, schenke mir und den Meinigen nchtliche
Ruhe, da wir durch einen ungestrten und erquickenden Schlaf fr den
kommenden Tag gestrkt werden, der dir durch einen gerechten und frommen
Wandel geheiligt sein mge! Ja, la die Nacht ihren erquickenden
Schatten ber alle ausbreiten, da der Mde und Bekmmerte Kraft und
Trost und der Gekrnkte und Leidende Beruhigung und Strkung in dem
Segen des Schlafes finde; und jedem, der auf dem Schmerzenslager
sthnend klagt, der in Krankheit oder Bekmmernis ngstlich fragt:Ist
wohl die Nacht bald vorbei?[7] dem fhre lindernde Hoffnung, Geduld und
inniges Vertrauen auf dich zu, auf dich, fr den die Nacht leuchtet
gleich dem Tage! Bewahre mich vor Gefahr und Unglck und la mich nach
der Erquickung der Nacht mit dem innigen Verlangen, dir zu dienen,
erwachen!In deine Hand befehle ich meinen Geist, du beschirmst mich,
wahrhafter und gndiger Gott![8]

Amen!

[Funote 6: Ps. 25, 5.]

[Funote 7: Jes. 21, 11.]

[Funote 8: Ps. 139, 12.]




II. Gebete fr jeden Tag der Woche.




Am Sonntage.




Morgengebet.


6. Eine neue Woche hast du, o gnadenvoller Vater, fr mich erscheinen
lassen, und eine neue Zeit schenkst du mir wieder, um fr mein Wohl zu
leben und zu wirken. O, so beseele mich denn mit Ernst und Freudigkeit,
auf da ich das Werk vollfhre, das du mir angewiesen. La mich die neue
Woche damit beginnen, da ich die heiligen Vorstze ausfhre, die ich
gestern gefat habe, la es mir trotz meiner Schwche gelingen, durch
meine Frsorge und Arbeit das Wohl meiner Brder zu frdern und zum
Wohle der menschlichen Gesellschaft mitzuwirken. Verleihe mir vor allem
deinen Beistand, da ich denen ein gutes Beispiel gebe, in deren Mitte
ich wirke; strke mich, da ich auf reinen Wandel achte, jedes meiner
Worte wohl bedenke und auf jede meiner Handlungen wohl aufmerksam sei,
und in der Freude wie im Schmerze mich als ein gottesfrchtiges und
gottergebenes Kind zeige, das stets deinen Willen zu erfllen sucht.
Stehe mir zur Seite bei den Mhen und Arbeiten dieser Woche, da die
Mhsal des Tages mir zum Segen werde, und die Freuden, die du mir
bereitest, mich unaufhrlich erinnern an den Dank, den ich dir schulde.
Strke mich, da ich die Widerwrtigkeiten und Unannehmlichkeiten
duldend ertrage und selbst denen mich liebevoll erweise, die mich in
dieser Woche zu betrben suchen. Lehre mich deine Weisheit anbeten und
deine Gte auch in der schmerzlichen Stunde preisen, die dein Wille mir
auferlegen sollte, und jede glckliche, freudenreiche Stunde im
Irdischen erinnere mich an die Ewigkeit, der ich entgegengehe. Herr!la
mit jedem Morgen mich deine Gnade erfahren; denn auf dich hoffe ich; tue
mir den Weg kund, den ich zu wandern habe, denn es sehnt sich mein Herz
nach dir![9]

Amen.

[Funote 9: Ps. 143, 8.]




Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 3-4.


7. Allmchtiger, allweiser Schpfer! Am ersten Schpfungstage nhert
sich meine Seele dir und danket dir, da du die Finsternis hast
schwinden lassen und wiederum, wie einst, da du ber die leblose Natur
das: Werde Licht! riefst, mich von deinem Licht umstrahlt sein lt,
das allem um mich her Kraft spendet und Reiz verleiht. Ach Herr, mein
Gott! du, der du so unendlich bist, der du dich hllest in Licht wie in
ein Gewand (Ps. 104), zerstreue du die Finsternis, die noch ber so
viele ausgebreitet ist, auf da das Licht der Liebe die Herzen aller
Lebenden erleuchte und erwrme! Hilf du mir, da ich den Weg des Lichtes
wandre, da kein trber Zweifel meine Seele umschleiere, keine
Versuchung mich auf die dunkle Bahn des Lasters fhre. La deine Gnade
und Huld mir und den Meinigen zu teil werden, auf da wir unser
tgliches Brot finden und es in Freuden genieen. Erleuchte mich mit
deinem Lichte und deiner Wahrheit, da sie mich leiten, dich zu suchen,
dir zu dienen mit allem, was ich in dieser Woche vornehme, da keiner
meiner Gedanken und keine meiner Taten das Licht des Tages zu scheuen
ntig habe. Verschone mich und die Meinigen von groen Sorgen, die den
Sinn beschweren, ihn niederdrcken und irre leiten. Und so zuweilen die
Aussichten trbe sind, und Angst mein Herz beschleicht, dann la mich
eingedenk sein, da du gndig und barmherzig bist, und da den Frommen
ein Licht in der Finsternis aufstrahlt (Ps. 112); la mich eingedenk
sein, da wir hienieden nicht das volle Licht schauen knnen, da es
aber in der Ewigkeit herrlich fr diejenigen strahlen wird, die dich in
Wahrheit anbeten. So nimm mich denn in deinen Schutz, und mge all mein
Streben in dieser Woche dazu beitragen, da ich einst wrdig werde,
dieses Licht zu schauen,--sei mir gndig, segne mich und la das Licht
deines Antlitzes mir leuchten![10]

Amen!




Abendgebet.


8. Wiederum habe ich einen Tag verlebt, an welchem du mir so viele
Beweise deiner vterlichen Frsorge und deiner rettenden Gnade gegeben,
da ich tief fhle, was ich dir schulde, und es tief erkenne, wie wenig
ich so viel Gte verdient habe. O! mein Gott, gehe nicht ins Gericht mit
mir; denn vor dir ist kein Lebender gerecht, sondern vergib in deiner
Langmut und Barmherzigkeit meine Snden, meine Vergehen und Irrtmer,
die ich mir im Laufe des Tages habe zu schulden kommen lassen. Erhre
meine Seufzer, die ich in Demut emporsende, auf da ich getrost mich zur
Ruhe legen, und nun zur Zeit, wo aller menschliche Beistand schlummert,
auf deinen Schutz vertrauen kann. O du, vor dem die Nacht hell ist wie
der Tag, sei du mein Beschtzer in jeglicher Gefahr, das Licht meiner
Seele in der schaurigen Finsternis, bewahre mich vor den Schrecknissen
der Nacht, halte jegliche Krankheit von meinem Lager fern, und la
deinen Geist mich beseelen, auch wenn ich schlummere, auf da ich neue
Kraft gewinne, um die Kmpfe des Lebens zu bestehen, und gestrkt werde,
deinen Willen zu erfllen. Erbarme dich der Menschenkinder und la bald
die Nacht vor deinem himmlischen Lichte weichen, das Friede und Liebe
auf der ganzen Erde verbreitet; halte deine Hand ber die, die unter dem
Dache meines Hauses schlafen, da niemand sndige, niemand strauchle!
Dir empfehle ich alle meine Lieben, nahe und ferne, la mich in Frieden
schlafen und wohl und gesund wieder erwachen, um dich zu loben und zu
preisen, da du warst die Hilfe meines Antlitzes, mein Schild, mein
Gott.

Amen!

[Funote 10: Ps. 67, 2.]




Am Montag.




Morgengebet.


9. So bin ich denn wieder erwacht, ich rege mich und lebe in dir, du
Lebensspender, allgtiger Gott! Ach, mit welch drckenden Gedanken begab
ich mich zur Ruhe! Kaum hoffte und erwartete ich, von den mannigfachen
Sorgen befreit zu werden, die auf meinem Herzen lasteten und meine Seele
so unruhig machten; aber du bereitetest mir einen erquickenden Schlaf,
und mit den Schatten der Nacht, die vor dem Lichte des Morgens weichen,
war alles, was mich drckte, verschwunden. Nun fhle ich mich wie neu
geschaffen und schaue mit Vertrauen auf zu deiner unendlichen Gte, die
ber mich wachet. Unschlssig war ich und frchtete den kommenden Tag;
aber siehe, es ist als ob du im Laufe der Nacht Entschlossenheit meiner
Seele eingegeben httest, da ich mit neuer Lust und freudigem Mute
heute wieder an mein Werk gehe. O, mchte doch mein Vertrauen auf dich
nie wanken, o, mchte es mich doch auch heute zu meinem Werke begleiten,
da ich, was mir auch heute begegne, doch stets eingedenk bleibe und mit
ergebenem Sinne erkenne, da du der Herr bist, und da du tuest, was gut
in deinen Augen ist! Verleihe mir aber auch die Kraft, in meinem Streben
und Wirken wrdig zu bleiben, das Auge zu dir erheben zu drfen, da ich
stets auf deine vterliche Hilfe und auf deinen Schutz vertraue, da
kein falsches Vertrauen sich in mein Herz schleiche, und da ich nicht
durch unermdliches Jagen nach den vergnglichen Dingen, durch
Eigennutz, Genusucht oder Eitelkeit das Glck und den Segen verscherze,
den du allen denen verheien, die ihre Hoffnung auf dich setzen. So
strke mich denn, da ich arbeite, ohne zu ermden, da ich mit
dankbarem Sinn jede Freude geniee, die du mir schenktest, und ich zum
Segen wirke! La mich nie rgernis und Ansto verursachen, sondern in
der Zeit als einen leben, der die Ewigkeit vor Augen hat! O, du ewiger
Gott, sei mir gndig, segne und bewahre mich! Ja, ich will nicht
verzagen; denn meine Hilfe kommt von dir, der du geschaffen Himmel und
Erde.

Amen




Betrachtung ber 1. B. M. 1, 6-8.


10. Allmchtiger Schpfer, alliebender Gott! Ich danke dir, da du mich
wieder den zweiten Wochentag hast schauen lassen den Himmel, der sich
noch ber mir wlbt, wie du ihn einst am zweiten Schpfungstage ber die
Erde ausgespannt hast. So leuchtete sofort deine Herrlichkeit ber dem
Staube, da wir dadurch erinnert wrden, da die Seligkeit des Himmels
das Ziel fr den Erdenkampf sei, und in der Ruhe und in dem Frieden, der
von dem sichtbaren Himmelsbogen widerstrahlt, spiegelt sich fr den
Menschen der selige Friede des unsichtbaren Himmels ab. Bei aller Not
und Sorge des Lebens soll der Mensch zum Himmel empor schauen und dort
die Trstung und Erquickung suchen, die die Erde nicht zu gewhren
vermag, und in den Versuchungen der Welt, in ihrem Kampf und Streit soll
er von deinem Himmel Kraft und Freiheit holen. Aber darf auch ich wohl
meinen Blick zum Himmel erheben?--O, nur der kann freudig empor in die
Hhe sehen, der das tut, was dir wohlgefllig ist! Hab ich dieses getan?
War ich stets eingedenk, da ich berall in deinem Heiligtum bin, da
berall der Himmel ber mir ausgebreitet ist, der deine Herrlichkeit Tag
fr Tag verkndet? Habe ich mich wohl auf Geistesschwingen zum Himmel
gehoben, whrend mein Fu zur Erde gestellt war--leuchtete ein Himmel
der Liebe aus meinem Auge, wenn ich mit meinen Menschenbrdern
verkehrte? O Gott, sei mit mir heute, da ich jede Versuchung besiege,
jede sndige Lust bezwinge, und da jeder meiner Gedanken, jedes meiner
Worte und jede meiner Taten von der Klarheit des Himmels widerscheine,
da mein Wandel dir wohlgefalle, und die Liebe des Himmels mich einst
verklre bei dir, du, mein Gott, dessen Huld so erhaben ist, wie der
Himmel ber der Erde, du, der du meine Snden vergibst und mich krnest
mit Barmherzigkeit und Gnade.[11]

Amen!




Abendgebet.


11. Wie, o Gott, soll ich dir danken fr alle Wohltaten, die du mir
heute erwiesen? O, nicht nur, da du in Gnade deine Hand ber mich
gehalten und mich das tgliche Brot fr mich und die Meinigen hast
finden lassen--nein, sieh in reichlichem Mae hast du mir dasselbe
vergnnt, und vorzglich danke ich dir fr die besondere Trstung und
Ermunterung, die mich heute so unerwartet erquickt hat. Ach wie
glcklich machte mich nicht der geringste Dank, den ich durch deine
Gnade erntete und die Freude, die der eine und andere meiner Mitwanderer
hier im Leben, mir, gewi nach deiner gtigen Eingebung, bereitet hat.
Nein! ich kann mich nicht in die Arme des Schlafes werfen, ohne dich um
Vergebung zu bitten, da ich so oft ber die Brden des Lebens und ber
den Undank und die Verkennung der Welt geseufzt habe! Sah ich nicht
heute, wie hoch mein Herz sich freute und sich freuen mute bei dem
geringsten Dank, bei dem aufmunternden Lohne, den ich zuweilen erntete,
und wie solch' selige Augenblicke gerade in Stunden der Ermdung und
Erschlaffung eintreten! Und wenn ich noch bedenke die himmlischen
Augenblicke, in welchen es mir vergnnt war, die Hnde der Schwachen,
die Knie der Wankenden zu strken, wo ich durch deinen Beistand es
vermochte, zu trsten und zu beruhigen, durch meine Anerkennung der
Wirksamkeit anderer imstande war, sie zu erneuetem Fleie
anzuspornen,--o, dann berstrmt mein Herz von Dank und Freude; ich will
nicht mehr klagen, ich will jede Stunde recht benutzen, um so meine
Mitmenschen zu erfreuen, auf da auch ihre Seelen Ruhe in dir finden.
Strke mich hierzu, o mein Gott, dazu empfehle ich meinen Geist deinem
Schutze!

Amen!

[Funote 11: Ps. 103, 3.]




Am Dienstag.




Morgengebet.


12. Allgtiger Gott! Nimm das Morgenopfer meines Herzens als Dank
entgegen fr die neuen Beweise deiner Gnade, die du mir in der
verflossenen Nacht gegeben. Ach, wie viele haben diese nicht in Unruhe
und Kummer verbracht, und von wie vieler Lager wurde nicht der Schlaf
durch Angst und Sorge verscheucht; ich aber wurde verschont, die
Meinigen hast du beschirmt! o, wie wenig habe ich doch so viele Gnade
verdient! So manchen Morgen erwachte ich nur mit neuen Wnschen und
verga es, wie sehr du mich bereits gesegnet, und wie vielen Dank ich
dir schulde; doch heute steht deine Gte mir vor Augen, und o, wie
glcklich macht mich dieser Gedanke! Ach, wie wenige fhlen doch das
Gute, das sie unablssig von deiner Hand empfangen, und wie innig mu
ich dir nicht danken, da du durch deine heilige Lehre in mir die
Erkenntnis deiner Wohltaten geweckt hast! Und wenn ich ganz von deiner
gttlichen Lehre erfllt wre, o wie glcklich wrde ich mich dann noch
fhlen, welch ein Born der Freude wrde da unaufhrlich aus derselben
fr mich flieen, selbst dann, wenn Kummer und Sorgen mich umgeben,
welche Seligkeit wrde ich dann nicht aus jedem Gebote schpfen, das ich
erflle! O, du Ewiger! la diesen Tag mich dem groen Ziele nher
bringen, dem ich nachstreben soll! Sei mit mir in all meinen
Bestrebungen, hilf mir in meiner Schwche, erleuchte mich in meiner
Unwissenheit, umgrte mich mit der Kraft des Willens, la meine Seele
alles in Klarheit schauen, mein Herz alles Edle und Heilige mit Wrme
umfassen! Rste mich aus mit Standhaftigkeit und lege an diesem Tage
reichen Segen in meine Arbeit. Bewahre du, Ewiger, meinen Ausgang und
meinen Eingang, o, entziehe mir nicht deine Barmherzigkeit, sondern la
deine Gnade und Treue mich stets beschirmen!

Amen!




Betrachtung ber 1. B. M. 1, 9-13.


13. Wie knnte ich wohl am dritten Tage der Woche mein Auge der
Herrlichkeit des Tages ffnen, ohne dir fr deine unendliche Gte zu
danken, mit welcher du die Erde erfllt hast und sie mit jedem Morgen
aufs neue erfllst? An diesem Tage, so lieest du uns in der
Schpfungsgeschichte verknden, riefst du Gras, Kruter und Bume
hervor, die Frucht und Samen tragen, jegliches nach seiner Art. So hast
du, allgtiger Gott, fr jedes lebende Geschpf seinen Bedarf bereitet,
bevor es noch ins Dasein gerufen war, so hast du auch an mich gedacht,
bevor ich noch das Tageslicht schaute, hast liebevolle Wesen bestellt,
die fr mich sorgten, die mich kleideten und ernhrten, mich erzogen und
leiteten, und die Erde, sie ist voll deiner Gaben. O, wie knnte ich da
verzagen und bekmmert fragen: woher soll ich Brot fr meinen
Lebensunterhalt nehmen? O, getrost bete ich zu dir: Gib mir und den
Meinigen unser tgliches Brot, da wir nie der Gabe eines Menschen
bedrfen, erhalte uns in Gengsamkeit, da wir in bescheidenem und
prunklosem Wandel uns glcklich fhlen, jeglicher in seinem Berufe und
jeglicher in seinem Stande. Wache ber die Bedrftigen und Notleidenden
und gewhre mir die Seligkeit, ihnen wie ein herrlicher Baum zu sein,
der Schutz und Erquickung ber sie ausbreitet, ja, la mich wie ein Baum
sein, der an den Wasserbchen deines gttlichen Wortes gepflanzt, reiche
Frchte trgt, und dessen Bltter nie welken. La, o Herr, mein Streben
und Wirken dir wohlgefllig sein und auch meinen Mitmenschen. Mchte
mein Sinn von dem Licht aus der Hhe erfllt werden, und meine Rede wie
strkende, erquickende Nahrung jedem sein, der darauf hrt.--O, du, der
du nie den Gerechten verlt und es ihm nie an Brot mangeln lt, erhre
mich und la mich heute stark im Guten sein, errette mich von jeglicher
Snde, auf da du auch ber mein Werk heute wie bei der Schpfung sagen
knntest: es war gut,[12] gut fr das zeitliche und gut fr das ewige
Leben.

Amen!

[Funote 12: Buch Moses 1, 12]




Abendgebet.


14. Der Tag ist dahin gegangen, o, so schnell, so sehr schnell bei
Arbeit und Freude und unter deinem beschirmenden Segen, allbarmherziger
Gott und Vater! Und nun, da mein Tagewerk zu Ende ist, so kommt mir so
vieles in den Sinn, was ich vornehmen wollte, aber zu tun vergessen,
vieles, mit dem ich mich beschftigt habe, aber nicht auf die rechte
Weise, so manches Wort, das ich gesprochen, das ich entweder lieber gar
nicht ausgesprochen haben mchte, oder doch nicht so, wie ich es getan,
mancher Mensch, dem ich begegnet, aber ohne darauf zu achten, wie
ntzlich er fr mich und ich fr ihn htte sein knnen. Ach ich mu
gestehen, wenn ich auch nur an eitlen Gewinn und eitle Lust denken
wollte:--knnte ich meinen Tag aufs neue beginnen, so wrde ich meine
Zeit anders einteilen, so wrde ich ganz anders mich verhalten; vieles,
was geschehen, wrde ich ungetan lassen, vieles, was unterlassen ist,
wrde ich zur Ausfhrung bringen--und wie viel mehr erst, wenn ich an
das Werk meines Seelenheils denke. O, mu ich nicht frchten, da es
einst, wenn mein ganzer Lebenstag dahingeschwunden ist, fr mich so sein
wird, wie in dieser Stunde, mu ich nicht, weil es noch Zeit ist,
bestrebt sein, da mein Lebenstag nicht vergeudet werde? Darum nhere
ich mich dir, mein Gott, mit dem Gebete:tue mir kund den Weg, den ich
gehen soll, lehre mich nach deinem Willen handeln, dein gtiger Geist
fhre mich Tag und Nacht auf die rechte Bahn![13] La mich auch in
dieser Nacht deine Gte erfahren, bewache, erquicke und segne sowohl
mich, als alle die Meinigen, und la die Ruhe der Nacht aufs neue mir
Kraft schenken, um gegen alles zu kmpfen, was im Streite ist mit der
hohen Bestimmung meines Daseins, mit dem Werk, das ich zu vollfhren
habe.Herr! dein will ich gedenken, wenn ich auf meinem Lager liege,
ber dich sinne ich in den Nachtwachen, meine Seele hngt an dir, deine
Rechte untersttzt mich. Amen!

[Funote 13: Ps. 143, 8. 9.]




Am Mittwoch.




Morgengebet.


15.Wenn ich auf meinem Lager bin, so denke ich an dich, o Gott, und
wenn ich erwache, spreche ich von dir, denn du bist mir eine Hilfe, und
im Schatten deiner Flgel fhle ich mich so sicher,[14] frh suche ich
darum dich, und meine Seele drstet nach dir, mein Gott. Ach, mchte
doch meine Seele dir anhngen, und mchte deine Rechte mich untersttzen
den ganzen Tag und mich leiten und aufrecht halten, wo ich auch wandre,
und mit wem ich auch verkehre. Ich mchte so gern mit Milde und Sanftmut
unter meinen Brdern wandern, aber feindlich Gesinnte, Haerfllte,
Lieblose, denen ich begegne, knnten so leicht meinen Zorn aufflammen
lassen; ich mchte so gerne einen innigen, festen Glauben an den Tag
legen, aber Leichtsinnige und Gleichgltige knnten meinen Eifer khlen,
und Scheinheilige all meinem frommen Streben in den Weg treten; es wird
so schwer, die heilige Flamme auf dem Altar des Herzens vom Morgen bis
zum Abend rein und jedes fremde Feuer fern zu halten; es wird so schwer,
einen schuldfreien und heitern Sinn zu bewahren; die Freuden, die deine
Gte uns bereitet, so zu genieen, da keine sndhafte Neigung oder Lust
in die Seele dringe, und da diejenigen, welche auf uns sehen, nicht in
ihrem Urteile ber uns irre geleitet werden; es ist so schwer,
Freundlichkeit und Ernst, Nachsicht und Duldung mit unerschtterlicher
Festigkeit im Glauben zu vereinen. Wie leicht artet nicht ein
freundlicher, nachgiebiger Sinn zu einer eitlen Lust aus, den Menschen
zu gefallen! Wenn ich den Beifall der Welt ernte, so macht es mich so
hochmtig und stolz, und weniger vermag ich ihre Klte, ihren Spott oder
ihre Geringschtzung zu ertragen, sie erbittert meinen Geist und lhmt
meine Kraft, und doch soll ich im Kampfe nicht schwanken und nicht
verzagen. Sieh! darum bitte ich: Herr, lehre mich deine Wege erkennen
und leite mich auf die rechten Pfade, nicht nur meiner selbst wegen,
sondern auch derentwegen, die auf mich schauen, und mit denen ich heute
verkehre, ja meiner Freunde und Verwandten und meiner Hausgenossen
wegen. Mchte ich in der Freude sowohl als im Schmerze, den du in deiner
Weisheit mir zusendest, mich als echter Israelit bewhren, der dein
gttliches Gebot in seinem Herzen trgt, da all mein Wirken auf Erden
ein himmlisches Geprge an sich trage und Zeugnis gebe von meinem
Streben, an deinem Reiche zu bauen. La einen freundlichen himmlischen
Strahl sowohl meine Lust als meine Arbeit beleuchten, la den Tau des
Himmels auch bei der Mhe und Hitze des Tages mich erquicken, in dem
Kampfe des Lebens mich strken und zu jeglicher Zeit mein Herz erfreuen!
O, so verla mich nicht, mein Gott, sondern segne mich und die Meinen
heute, la mich nicht verzagen, wenn du mich vterlich zchtigest;
sondern lege in meine Seele das rechte kindliche Vertrauen zu dir, und
gib, da mein Wandel der Lobgesang wird, womit ich unablssig dich
preise.

Amen!

[Funote 14: Ps. 63, 7. 8.]




Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 14-19.


16. Herr, allweiser, allgtiger Schpfer! Ich danke dir, da du mich
diesen vierten Tag der Woche hast erleben lassen, den Tag, der aus der
Schpfungszeit Zeugnis gibt von deiner unendlichen Weisheit und Macht,
mit welcher du die Gestirne auf ihren Bahnen leitest, die Sonne, den
Mond und die zahllosen leuchtenden Welten, da sie mit himmlischem
Glanze fr uns leuchten, die Erde erwrmen und befruchten und in den
dunklen Nchten Wege auf dem den Meere zeigen, ja da sie uns dienen,
um unsere Wanderungstage zu zhlen und unsere festlichen Zeiten zu
bestimmen. Sieh, du hast ihnen Ziel und Grenze gesetzt, da sie nicht
von ihren Bahnen weichen, sondern jeder Himmelskrper seinem
vorgeschriebenen Gesetz folgt und nicht hinein schreitet in den Kreis
eines andern; wenn er verschwunden zu sein scheint, so leuchtet er in
einer anderen Welt oder beginnt aufs neue seinen Lauf, um deine
Herrlichkeit an dem unermelichen Himmelsgewlbe zu verknden. O, mein
Gott!wenn ich anschaue den Himmel, deiner Hnde Werk, den Mond und die
Sterne, die du geschaffen,--was ist ein Sterblicher, da du sein
gedenkst und der Menschensohn, da du auf ihn achtest?[15] Und doch bin
ja auch ich von dir bestimmt, ein Glied in der Kette des All zu sein,
und auch meiner Bahn hast du Gesetz angeordnet, dem ich folgen soll, und
das ich nicht berschreiten darf. Ach, wie oft habe ich gerade den Weg
verlassen, der mir vorgezeichnet ward, wie oft unternahm ich nicht
gerade das, wozu ich nicht berufen war, und durchkreuzte da die Bahn
eines andern und richtete da Verwirrung an, wo ich ber Gottes Ordnung
und Gesetz wachen sollte! O! ich will darum zum Himmel empor schauen und
zu seinem strahlenden Heere, da ich von ihnen lerne, fr meine Brder
zu leuchten, und sie mit der vollen Liebe meines Herzens zu erwrmen;
da ich vom Monde lerne, Erquickung, Trost und Friede in trbe und
angstvolle Seelen zu bringen, von der Sonne, die fr alle, auch fr die
Ungerechten aufgeht, lerne auch Sndern Mitleid zu zeigen und sie auf
den rechten Weg zurckzubringen! Aber, o mein Gott! was vermag ich ohne
deinen Beistand? Darum bitte ich dich: strke mich in meinem Vorsatz,
hilf mir, mnnlich gegen alle Versuchungen zu kmpfen, stehe mir bei,
da ich unermdlich in der Erfllung meines Berufes sei! Dein Geist und
Wort zerstreue, der Sonne gleich, jede Wolke, die meine Umgebung
verdunkeln will! Ja, all mein Tun und Wirken sei so, da ich hoffen
darf, einst, wenn ich meinen Lauf hienieden vollendet, einzugehen in das
wahre himmlische Licht bei dir in der Ewigkeit.

Amen!

[Funote 15: Ps. 8, 4. 5.]




Abendgebet.


17. Allbarmherziger Vater! Auch diesen Tag habe ich unter deinem Schutz
und Segen glcklich zu Ende gebracht und deiner Obhut meine Seele und
meinen Leib anempfohlen; ja, in meinem Nachtgebet habe ich, wie es dem
Israeliten geziemt, bevor ich mich zur Ruhe begab, mich zu dir zu
erheben gesucht. Aber ach, je mehr ich mich selbst durchforschte, desto
mehr werde ich innerlich betrbt, indem ich mich des Gedankens nicht
erwehren kann, meine Aufgabe nicht erfllt zu haben; denn ich habe das
heilige Bekenntnis des Israeliten abgelegt:da du der einzige, ewige
Gott bist; aber habe ich auch heute dies in der Tat und in der Wahrheit
bewiesen, da es das Bedrfnis meines Herzens war, dir fr alles zu
danken, was mich erquickt, und deinen Namen zu preisen, und dich als den
Einzigen, Alliebenden anzubeten, bei allem, was mir widerfahren? Und
ich habe die Grundlage fr die heiligsten Verpflichtungen meines Lebens
ausgesprochen, da ich dich lieben soll mit ganzer Seele, mit ganzem
Herzen, mit all meinem Vermgen, aber wie oft hat nicht die Liebe zur
Welt mich dich vergessen lassen, und wie wenig war ich bereit, aus Liebe
zu dir alles zu opfern? Ja, in unerschtterlicher Liebe zu dir soll ich
meinen Nchsten lieben; aber wie schwach glhte doch eine solche
Liebesflamme in meinem Innern! Selbst wenn ich mich liebevoll gegen
meine Mitmenschen zeigte, war es doch zuweilen eine Scheinliebe und
nicht die heilige Flamme, die unaufhrlich auf dem Altar des Herzens
brennen soll. Durch mein Wort und mein Beispiel soll ich den Meinigen
(meinen Kindern, meinem Hausgesinde, meinen Freunden und meinen
Angehrigen) dein Wort einschrfen, aber bald wurde ich durch Eitelkeit
und Hochmut irre geleitet, bald verschlo Geiz, Zorn oder Neid das Herz
und die Hand; denn das Feuer der Leidenschaft brennt in meiner Brust und
betrt meinen Geist. Und wenn ich sehe, wie wenig noch die Welt dich,
den Einzigen, kennt und anbetet, und wie wenig Liebe zu dir in der
Menschen Brust lebt, wie wenig sie sich in gegenseitiger Liebe uert,
ach, da mu ich fast verzagen; ich gedenke meiner Snden und der Schlaf
weicht von meinem Lager. Woher, o Gott, soll ich Kraft nehmen, um im
Kampfe zu bestehen? Und doch--mein Nachtgebet hat mich ja belehrt, da
ein zerknirschtes Herz dir wohlgefllig ist, hat mich auch belehrt, auf
wen ich meine Hoffnung setzen soll: Herr, auf dich allein!Du stehst zu
meiner Rechten: Wer wie du![16] so barmherzig, du bist meine Strke[17]
du bist mein Licht[18] und du bist mein Arzt[19] sowohl fr Leib als
Geist; deine Herrlichkeit umschwebt mich. Zuversichtlich spreche ich
darum:auf deine Hilfe hoffe ich, ja, ich warte in Geduld auf deine
Hilfe und beuge mich in Demut vor dir, o Herr[20], der du ber mich
wachen und mich wecken wirst,

Amen!

[Funote 16: Michael]

[Funote 17: Gavriel]

[Funote 18: Uriel]




Am Donnerstag.




Morgengebet.


18. Herr, mein Gott und Vater!Du erneuerst jeden Morgen deine Gte
gegen mich, und deine Barmherzigkeit ist unendlich. Darum erhebe ich in
der frhen Morgenstunde dankend meine Stimme zu dir, indem ich fhle und
erkenne, da deine wachende Vorsehung in den Stunden der Finsternis
meinen Geist bewacht und mich aus dem Schlummer der Nacht zu neuem Leben
geweckt hat. O! mchte doch auch mein besseres Wesen mit jedem Morgen
sich erneuern, und mchte ich bei meinem Tagewerk nie verzagen, sondern
es vollenden, ohne zu ermatten; mchte ich doch jeden Tag mit neuer Lust
auf dein gttliches Wort lauschen und aus deiner heiligen Lehre
Seligkeit schpfen; mchten doch alle guten Krfte, die du in mich
gelegt, jeden Morgen sich erneuern, so da ich nie mde werde, meinem
Bruder zu helfen, ihn zu erquicken, zu trsten und zu untersttzen, nie
mde werde, Sanftmut und Geduld gegen meine Freunde zu zeigen, und nie
aufhre, Gutes denen zu erweisen, die mich hassen, und diejenigen zu
segnen, die mir fluchen; mchte doch ein liebevoller Geist jeden Tag in
mir erneuert werden, da ich demtig und liebevoll gegen die Armen, mild
und nachsichtig gegen meine Diener mich zeige; ja, la mich auch heute
aufs neue Kraft gewinnen, um gegen die Snde, meinen rgsten Feind, zu
kmpfen! Mge sich stets auch mein kindliches Vertrauen erneuern, mit
dem ich meinen Weg deiner vterlichen Frsorge empfehle! O, erhre mich
denn, Allgtiger! wenn ich dich bitte, mir die Ausfhrung dieses meines
heiligen Vorsatzes zu erleichtern. La keine drckende Sorge mir die
Freudigkeit in meinem tglichen Berufe rauben; strke meinen Krper, da
meine Seele sich frei zu dir erheben kann;entbiete mir deine Engel,
mich zu behten auf meinen Wegen, da mein Fu nicht strauchle; la in
jeder zeitlichen Freude sich fr meine Seele die ewige, selige Wonne
abspiegeln und la mich froh sein mit den Frohen! Segne, o Gott, Volk
und Land, segne alle, die mir lieb und teuer sind! Leite mich nach
deinem Rat, und nimm mich einst auf zur ewigen Seligkeit.

Amen!

[Funote 19: Rephael]

[Funote 20: lyshu'atcha (Auf deine Hilfe u. s. w.)]




Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 20-23.


19. Mein Gott und Vater! Nimm mit Wohlgefallen meinen kindlichen Dank
dafr entgegen, da ich diese Nacht sicher unter deinem Schutz geruht
habe und mich wieder umgeben sehe von deinen Wohltaten, von den
unzhligen Geschpfen, die du ins Leben gerufen, deren Anblick Ruhe in
die gengstigte Seele mir senkt und mein Herz mit Bewunderung erfllt.
Heute ist ja der Tag, an dem in der Schpfungszeit das Weltmeer mit
einem unzhligen Gewimmel kleiner und groer Tiere sich fllte und die
Luft mit dem zahllosen Geflgel, das unter der Wlbung des Himmels
fliegt.Alle erwarten ihre Nahrung von dir, und du sttigst sie mit
allem Guten.[21] O, wie kann ich da noch frchten, da du mich
vergebens um deine guten Gaben vom Himmel beten lassen solltest, wenn
ich nur treu arbeite, um sie zu gewinnen! Sieh', wie zahllos und wie
mannigfaltig sind nicht die lebendigen Geschpfe des Himmels und des
Meeres, und doch bilden sie alle einen groen Einklang, um deine
Herrlichkeit zu verknden; ist nicht das geringste bunte Wrmchen eben
so wundervoll wie das starke Tier im Walde, und preisen nicht die
Millionen Geschpfe im Wassertropfen eben so sehr deine Allmacht und
Wahrheit wie der Wallfisch im Meere? O, sollte ich da verstummen und
nicht bestndig meinen Lobgesang darbringen, sollte ich nicht durch mein
Leben, durch mein Tun deine Herrlichkeit verknden? Ach Herr! segne du
mich, da meine Gedanken gelutert werden, und meine Taten dir gefallen.
Sieh, der Fisch schwimmt so lebensfroh im Meere, aber, wenn im nchsten
Augenblick ein Fischer ihn heraufzieht, da erlischt das Leben, so wei
auch ich, da der Fischer stets sein Netz und seine Angel nach den
Menschenkindern auswirft, um sie von dir, der Quelle alles Lebens, fort
und hin in den Tod zu fhren; ach mchte ich doch der Lockspeise der
Welt Widerstand entgegenzusetzen stark genug sein und mich von den
lebenden Wassern nhren, die aus deiner himmlischen Lehre strmen! La
mich deiner Liebe eingedenk sein, die meine Vter auf Adlerfittigen,
getragen, und wenn die Sorge meinen Sinn umwlkt, wenn Leiden mich
treffen und Feindschaft mich verfolgt, oder wenn Verfhrungen mich
umringen, o, la mich da auf die Vgel des Himmels sehen, die ihre Zeit
kennen, und la mich von ihnen lernen, da der Tag kommen wird, wo ich
dorthin zurckwandern werde, wo eine wrmere Sonne scheint, und Freude,
Wonne und Herrlichkeit weilt bei dir in aller Ewigkeit.

Amen!

[Funote 21: Ps. 145, 15.]




Abendgebet.


20. Durch deinen Beistand, allgtiger Gott, habe ich wiederum meinen Tag
zu Ende gebracht, und wie deine Gte mich heute vor jedem Unglck
bewahrt hat, so wirst du mir auch Erquickung in meiner nchtlichen Ruhe
verleihen. Im Schlaf will ich alle Mhe und Beschwerden, jeden Kummer
und jeden Schmerz vergessen. So wird deine ewige Liebe nicht mde, mir
Gutes zu erweisen, und doch erkenne ich dies so wenig. Ja, mu ich nicht
in dieser Stunde deiner Gte danken, da, whrend du die Stille der
Nacht um mich her verbreitest und meinem mden Krper Ruhe schenkst, du
auch alles Toben der Leidenschaft und der Angst und Sorge in meiner
Brust verstummen lt und meiner Seele Ruhe gibst? O so wehet dein
schtzendes Panier in Liebe ber meinem Haupte,[22] und nur im
Vertrauen auf diese Liebe wage ich es, dich zu bitten, mir Ruhe und
Erholung in dieser Nacht zu schenken. Denn sollte ich Rechenschaft ber
das Werk des verschwundenen Tages ablegen, o, dann mte ich ausrufen:
Herr! gehe nicht ins Gericht mit mir!--Ach, die Stille auf Erden sagt
mir:Du wachest in deiner Wohnung! Je weniger das Irdische meinen Geist
zerstreut und meine Gedanken verwirret, desto tiefer fhle ich meinen
Abstand von dir, doch ich wei, du gedenkst, da ich Staub bin und
erbarmst dich ber mich wie ein liebender Vater, ich wei, da du gern
den Seufzer deines reuigen Kindes hrst und das erfllst, was es
begehret. O, so verla mich nicht, du Israels Hter, in dieser Nacht.
Breite aus das Banner deiner Liebe ber mich (meine Gattin, meine
Kinder, meine Eltern u. s. w.); bewahre unsere Stadt vor allen
Schrecken, und erquicke mich mit einem ruhigen Schlafe, da ich morgen
mit erfrischter Kraft erwache zu deiner Ehre. Nimm auch deinen Geist
nicht von mir, und la mich noch lange Zeugnis ablegen, da deine Gnade,
o Herr, von Ewigkeit zu Ewigkeit whrt denen, die dich frchten, und
deine Huld ihren Kindeskindern.

Amen!

[Funote 22: Hohelied 2, 4.]




Am Freitag.




Morgengebet.


21.Preise meine Seele den Herrn und vergi nicht alle seine
Wohltaten! so will ich heute, am letzten Arbeitstage der Woche, den Dank
meines Herzens vor dir, Alliebender, aussprechen. Denn du hast mich
diese Morgenstunde schauen lassen, und die ganze Woche hindurch habe
ichs erfahren, da߻du mir am Tage deine Gte entbietest und deine Liebe
ber mich des Nachts wacht; ja! ein Tag bezeugt es dem andern, und die
Nacht verkndet es der Nacht.--Jede Tat, die mir gelungen, jedes Wort,
das mich erfreut, jede Kraft zur Arbeit, die ich in mir gefhlt, und
jeder Lohn, den ich empfangen, war ein unverdienter Segen aus deiner
Hand, und selbst dann, wenn meine Seele in Sorge, Mimut und in
Bekmmernis eingehllt war, wenn ich seufzte ber andere und ber mich
selbst klagte, ber Mangel an Kraft in der Stunde der Sorge, die du ber
mich verhngt, oder die ich mit meinem trauernden Bruder trug, selbst
dann warst du, o Gott! mir ja nahe mit deinem Trost, und ich fhlte
deinen Geist, wie er bei mir weilte, und die Nacht mit all ihrer
Dunkelheit schien dem hellen Tage gleich fr meine Seele, die von deiner
unendlichen Liebe berhrt wurde. O Ewiger! wie soll ich dir fr alles
dieses danken, nun da die Woche bald zu Ende ist? Mu nicht das
Bewutsein, da ich nicht in deinen Augen gewesen, was ich sein sollte,
schwer auf meinem Herzen lasten? Ja, so schnell schwand die Woche
hin, eine kurze Spanne Zeit sind meine Tage vor dir, und mein Leben ist
wie nichts, so schnell schwand die Woche hin, da ich meine
Vergnglichkeit fhlen und die Pilgerzeit auf Erden, die du mir
zugemessen, benutzen mu. Ja, Herr, ich setze meine Hoffnung auf dich;
befreie mich von all meinen Snden, leite du mich, da ich am letzten
Arbeitstage der Woche zu deinem Wohlgefallen lebe, da ich heute demtig
ergeben und dankbar gegen dich sei, liebevoll und vershnlich gegen
meinen Nchsten mich zeige und mich als treuer und fleiiger Arbeiter in
deinem Dienst bewhre, wie es dem ziemet, der nach deinem Namen genannt
ist. (5. B. M. 28, 10.) Ja, mchte ich mit Recht noch Jude genannt
werden, da das Zepter nicht aus meiner Hand weiche, ich vielmehr
Herrschaft ber alle bsen Mchte gewinne, die um mich her ihr Lager
aufschlagen, so da die Gleichgltigkeit der Welt mich nicht schlaff und
lssig in deinem Dienst mache, und ihr Widerstand oder ihr Spott mich
nicht in meinem Glauben erschttern; o, la mich die Woche damit
schlieen, da ich den Kampf gegen den Verfhrer in meiner eigenen Brust
bestehe, da der Name Israelit, Kmpfer fr das Gttliche, mir mit Recht
gegeben sei, und mir seliger Lohn werde, wenn ich vom Kampfplatz der
Erde zu ewiger Sabbatruhe im Himmel abgerufen werde.

Amen!




Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 24-31.


22. Dir, ewiger Quell des Lebens, dir danke ich am letzten Arbeitstage
dieser Woche, da du mich so wunderbar erschaffen, und da du mich bis
zu dieser Stunde so treu und sicher bewahrt hast! Dieser Tag war es ja,
an dem du in der Schpfungszeit alle lebenden Tiere auf der Erde
geschaffen und zuletzt den Menschen, da er herrsche ber die Fische des
Meeres und die Vgel des Himmels und alles, was da lebt und sich regt
auf Erden. Ja, du hast den Menschen verherrlicht, indem du kund getan,
da er nach deinem Bild und dir hnlich geschaffen ist;nur um ein
Geringes hast du ihn den Engeln nachgesetzt, und mit Ehre und Wrde hast
du ihn gekrnt.[23] Von dir erhielt ich die Kraft des Geistes, mich
ber die Vergnglichkeit zu erheben und die Macht, mir die Erde
untertnig zu machen, sie zu verschnen und zu verherrlichen, aber auch
Macht, um die irdischen Begierden und die wilden Lste des Fleisches in
mir zu bezwingen. O, mein Gott, ich kann Herrscher sein ber den rauhen,
widerstrebenden Erdboden, ber die wildesten Tiere, die in der Wste
rasen, ber die zgellosen, lieblosen Naturen in der Menschenwelt und
ber die unbndigen Leidenschaften, die hier in meiner eigenen Brust
sich regen! Ja, ich bin in deinem Bilde geschaffen, ich kann denken,
glauben und beten und im Geiste mich zu dir emporschwingen; ich kann die
Macht der Begierden brechen, mit Liebe jeden widerstrebenden Geist
besiegen, mit Selbstverleugnung und Vershnlichkeit jede lieblose
Gesinnung bezwingen, und mit Gedanken der Ewigkeit, die in meine
Seele--dein Ebenbild--niedergelegt sind, kann ich Ruhe und Frieden in
angstvollen Stunden und unter schweren Schicksalen gewinnen.--Aber, o
mein Gott! je hher du mich erhhet hast, desto tiefer werde ich
gedemtigt, und sehe beschmt auf alles, was ich in der verflossenen
Woche getan und gedacht habe. Nicht war ich in meinem Denken, Sprechen
und Streben so wie es dem geziemt, der in deinem Bilde geschaffen; ich
habe es ausgelscht, so da es kaum noch kenntlich, da kaum noch in mir
wahrzunehmen ist, da ich das Meisterwerk deiner Schpfung bin. O, mge
dieser Gedanke neue Kraft meinem Geiste verleihen, und sei du selbst mit
mir, da ich als Ebenbild des ewigen Vaters aller Geister nicht meinen
Sinn auf eitles Streben richte, nicht an den leeren Freuden der Erde
hnge und nicht von zeitlichen Bekmmernissen gengstigt werde! Mchte
ich mit echter Liebe die heiligen Bande, die mich mit meiner Familie
(meinem Gatten, meiner Gattin, meinen Freunden usw.) vereinen, noch
fester knpfen, da ich sanftmtig und geduldig unter meinen Mitmenschen
wandere. La mich eingedenk sein, da das Leben, wie der heutige Tag,
nur eine Vorbereitung zur Sabbatruhe, jener seligen Ruhezeit bei dir,
ist, und da daher von mir unermdliche, bestndige Arbeit und
Wachsamkeit gefordert wird. Und wenn ich zweifeln sollte, weil ich nicht
die Frucht des Fleies und den Segen der frommen Tat schaue, o, dann la
mich erkennen, da der Lohn erst nach vollendeter Arbeit genossen werden
soll, wenn der Sabbat sich einstellt. O du, der du mich geschaffen hast
zu deiner Verherrlichung, hilf du mir auch, da ich dir aufrichtig diene
und mein Lebenswerk vollende, und da ich vorwrts schreite von Kraft zu
Kraft, bis ich einst gewrdigt werde, zu schauen dein Antlitz in der
Ewigkeit.

Amen!

[Funote 23: Ps. 8, 6.]




Abendgebet.


23. Alliebender Vater! Schau wieder auf dein Kind, das seinen Dank
stammeln will, da du es diesen heiligen Abend hast erleben und diesen
herrlichen Tag hast sehen lassen, der das Ziel der sechs Schpfungstage
war, da dein vollendetes Werk von uns geschaut, und deine Allmacht von
dem Wesen angebetet werden sollte, das du in deinem Ebenbild geschaffen.
Und so der Mensch im Laufe der Woche dieses dein Bild entheiligt hat,
suche er an diesem Tage es wieder zu heiligen und Seelenfrieden und Ruhe
nach der Anstrengung der Tage zu finden, und hebe seinen Blick vom
Staube empor zu dir! O, mein Gott! Wie soll ich alle deine Gte preisen
und von deiner Gnade sprechen, die ber mir gewaltet hat? Wer bin ich,
und was ist mein Haus, da du mich der Sabbatfeier teilhaftig werden
lt, die du zur Heiligung des Menschen eingesetzt hast! O, mchte ich
doch mit dem rechten Geist erfllt werden, den heiligen Tag nach deinem
Willen zu feiern. Schenke mir und den Meinigen volle Erquickung diese
Nacht, da wir sicher ruhen, und da unsre Seele gestrkt werde, die
himmlische Wonne zu genieen, die aus dem beseligenden Quell des Sabbats
strmt, da unsre Seele Ruhe und Frieden finde in dir, o Gott und
Erlser.

Amen!




Am Sonnabend.




Am Sabbat-Morgen.


24. Jeden Morgen fhlte ich den Drang, mich dir, Allgtiger, zu nhern,
mit jedem neu erscheinenden Tage habe ich dir mein Dankopfer
dargebracht;--und je mehr ich dadurch zu einem Leben in dir und mit dir
geheiligt worden, je mehr ich dadurch gelernt, mitten unter den
tglichen Arbeiten mich festlich gestimmt zu fhlen, desto mehr wird
mein Inneres auch in dieser heiligen Morgenstunde zu dir emporgehoben.
Ja, wenn ich alle Tage der Woche den Dank meines Herzens ausgesprochen
fr die zeitlichen Gter, die du mir schenktest, um wie viel mehr mu
ich diesen an diesem Tag verknden, den du zum Heil und zur Heiligung
unseres Geistes bestimmt und zur Erinnerung deines Namens eingesetzt
hast, und den du dadurch geheiligt, da du ihn ein Bundeszeichen
nanntest zwischen dir, dem Unendlichen, und Israel, deinem treuen
Diener. An diesem Tage kann und soll ich jegliches Erdenjoch von mir
werfen, von jeder drckenden Last dieser Welt mich befreien und ber
jeglichen Kummer und Schmerz des Lebens mich erheben; an diesem Tag soll
alles in mir von hherer Freude erfllt sein, und alles um mich her
himmlische Wonne atmen, ja in Wahrheit ein seliger Tag! Dazu hast du uns
ja deine heilige Lehre (Thora) gegeben, da wir darin an diesem Tage
lesen und forschen, damit wir in Gotteserkenntnis wachsen und in allen
guten Gesinnungen gestrkt werden, damit wir das Leben in dir erneuern
und in deiner Wahrheit beharren. O, so verleihe mir deine Gnade und
bewahre mich vor vorstzlicher und unvorstzlicher Entweihung dieses
Tages, la deinen Geist auf mir ruhen, auf da ich all die Herrlichkeit
deiner gttlichen Lehre schaue und begreife, und strke mich, da ich
den Sabbat auf die rechte Weise feiere und auch im Herzen meines Bruders
rechten Sabbatsinn erwecke!--Ich will in meinem eignen Hause unter
meinen Hausgenossen zeigen, da ich das himmlische Kleinod zu schtzen
wei, welches ich im Sabbat besitze, auf da sie sehen, wie glcklich
und froh es mich macht. Und diesen Sinn will ich in der andchtigen
Versammlung der Gemeinde zu strken suchen, wo dein Name fr die
Herrlichkeit dieses Tages gepriesen wird. O Ewiger, la diesen Tag um
mich her Frieden und Freude ausbreiten; la ihn jeglichem Kranken
Erquickung und allen Betrbten Trost bringen, la ihn die Irrenden auf
den Pfad der Seligkeit fhren, und la ihn mich in einen immer innigeren
Verkehr mit dir bringen und mir Seelenruhe und himmlischen Frieden
schenken, der dem gleicht, welchen diejenigen jenseits genieen, die
nach einem frommen Wandel hienieden von dir in die Wohnung der Seligen
gerufen werden.

Amen!




Beim Ausheben der Thora am Sabbat.


25. Dein, o Herr, ist alle Gre; was unser Auge und unser Gedanke
durchmessen kann, ist nichts vor dir. Dein, o Herr, ist alle Macht; alle
Wesen und alle Welten sind von deinem Willen abhngig, dir dienen alle
Krfte der Natur und gehorchen deinem Winke. Dein, o Herr, ist alle
Herrlichkeit; der Himmel und die Erde und alles, was sie schmcket, ist
dein Werk. Dein, o Herr, ist alle Majestt, die sich offenbaret in den
Wolken droben, auf der Feste der Erde und in den Fluten des Meeres. Du
bist Knig, dein ist die Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erhebet
den Ewigen, unsern Gott, und beuget euch zum Staube vor ihm; denn er ist
heilig. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget euch vor dem Berge
seiner Herrlichkeit; denn heilig ist der Ewige, unser Gott.

O Vater der Barmherzigkeit! Erbarme dich des Volkes deiner Treuen,
gedenke deines Bundes mit den festen Sulen der Glaubenstreue. Hte
unsere Seele vor bsen Stunden; la an uns nicht herannahen bse
Begierde und Versuchung, sei immerdar unser Retter aus Gefahren und
erflle die Wnsche unseres Herzens, so sie dir angenehm sind.

Amen!





Bei der Verkndigung des Neumondes.[24]


26. Gott, Schpfer und Herr der Welt! Gib, da der kommende neue Monat
uns langes Leben und Segen, Ruhe und Friede, Glck und Wohlfahrt bringe.
Gewhre uns Nahrung und Unterhalt aus deiner vollen, offenen und milden
Hand und bewahre uns vor jeder Sorge und jeder Not. Erhalte uns in Liebe
und Anhnglichkeit zu dir, und lasse uns grer werden an Tugend und
Weisheit. Behte uns in deiner Gnade vor allen bsen Zufllen, und
erflle die frommen Wunsche unseres Herzens, wenn sie zu unserm Heile
sind.

Amen!

[Funote 24: Neumondsgebet siehe S. 36.]




Ein anderes Gebet bei der Verkndigung des Neumondes.


27. Mein Gott! La mich den Anfang und das Ende des kommenden Monats
erleben in Kraft und Gesundheit! Sende mir (meinen Eltern) deinen
Beistand, da ich (sie) an ihm fr meine (ihre) Bedrfnisse zu sorgen
vermag (vermgen) in Redlichkeit und Ehren! Halte fern von mir und den
Meinigen Gefhrdung und Beschmung! Mgen die Wnsche meines Herzens in
ihm erfllet werden, so sie dir, o Herr, wohlgefallen. Dein Reich der
Wahrheit und der Liebe werde im Laufe desselben gefrdert, auf da die
Zeit der frohen Verheiung immer nher an uns heranrcke: ein Vater im
Himmel, eine Bruderfamilie auf Erden!

Amen!




Am Sabbat-Nachmittag.


28. La mich abermals dir danken, o du Allgtiger, fr diesen schnen
Tag, den du der Ruhe geweiht hast, und an dem meine ganze Seele in dir
Ruhe finden soll. Keine Sorge und kein Schmerz beunruhigen mich; denn
dieser Tag erinnert mich ja daran, da du die Welt aus nichts
erschaffen, und er verkndigt mir deine Allmacht und deine Weisheit: wie
sollte ich da mich nicht getrost deiner Leitung und Fhrung
berlassen?--Du bist ja mit mir, was sollte ich da frchten? Und kann
nicht auch das mich ber den Sklavensinn der Welt emporheben, da ich
gedenke, da du uns aus dem Sklavenjoche gyptens befreit hast, auf da
wir deine Diener wurden? Ja, in dir soll meine Seele Ruhe finden, und
sie soll aus der Flle deiner Liebe schpfen, auf da ich einen jeden
hoch schtzen lerne, der in deinem Bilde geschaffen worden, da auch
seine Seele heute Erquickung finde. Ja, selbst die vernunftlosen Tiere
sollen heute Ruhe genieen. In dir ruhen soll meine Seele, und du hast
mich ja selbst gelehrt, wie deine Ruhe recht gefeiert werde; denn am
Sabbat ertnte ja dein Wort vom Sinai, durch welches das Reich des
Lichtes weithin ber die Erde sich ausbreitete. Ja, und wenn ich auch
heute nichts an irdischen Schtzen gewinne, welch ein groer Reichtum
ist mir doch im Sabbat zuteil geworden! Ist er es ja, der meine Seele
von der Mhe des Lebens befreit, ein wahres Bild des ewigen Sabbats, an
dem der Geist eine heilige, himmlische Ruhe in dir genieen soll.--O,
mein Dank steige zu Gott empor! und du mein Gott, durchforsche mich und
prfe meine Gedanken, und bin ich auf schlechtem Wege, so leite du mich
auf den rechten Pfad hin, auf da ich dir in aller Ewigkeit danke.
Gepriesen werde dein Name, Hallelujah!

Amen!




Am Neumondstage.


29. Du Gnadenreicher! Den ersten Tag eines jeden Monats hast du--wie
unsere frommen Vter uns gelehrt--zur Sndenvergebung bestimmt, und
ehemals, als noch auf Zion der heilige Tempel prangte, wurden an diesem
Tage Shnopfer dargebracht, und der Reumtige fand Vergebung. Der Tempel
steht nicht mehr, und Opfer sind nicht mehr der Ausdruck unserer Reue
und Hingebung, aber unser Gebet ist uns geblieben, der Dienst des
Herzens, der an allen Orten dir wohlgefllig ist. So nimm denn das
Opfer meines Herzens wohlgefllig auf, erhre das Flehen, womit ich mich
am heutigen Tage reuevoll dir nahe, und vergib mir meine Snden, die ich
im verflossenen Monat gegen dich und meine Nebenmenschen begangen habe.
Ich erkenne, o Herr! da ich von meiner Bestimmung abgewichen bin, wenn
ich gefehlt habe; ich sehe es ein, da frher oder spter Vorwurf und
Kummer mein ganzes Leben verbittern mten, und fasse darum den festen
Vorsatz, mit dem neuen Monate meinen Lebenswandel ganz so einzurichten,
wie es dein heiliges Gesetz befiehlt. O Vater, der du an Reue und Bue
Wohlgefallen hast, stehe mir bei, da ich jederzeit ber mein Herz
wache, da ich immer mehr Wahrheit und Tugend erstrebe und alle meine
Gedanken und Handlungen richte auf das eine Ziel: heilig zu werden, wie
du heilig bist.--Wache ber mich und alle meine Angehrigen auch in
diesem Monate, auf da er uns werde zur Freude und Wonne, zum Segen und
Frieden.

Amen!




Sabbat-Abend.


30. Alliebender Vater! Der herrliche Tag, mit welchem die Woche
schliet, ist zu Ende, und ehe ich mich zur Ruhe niederlege, um wieder
zur Arbeit der kommenden Woche gestrkt zu werden, durchforsche ich nun
mein Inneres, ob der heutige Tag auch heilige Eindrcke auf mich
zurckgelassen und mich in Wahrheit dir nher gebracht hat. O! du hast
mich heute so mannigfaltig gesegnet, an Leib wie an Geist, und deine
Gte hat mir sowohl irdisches als himmlisches Manna bereitet! Ich
schpfte ja aus dem Quell deiner Liebe durch alles, was ich von der
milden Hand der Natur empfangen, durch alles, was ich in dem Kreis
meines eigenen Hauses genossen, durch das festliche Mahl und noch mehr
in der Andachtsstunde durch dein gttliches Wort. Aber ach, mein Gott!
habe ich dir in Wahrheit all meinen Dank gezollt? Wie manchen Vorwand
habe ich benutzt, um mich allem zu entziehen, wozu mich der Tag rufen
sollte; wie lie ich doch kleinliche Sorgen und Freuden mich davon
abhalten, dich und dein Haus aufzusuchen; warum hatte ich Zeit zu allem,
und nicht zu dem, was der Sabbat mir auferlegt? Und selbst im Verkehr
mit dir--wie lau war gleichwohl meine Andacht, wie zerstreut waren meine
Gedanken, whrend ich deinen Namen anrief; wie wenig wurde ich beim
Hren deiner Worte entflammt! Verzeihe mir, o ewiger Vater, und entziehe
mir deine Gnade nicht! Auch den frommen Vorsatz rechnest du ja dem
schwachen Menschen als Tugend an, auch der gute Wille gilt ja vor dir
als eine wohlgefllige Tat! Gib du mir Kraft, diese zu vollfhren,
erneue in mir mit der neuen Woche einen festen Geist, und lege eine neue
liebreiche Gesinnung in mein Herz, ein neues inniges Verlangen, dir
anzugehren! Bewahre mich und die Meinigen in dieser Nacht und strke
mich, da ich morgen neu gestrkt zu dem Werk eile, das du mir
angewiesen fr die Tage meiner irdischen Wallfahrt, la deine Huld und
Gnade mir zuteil werden, da ich mich vorbereite zu einem seligen Ende.

Amen!




III. Gebete an den Feiertagen.




Abendgebet an den drei Festen: Peach, Schabuoth (Wochen-) und Succoth
(Laubhttenfest).


31. Allgtiger und allheiliger Gott! Ich danke dir, da du mich diesen
Abend hast erleben lassen, da ich wiederum ein heiliges Fest feiern
kann, welches mich erinnert, wie du in deiner Weisheit den Kreislauf der
Zeiten geordnet und wie du, o Allmchtiger! alles zu seiner Zeit
geschaffen hast,--ein Fest, das mir deine mchtigen Wunder der Tage der
Vergangenheit ins Gedchtnis ruft, deine Wohltaten gegen unsere Vter,
wie du ihnen Hilfe sandtest, sie leitetest und fhrtest, Wohltaten, die
sowohl das Heil Israels als auch das der Menschheit berhaupt gefrdert
haben. Ich danke dir, da du mich dieses heilige Fest hast erleben
lassen, das meine Gotteserkenntnis bewhren, meinen Glaubensbund
erneuern und mich in demselben befestigen soll, und das mich an deine
ewigen Verheiungen erinnert, die du an jede Festzeit geknpft hast. Ja,
ich danke dir, da du, das unvollkommene Wesen des Menschen
bercksichtigend, dieses dein Fest eingesetzt hast, damit die heilige
Glaubensflamme in uns allen lebendig erhalten werde. O, mchte doch
alles sowohl in mir als um mich her das heilige Festgewand anlegen,
mchte ich in dieser Nacht mich von deinem vterlichen Schutze
umschattet fhlen, mchte ich sowohl, als alle, die mir angehren, von
dem seligen Gefhl ergriffen werden, mit welchen das Fest jeden erfllen
sollte. Bewahre mich und meine Lieben vor allem, was den Frieden der
Nacht und des Festes stren knnte, und la mich morgen in der
versammelten Gemeinde festliche Freude und festliche Erbauung mit all
denen genieen, die dich suchen, deine Gte empfinden und dich anbeten,
dich, der du in Gnade und Barmherzigkeit festliche Erinnerungstage fr
deine Wunder eingesetzt hast,[25] O sprich zu mir:Du bist mein Diener,
von dem ich gepriesen werde.[26] Gepriesen sei dein Name in Ewigkeit.

Amen!

[Funote 25: Ps. 111, 4.]

[Funote 26: Jes. 49, 3.]




Morgengebet fr den ersten und zweiten Tag des Peachfestes.


32. Mit Dank erhebe ich mein Herz zu dir, o Ewiger, da du in der
kalten, dunkeln Nacht des Winters mir Schutz gewesen bist, da die
Winterzeit nun dahingegangen, und milde Lfte mich wieder anwehen.
Alles, was im Schlummer gelegen, ist wiederum erwacht, die gefesselt
gewesene Natur ist wieder befreit. O, mein Gott, rhrt sich wohl auch in
mir dieses neue Leben? Bin auch ich frei geworden und wandre nicht mehr
in der schmhlichen Knechtschaft der Welt? Hat nicht die himmlische Saat
in meiner Brust auch im Schlafe gelegen vor der Klte der Welt, wie die
Saat des Ackers vor dem Winterfrost? Habe ich wohl in den vielen langen
Nchten nach dem himmlischen Lichte in deinem heiligen Gesetze gesucht,
in stiller Zurckgezogenheit ber dein Wort geforscht und die dunkle
Tiefe meines eigenen Herzens bei dem klaren Lichte deiner Lehre
untersucht? Oder habe ich vielmehr durch allerlei irdische Lust und
Freude nur noch mehr jedes hhere Gefhl in mir in Schlaf versenkt und
durch die Menge weltlicher Zerstreuungen den klaren Funken von deinem
Geiste, der in mir noch geglommen, vllig ausgelscht? Habe ich nicht
manchmal Klte und Unwetter nur als Vorwand vorgeschtzt, um dein Haus
nicht zu besuchen? O! dieses Fest ist es, das mir solche mahnende
Erinnerungen gibt. An diesem Tage war es ja, da du unsere Vter aus dem
Joche gyptens erlstest, da ihr Geist von dem Sklavensinne befreit
ward, und sie anfingen, als freies Volk zu leben und sich als solches zu
fhlen, da sie sich dazu erhoben, deine Diener zu sein. Im Glauben an
dich traten sie ihre groe Wanderung durch die Erdenwste an, damit sie,
dem Lichte gleich, in der Finsternis der Welt leuchten sollten, um
sowohl in den Freuden als auch in den Leiden des irdischen Lebens,
deinen Namen zu verehren und anzubeten, und das Lamm zu sein, welches
seine Unschuld und Reinheit bewahrt und gerne das Opfer der Welt sein
will, aber auch selbst der Priester ist, der es darbringt, um das Werk
zu vollbringen, das du Israel aufgetragen: dein Reich auszubreiten, und
es zu befestigen. O, ich fhle, wie weit entfernt ich noch davon bin,
ein wrdiges Glied in Israels Gemeinde, wie weit entfernt davon, dein
freigeborner Sohn zu sein, der das Joch der Welt abgeworfen, und dein
Diener, der sich von jedem Joche des Vorurteils frei gemacht und weder
von dem hohlen Wesen des Unglaubens, noch von den Irrtmern des
Aberglaubens gefesselt ist. Ach, der Sauerteig der Snde fllt noch
meine Brust, und Eitelkeit, Wollust und Habsucht betren mich. O, mchte
ich doch, indem ich den Sauerteig aus meinem Hause fortrume, auch
meinen Sinn lutern! Ja, ich will an diesem Feste meinen Lebenstag aufs
neue beginnen und mich selbst wieder zum Glauben erwecken. Ich will die
Erinnerungen aus den Tagen meiner Kindheit auffrischen, da fromme Eltern
an diesem Feste die gute Saat in meine Seele ausstreuten; ich will mir
Israels wunderbare Leitung wieder vor die Seele rufen, von der Zeit an,
da es durch deine krftige Hand, o Gott! aus gypten gefhrt worden, bis
auf diesen Tag, um immer mehr zu erkennen, da es unter deiner
vterlichen Obhut steht, da es aber noch nicht seinen hohen Beruf
erfllt und da jedes Mitglied der Gemeinde Israels dir und seinem hohen
Berufe sein Leben und seine Kraft weihen soll. Aber was ich auch
will,--nichts vermag ich doch ohne deinen gndigen Beistand. Dein Geist
sei mit mir und den Meinigen in dieser festlichen Zeit, da wir sie
feiern zu deinem Wohlgefallen, zur Verherrlichung deines Namens.

Amen!




Ein anderes Gebet fr den Peachmorgen.


33. Wie lange auch der Winter gewhrt, wie viele Sehnsuchtsseufzer in
den dunkeln Nchten zu deinem Himmel emporgestiegen, so habe ich doch
unter deinem Schutze, Allbarmherziger, den Anbruch der milden Jahreszeit
erlebt. So gedenke ich auch heute, da durch deine Gte auf gleiche
Weise vor Jahrtausenden die Morgenrte der Freiheit fr das
Menschengeschlecht anbrach. Du beriefest Israel, deinen Erstgeborenen,
eine Gemeinde zu deiner Anbetung zu bilden, damit die Nacht des
Heidentums nach und nach verschwinde, und alle Unterdrckung aufhre.
Ja, lange hatten meine Vorfahren in Druck und Elend geschmachtet und
viele hatten schon jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben, ja, hatten
schon aufgegeben den Glauben an die Verheiungen, die ihnen von
Geschlecht zu Geschlecht berliefert waren; doch die Stunde der
Errettung kam, und sie kam frher, als selbst die Glubigsten geahnt
hatten, sie kam in der tiefsten Finsternis der Nacht.--O, ich sehe wohl,
noch seufzt die Welt unter dem Joche der Knechtschaft, noch bekmpfen
Vlker einander mit blutigen Waffen, noch herrschen die Schrecken des
Krieges und noch werden wir von Eigennutz getrieben. Menschenfurcht hlt
noch den Geist gebunden und vllig machen wir uns zu Sklaven trichter
Eitelkeit, und Gold und Ehre und Macht sind die Gtzen, die die Menge
anbetet, und Laster und Leidenschaften ben eine mchtige Herrschaft
aus, sowohl ber das ganze Menschengeschlecht, als ber jeden Einzelnen.
Doch du, dessen Name von Ewigkeit zu Ewigkeit whrt, und der du unser
Erlser bist, du wirst dennoch endlich die Erlsung kommen lassen, so
gewi, als du sie verheien hast. Du wirst die Zeit kommen lassen, in
der alle in Freundschaft mit einander wohnen, die Schwerter zu
Pflugscharen schmieden werden und das Kind mit der Schlange
spielet,[27] da das Gift der Snde von ihr genommen sein wird. Diese
Hoffnung soll das Fest in meiner Brust erneuern, und ich wei, da auch
mir ein wenig Kraft verliehen worden, in deinem Dienste fr das Kommen
deines Reiches zu arbeiten. O, Herr! la mich denn das Joch brechen, das
noch auf mir lastet, la mich von Hochmut und sndiger Lust gereinigt
werden, und la mich erkennen, da nichts auf Erden mir als Eigentum
angehrt, sondern da mein Besitz ein anvertrautes Gut, ein Darlehen von
dir ist. Um nun von diesem Bewutsein durchdrungen zu werden, wird ja
auch in Israel jede erste Gabe des Lebens dir geheiligt, deshalb gehrt
dir ja die erste Erntefrucht des Jahres, und brachten eben ja am
heutigen Tage unsere Vter das heilige Omer als Opfer der Erstlinge dir
dar. So will ich denn gedenken, da alles eine unverdiente Gabe aus
deiner Hand ist, und wie sehr ich auch dafr gearbeitet habe, so ist
doch nur der Genu, wie von dem eines nur zur Benutzung anvertrauten
Gutes mir davon gestattet, die Seele aber darf nicht daran hngen; denn
es ist ja alles eitel und nichtig, die Seele aber schufst du fr das
Ewige, und der hat schon jetzt das ewige Leben, der nur an dir festhlt.
Gib, o du mein himmlischer Vater, da ich in solcher Hoffnung an diesem
Feste wachse und wecke sie bei allen meinen Brdern, ja la die
zuversichtliche Erwartung bald das Menschengeschlecht erfllen, da
einst der Tag erscheine, da der Herr einzig sein wird und sein Name
einzig. Amen!

[Funote 27: Jes. 2, 4; Micha 4, 1--3, Jes. 11, 8.]




Morgengebet an den beiden letzten Tagen des Peachfestes.

(2. B. M. 24, 15.)


34. Wo ist wohl die Wohnung eines Frommen, in der man nicht heute mit
Freuden Siegesgesnge anstimmt:die Rechte des Herrn ist erhaben, die
Rechte des Herrn hat das Siegeswerk vollbracht! O, auch mein Haus soll
von Siegesgesang erschallen und von Dank fr deine wunderbare Hilfe, da
Israel so kurz nach der Befreiungsstunde, am Rande des Verderbens
stehend, nur im Aufblick zu dir, im Gebete, Mut und Rettung fand. Auch
hier in meinem Hause soll ein Dankfest gefeiert werden, dafr, da du an
diesem Tage den Glauben an dich und an Moses, deinen Diener, in den
Herzen unserer Vter befestigt hast. Und hat es nicht auch in meinem
eignen Leben so manche Stunde der Gefahr gegeben, in der ich oder einer
der Meinigen gleichsam ber einem Abgrunde schwebte, so manchen
angstvollen Augenblick, in welchem ich verzagte und nicht fest in meinem
Glauben war? Doch du halfst mir und du strktest meinen schwachen
Glauben! O, indem ich dir nun danke, will ich auch nicht vergessen an
diesem Dankfest denen zu danken, die du als Werkzeug gewhlt hast, mir
zu helfen, mich zu strken und zu trsten oder auch zu belehren. Wenn so
viele, weit entfernt solches anzuerkennen, undankbar sind, so will ich
in der Feststunde mir aufs neue die Pflicht der Dankbarkeit und
Erkenntlichkeit ins Gedchtnis rufen, will auf meinen Vater (meine
Mutter, meine Gattin, meine Kinder usw.) mit Dank fr all das Gute, das
mir von seiner (ihrer) Hand zuteil geworden, hinblicken und will mit
Trnen der Dankbarkeit aller meiner Wohltter gedenken, wenn sie auch
schon im Grabe schlummern; ja, derer will ich gedenken, die mich als
Kind in ihre zrtlichen Arme geschlossen und meine Jugend geleitet
haben; meines Lehrers, der meinen Geist erleuchtet und mir den Weg des
Lebens gezeigt hat, und aller, die mir jemals Rat erteilt und mit ihrem
Beistande mich in meinem Berufe untersttzt haben. Gib mir, o, Ewiger,
Gelegenheit und Kraft, ihnen allen meinen Dank durch die Tat beweisen zu
knnen! Und wenn ich so viele teure Wesen vermisse, denen ich nichts von
der Schuld meiner Dankbarkeit habe abtragen knnen, wenn vielleicht
einer meiner Brder gerade zur Festzeit den Verlust eines Freundes,
eines Gnners oder Helfers beklagt, wenn der eine oder andere sich
einsam und verlassen fhlt, o! so la in seiner wie in meiner Seele das
trostreiche Wort laut ertnen:Stehe still und sieh die Hilfe des
Herrn! Denn du, o Herr, bist ewig und immer, und ewig lenkst du meinen
Weg. Dir will ich stets aus ganzem Herzen danken, und deinen Namen will
ich ehren in aller Ewigkeit.

Amen!




Morgengebet am Wochenfeste.


35. Ewiger, hochgepriesener, einziger Gott!--O! wie knnte ich heute
deinen heiligen Namen aussprechen, ohne dir zugleich dafr zu danken,
da du den Menschenkindern dich offenbart und deinen heiligen Willen
ihnen kund getan hast. Du hast ja zu ewigem Angedenken daran dieses Fest
der Gesetzgebung und der Offenbarung eingesetzt! Deine grte Liebe
gegen die Sterblichen zeigtest du an jenem Tage, da du uns deinen
vterlichen Willen kund getan, da du das Himmlische dem Geschlechte der
Erde offenbartest, da wir es erkennen und des himmlischen Reiches
teilhaftig werden. Auch ich bin dazu berufen und kann zu den Glcklichen
und Seligen gezhlt werden; auch fr mich hast du deine Worte verkndet.
Ja, ihre Herrlichkeit leuchtet der ganzen Welt; obschon unbewut lebt,
und atmet sie in derselben, und wrde sie ohne dein ewigstrahlendes
Licht in Finsternis eingehllt sein. So soll denn der Unglauben eben so
wenig wie der Aberglauben Herrschaft ber mich gewinnen. Aber ach! wenn
ich mich im Lichte deines geoffenbarten Wortes prfe, mu ich da nicht
beschmt bekennen, da es in mir oft verdunkelt worden und nicht in
voller Kraft in all meinem Denken und Tun widerstrahlte? Nahm ich nicht
oft den Schein fr die Wahrheit und Menschenklugheit und Blendwerk oder
meine eigenen trichten Meinungen fr Gotteserkenntnis, und Vorurteil
fr berzeugung?--War ich wohl fest in deinem Gesetze zu allen Zeiten,
da es mit Flammenschrift auf den Tafeln meines Herzens eingeschrieben
stand als ein ewiges Bundeszeugnis, als ein Zeugnis meiner Treue und
meines Strebens, dich und deinen Willen immer klarer zu erkennen? War
ich nicht zuweilen hartnckig und rhmte mich da der Festigkeit, oder
hielt ich nicht zuweilen die Zweifel, die sich in meiner Brust erhoben
und das Schwanken meines Geistes fr Fortschritt? Darum bitte ich dich,
du, dessen Wort ewig ist, dessen Wahrheit fest steht von Geschlecht zu
Geschlecht, o, leite meine Schritte auf die Bahn deines Wortes, da ich
nie davon weiche, weder zur Rechten noch zur Linken, und la nicht die
Snde und das Verderben Macht ber mich gewinnen! La mich erkennen,
da der Mensch nicht vom Brote allein lebt, sondern von allem dem, was
aus deinem Munde kommt,[28] und wecke in mir ein bestndiges Verlangen
nach diesem Lebensbrot, da deine Zeugnisse mein ewiges Erbteil seien,
meines Herzens wahre Freude, meiner Seele Seligkeit.

Amen!

[Funote 28: 5. Buch Mosis 8, 3.]

36. Heute, da ich der hchsten und heiligsten Gabe gedenke, mit welcher
du, mein Gott, vom Sinai aus deine Menschenkinder begnadigt hast,--wie
danke ich dir da, da ich Israels Glauben bekenne! Wie hilflos und
verlassen wrde ich sein, wollte ich Licht und Leitung bei den Weisen
der Welt suchen, die so oft einander widersprechen, und von denen der
eine niederreit, was der andere als ein unerschtterliches Gebude
aufgerichtet. Ja, ich danke dir, mein Gott, da ich ein Israelit bin,
und ich die heiligen Stammvter und alle Propheten, die du mit deinem
heiligen Geiste erflltest, zu Leitsternen fr mich auf meiner Bahn
habe, und da du auch fr mich das Wort leuchten lieest, welches du
selbst in deiner Gnade kund getan hast, das Wort, das felsenfest allen
Strmen der Zeit Widerstand geleistet, und das der Spott der
Leichtsinnigen, die Geringschtzung der Weltlichgesinnten nicht zu
erschttern vermocht hat. Ja, wohl mu ich meines Glaubens wegen
zuweilen Kummer und Beschwerden erdulden, und wo ich als ernster
Israelit nach deinem Gesetze und deiner Lehre wandern will, da werde ich
oft von auen und von innen von Feinden bedrngt;denn die, welche an
deinem Worte festhalten und in seinem reinen Geiste wandern, mssen oft
unter Kedars Htten wohnen, unter denen, die den himmlischen Frieden
hassen. Aber du lt mich die Wahrheit deiner himmlischen Lehre
erkennen, und nicht weltliche Freuden und nicht irdische Bande sind es,
die mich an sie binden; denn du hast sie als Preis fr mannigfltige
Kmpfe gegeben, und gerade unter diesen soll sie ihre Gotteskraft
beweisen. O, so strke mich denn, wie du unsere Vorfahren gestrkt, da
ich dieses Kleinod wie meinen Augapfel bewahre und es auf die kommenden
Geschlechter vererbe. La seine Herrlichkeit immer mehr mir strahlen,
und la mich darin unablssig fr mich und fr alle die Meinigen Leben
und Licht, Trost und Frieden finden.

Amen!




Am Neujahrsfest (Rosch Haschana).




Am Vorabend des Festes.


37. Herr, unvernderlicher, ewiglebender Gott! sieh gnadenvoll nieder
auf dein Kind, das kaum sich aufrecht zu erhalten vermag unter den
wechselnden Gefhlen, die es an diesem heiligen Abend berwltigen, der
das hingeschwundene Jahr von dem neuen trennt, welches sich aufzurollen
beginnt. Denn erscheine ich mir doch fast selbst ein Wunder, wenn ich
mir alles in Erinnerung zurckrufe, was mir in dem dahingeschwundenen
Jahre widerfahren und begegnet: Freuden und Sorgen, Erquickungen und
Bekmmernisse, Leiden und Momente des Glcks. Ja, jede Stunde, jeder
Augenblick gab das Zeugnis, da du mich auf den Armen deiner Liebe
trgst, da deine Huld mich umschwebt. Und ach! wie wenig habe ich all
dieser Gte entsprochen, wie oft verzagte ich, und wie oft strauchelte
ich! Und sehe ich hin auf die vielen Wnsche und Erwartungen, die sich
nun in meiner Brust regen, und die ich nun vor dir fr die kommende Zeit
aussprechen will, o Herr und Vater, wo soll ich da beginnen und wo
enden? O du, der du den Gedanken kennst, ehe er noch ausgesprochen wird,
du weit ja, wessen ich bedarf, und was zu meinem Wohle und dem Wohle
der Meinen dienen kann. Darum empfehle ich mich deinem gndigen Schutze
und bitte nur um dieses: la mich mit dem hingeschwundenen Jahre auch
aller meiner Snden ledig werden, und la fr mich ein Jahr beginnen,
welches in Wahrheit ein neues ist, ein Jahr, in welchem ich mehr und
mehr deine Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe erkenne, ein Jahr, das von
Anfang bis zum Ende Zeugnis gebe von meinem eifrigen Streben, dir zu
gefallen, und von meiner Hingebung an deine vterliche Leitung. Und so
will ich denn getrost das neue Jahr antreten, denn ich wei, da du,
Allgtiger, mir nahe bist, und da du mein Gebet erhrest.

Amen!




Neujahrstag.


38.Lobsinge dem Herrn meine Seele und vergi nicht, was er dir Gutes
getan hat, das ist mein erster Gedanke, mein erstes Gefhl an diesem
Tage. Und dieses Sinnen taucht nicht in meinem Innern auf, ohne da
meine ganze Seele sich zu der Bitte erhebt:Mein Gott, vergib mir meine
Snden! Denn ich wei es gar wohl, da ich alle Zeit vor deinem
Angesichte stehe, und da dein Auge mir folgt auf allen meinen Wegen.
Aber heute, da ich so vieler Wohltaten mich erinnere, die du in einer
langen Reihe von Tagen mir erwiesen hast, wie oft du meine Seele mit
Freude erflltest, mir Stunden schenktest, in denen ich mich so
glcklich fhlte, wie oft du mir halfst bei meiner Arbeit, mich
erfreutest durch den Anblick meiner Lieben, durch die Umgebung
liebevoller Herzen und froher, freundlicher Gesichter, mich strktest in
schweren Augenblicken, mich Trost und Linderung finden lieest unter
Schmerz und Sorge, ja mir so oft helfend zur Seite standest, mich, wenn
die Versuchung mir nahte, und ich nahe daran war zu wanken, aufrecht
hieltest in meiner Schwche--heute mu ich die Last aller meiner Snden
um vieles schwerer fhlen, und all meine Schuld tritt mir vor die Seele.
Jeder Tag, jede Stunde des verflossenen Jahres klagt mich ob meiner
Versumnisse an; wie oft habe ich nicht meine Pflicht vergessen, meinen
Beruf als Mensch, als Israelit! Heute, da ich nicht nur so viele deiner
Wohltaten gegen mich vergessen habe, sondern auch so manchen sndigen
Gedanken, so manche unrechte Tat, die ich mir habe zuschulden kommen
lassen, heute fhle ich es mit Furcht und Beben, da ich von dir
gerichtet werden soll, dir, dem Allwissenden, der all mein Tun und
Lassen kennt, dem auch die verborgensten Gedanken meines Herzens
offenbar sind und dessen Auge die Tat sieht, die keinen irdischen Zeugen
hatte; o ja, heute erkenne ich vollkommen, wie ich all deiner Gte und
Barmherzigkeit nicht wert gewesen bin. Und stehe ich nicht heute vor
einer unbekannten Zukunft? Wie zahlreich sind meine Wnsche, wie
mannigfaltig meine Hoffnungen, die ich an die kommenden Tage knpfe, und
wie erbebe ich bei dem Gedanken, was sie vielleicht fr mich oder fr
diejenigen in ihrem Schoe bergen, die ich mehr noch liebe als mich
selbst! O, wie konnte ich wohl der Zukunft vertrauensvoll entgegen
sehen, wenn nicht deine Verzeihung mir wrde auf meinem neuen Wege. O
Allgtiger! Nimm mich und die Meinen in deine treue Hut, la deine Gnade
mir leuchten in dem neuen Jahre, untersttze mich darin, da ich das
Gute be, hilf mir, jede sndige Lust zu berwinden. Halte fern von mir
jede Versuchung, und wenn du mir Kmpfe auferlegst, so verleihe du mir
auch die Kraft, siegreich aus ihnen hervorzugehen, und strke mich, Ha
und Neid, Rachsucht und der Sinne Lust zu bezwingen durch eine innige
Liebe zu dir. Erneuere du selbst in mir das feste Vertrauen auf deine
Hlfe, da ich fest stehen mge im Glauben, und lehre mich, an jedem
Tage mit neuen Liedern dir zu lobsingen, und deinen heiligen Namen zu
preisen.

Amen!

39.Herr Gott, tausend Jahre sind ja vor dir, wie der Tag, der gestern
vergangen ist, aber unsere Tage fahren dahin wie Rauch und verschwinden
wie Schatten,[29] und ehe wir es merken, stehen wir vor den Pforten der
Ewigkeit. So haben wir, ich und die Meinen, heute wiederum ein Jahr
zurckgelegt, wir stehen an der Schwelle eines neuen, und wir wissen
nicht, wie viele unter uns am heutigen Tage vielleicht zum letzten Male
die Neujahrssonne aufgehen sehen. O, mein Vater, ich habe so viele, die
meinem Herzen wert und teuer sind, und denen ich so gerne noch eine
Weile meine volle Liebe erweisen mchte, o, erhalte du sie doch am Leben
und schenke ihnen Freude und Segen! Erhalte am Leben (meine alten
Eltern, meinen teuren Vater, meine geliebte Mutter, meinen guten treuen
Gatten usw.) breite deine schirmende Hand aus ber (meinen Grovater,
meine Gromutter, meinen Bruder, meine Schwester, Geschwister,
Wohltter, Freunde usw.) O, himmlischer Vater, von ganzem Herzen bete
ich auch zu dir fr die, welche ich mit mtterlicher Liebe umfasse: o,
la meine Shne und Tchter leben, und la dieses Jahr ihnen Glck und
Frieden bringen, fhre du sie den richtigen Weg, da auch meine Seele
sich darber freuen mge; verleihe du ihnen Kraft und Gesundheit; la
sie erzogen werden und aufwachsen in deiner Furcht und Erkenntnis, dir
zum Wohlgefallen und den Menschen.--Allerbarmer! auch fr mich wage ich
zu beten, wie sehr ich auch erkenne, da ich sndenbelastet bin. O,
verleihe du mir Strke! Solltest du in diesem Jahre meiner Seele
gebieten, zu dir einzukehren, so la sie dahinziehen in Frieden, ist es
aber dein Wille, mir noch ein Lebensjahr zu schenken, so la es zum
Segen fr mich werden. Ja, solltest du es mir vergnnen, die Tage zu
erleben, da des Hauses Wchter erzittern, die Sttzen sich beugen und
der Blick umdunkelt wird![30] so verwirf mich nicht, mein Gott, in
meinem hohen Alter und verla mich nicht, wenn mein Haar grau wird und
meine Krfte abnehmen![31] Und wenn die Freude an dieser Welt mir
schwindet, so la du die Freude an dir und die Sehnsucht nach deinem
Himmel um so strker in meinem Innern werden. Ach Herr! strke mich, da
weder Glck noch Unglck, weder Freud noch Leid mich von dir entfernen
mge, da alles dazu diene, mich meiner Vollendung nher zu bringen, und
da auch ich dereinst ein freundliches Andenken hinterlassen mge, und
mein Gedchtnis in Segen bleibe.

Amen!

[Funote 29: Ps. 90.]




Beim Schofarblasen.


40. Dir, o allmchtiger und liebreicher Gott, will ich huldigen als dem
Knig der Welt! Deshalb ruft mich heute Schofars (der Posaunen) Schall
auf zum Kampfe wider den Feind, der in meiner eignen Brust hauset,
siehe, alle die verflossenen Zeiten mit ihren denkwrdigen Begebenheiten
ziehen an meiner Seele vorber, indem mein Ohr auf diese Tne lauscht.
Im Geiste sehe ich des Widders Horn vom Gebsch festgehalten, mich daran
erinnernd, wie jener Patriarch die schwere Prfung bestanden. Ach Herr,
wie oft seufzte ich doch, selbst bei dem Geringsten das mich heimsuchte;
wie werde ich bestehen, wenn du beschlossen haben solltest, meine Treue
auf gleiche Art zu prfen? Und im Geiste hre ich gleichsam das Wort des
Bundes, wie es verkndigt wird unter Posaunenschall, und ich erbebe;
denn mit zerknirschtem Herzen mu ich es bekennen: Ich habe deinen
heiligen Bund nicht gehalten. Es ist mir, als ob der Propheten gewaltige
Stimme, ihre Warnungsrufe und Ermahnungen, ihre Predigt zur Bue und
Umkehr und die Verkndigung des mahnenden Gerichts in dieser Stunde an
mein Ohr dringe, und ich erbebe. O Ewiger! la diese Tne mich aus
meinem Schlummer wecken, la sie mich mit Reue erfllen ber die Tage
der Vergangenheit, welche ich nicht fr das ewige Leben benutzt habe,
aber auch zugleich mit dem Trost, da du als ein huldreicher Herr mit
Erbarmen auf deinen bufertigen Diener herabschauen, und da du, ein
gtiger Vater, dein reuiges Kind in Liebe wieder zu Gnaden aufnehmen
wirst. Strke mich in der Prfungszeit, la mich widerstehen allen
Versuchungen der Welt, la mich siegen ber die sndige Lust und
verachten den Spott der Unglubigen. Ja, la diese Stunde gnadenbringend
sein fr mein Herz und meine Seele, da ich von dieser Zeit an wandern
mge in dem Lichte deines Angesichtes.

Amen!

[Funote 30: Koheleth 12, 3. ff.]

[Funote 31: Ps. 71. 9.]




Am groen Vershnungsfeste (Jom hakippurim).




Zu Anfang des Abendgottesdienstes (Kol nidre).


41. Barmherziger Vater! Wie erbebt mein Herz, wie zittert meine Seele,
da ich mich dir an diesem heiligen Abend nahe, da des Himmels Tore sich
vor dem bufertigen Snder, der um Vershnung bittet, auftun. So will
ich denn mit all meinen Gedanken dich suchen und bei dir weilen, und mit
aufrichtigen Worten der Reue deine Verzeihung mir erflehen. Ach Herr!
Treten nicht meine Gedanken und Reden vor deinem Richterstuhle wider
mich auf? Wer vermchte alle sndigen Gedanken zhlen, die in meiner
Seele aufgestiegen; und wie oft hatten nicht unlautere, habschtige,
rachgierige Wnsche und Begierden in meiner Brust sich geregt! Es
tauchen verlangende Gedanken in meinem Herzen auf, vor denen ich selbst
erschrecken mu, und doch habe ich ihnen damals Raum gegeben, anstatt
sie zu verscheuchen, und habe so oft meine Seele mit ihnen
befleckt!--Herr! Herr! Wie knnte ich wohl ohne Errten meine Gedanken
jetzt zu dir erheben, und wie darf ich es wagen, meine Lippen jetzt zum
Gebet zu ffnen, da ich doch wei, wie oft dieselben Lippen sich schon
zur Schmeichelei oder zum Spott, zu Verleumdung, Hohn und Krnkung
ffneten! O ewiger Richter! Ich habe leichtsinnige, zweideutige,
heuchlerische, falsche, verfhrerische und unlautere Worte geredet,
Worte die dich und dein Gesetz schmhten! Ich habe unberlegt
Versprechungen gemacht, die ich nicht gehalten habe! Ach ich erinnere
mich in dieser Stunde nicht nur der leeren Versprechungen, die ich
meinen Nchsten gegeben, sondern ich denke auch daran, wie oft ich
gelobt habe, mein Leben dir, mein Gott, zu weihen, und in Zucht und
Rechtschaffenheit vor dir zu wandeln, wie oft ich gelobt habe, deine
Gebote zu halten, und mich und mein ganzes Wirken zu heiligen, und da
ich, ach, nicht minder oft mein Gelbde dir gebrochen habe! Darf da
derselbe Mund nun wagen, um Gnade zu bitten, der so oft die Sprache, die
Gabe deiner Gnade mibraucht hat? Ach, ich will an die Pforte deiner
Gnade anpochen und um Eingang flehen, und sieh! die Schlssel, welche du
mir gabst, des Himmels Tore mir zu ffnen, und mir den Weg zu dir zu
bahnen: Gedanken und Worte, die treten anklagend wider mich auf. O! so
vergib mir vor allen Dingen, was ich bis auf diese Stunde in Gedanken
und Worten gesndigt! Sieh, Allgtiger, die tiefe Trauer, welche mich
ergreift, und verbirg die Menge meiner Snden unter dem Mantel deines
Erbarmens: reinige meine Seele von unlauteren Gedanken und la die Glut
der Andacht hier in deinem Heiligtum alles Unlautere meines Geistes
verzehren! La meines Herzens Angst und Reue eine glhende Kohle von
deinem heiligen Altar sein, die meinen Mund berhrt, whrend mich deine
Zusage trstet:Siehe! diese hat deine Lippen berhrt, dein Vergehen ist
getilgt, und deine Snde soll geshnt sein![32] Vergib mir jedes
bereilte Wort, das ich gesagt habe, und lehre mich von dieser Stunde
an, meine lose Zunge zgeln; vergib mir die unbedachten Versprechungen,
die ich gegeben habe, und erflle mich mit der Gewiheit, da du ein
huldvoller Vater bist, der seinen Kindern gerne vergibt. Ja la mich dir
danken, da du mich diesen Tag hast erleben lassen, und la mich ihn vom
Abend bis zum Abend dazu benutzen, durch Gebet und Bue in innerliche
Gemeinschaft mit dir zu treten.

Amen!




Zum Morgengottesdienst (Schacharis).


42.Herr! Herr! allmchtiger, barmherziger und gndiger Gott,
langmtiger und von groer Gte und Treue, der die Liebe bewahrt bis ins
tausendste Geschlecht, bertretungen und Snden vergibt und doch nichts
ungestraft lt![33] Du unerschpflicher Quell der Gnade! ich beuge
mich vor dir in den Staub und bete deinen Namen mit unendlichem Danke
an, denn du hast mir diesen Tag zur Rettung meiner Seele geschenkt. Was
wre ich doch, und wie sollte ich die schwere Brde aller meiner Snden
tragen knnen, wenn du nicht diesen heiligen Tag dazu bestimmt httest,
sie von mir zu nehmen, von meinen bertretungen mich zu reinigen und
meine Schuld zu shnen, oder wie knnte ich mich davor retten, tiefer
und tiefer zu sinken, wenn ich nicht durch Fasten, Gebet und Bue am
heutigen Tage an alle meine Sndenschuld erinnert wrde, und deine
liebende Vaterstimme mich heute nicht von meinem Irrweg zurckriefe und
mir den Tag des Gerichts vor Augen stellte, der einst fr jeden
Sterblichen erscheinen wird, aber mir auch zugleich wiederum deine Gnade
zeigte, die gerne verzeiht und mir zuruft, da ich, dich suchen und
leben soll. Wohl wei ich, o Gott, da du stets alle meine Wege
schaust, und da deine Stimme mich ohne Unterla zu warnen sucht, aber
das ist ja gerade mein Vergehen, da ich darauf nicht achte. Ja gewi,
meiner Snden Menge wrde zuletzt allen Frieden und jegliche Ruhe aus
meiner Brust verjagen, sie wrde mich tiefer und tiefer ins Verderben
strzen und niemals zur Prfung meiner selbst kommen lassen, wenn du
nicht diesen groen Sabbat[34] eingesetzt httest, der meiner Seele den
heiligsten Frieden und die seligste Ruhe verschaffen soll. Siehe, indem
ich diesen heiligen Tag in deinem Heiligtum zubringe, so werde ich daran
erinnert, da ich selbst heilig sein soll, denn du, o Gott, bist heilig
und in deinem Lichte soll ich mich, meinen Sinn und meinen Wandel
lutern.--Ach, Herr, wenn ich alle meine Versndigungen bekennen wollte,
wo sollte ich da anfangen und wo aufhren? O! so oft ich an diesem Tage
mit der Gemeinde das Sndenbekenntnis (Viduj) widerhole, so la mich
tief in das Innere meines Herzens schauen und mich selbst prfen, ob die
Snden mich nicht in ihr Garn gelockt haben. La mich untersuchen, ob
ich auch unverrckbar ein sittlich heiliges Ziel bei all meinem Tun und
Handeln vor Augen habe, das ich vor den Menschen dereinst zeigen und mir
selber auch gegenber stellen darf, wenn ich im Gebete vor deinem
Angesicht stehe. Schaue gndig auf die Trnen meiner Reue herab, und la
die Zerknirschung meines Herzens dir ein angenehmes Shnopfer sein.
Schenke mir deine Verzeihung fr jedes Mal, da ich meine Pflicht als
Mensch (als Mutter, Tochter, Schwester, Verwandte usw.), als Israelitin
versumt habe, vergib mir, da ich so oft die Menschen mehr als dich
gefrchtet habe, verzeihe mir, da ich rasch zur Lust der Welt und
zgernd zu deinem Dienste, da ich eifrig zum Schlechten und langsam zum
Guten, verschwenderisch fr den Genu und geizig fr Wohltaten gewesen
bin. Gerechter Gott! Verfahre nicht mit mir nach meinen Snden, sondern
nach deiner groen Barmherzigkeit welche gern vergibt. Ja, erbarme dich
ber mich und hilf mir in deiner Liebe, da ich an diesem Tage der
Vershnung von neuem geheiligt werde; fhre du mich selbst zurck auf
deinem Wege, da ich zum Guten und zur Wahrheit Umkehr halten mge, denn
du bist Herr, mein Gott.

Amen!

[Funote 32: Jesaias, Kap. 6.]

[Funote 33: 2. Buch Mosis, 34, 6. ff.]

[Funote 34: Schabbos Schabboaun.]




Beim Mittagsgebet (Mussaph).


43. Je lnger ich heute in deinem Haus verweile, Allheiliger, je mehr
ich mich selbst betrachte, indem die Quelle jeder Sinneslust gehemmt
ist, und das Brausen der Leidenschaften in meiner Brust erstirbt, je
klarer ich mir bewut werde, da ich hier vor deinem ewigen
Richterstuhle stehe, wo nicht nur die Snden, welche alle Welt sieht und
verurteilt, mir vorgehalten werden, sondern wo eine jede sndige
Neigung, jede gottlose Begierde, jedes unntze Wort, ja selbst die
geringste Versumnis in der Ausbung des Guten, die ich mir habe zu
schulden kommen lassen, als Zeugen gegen mich auftreten, mich ohne
Schonung vor dich zu Gericht bringen, dem alles offenbar ist, und mich
meiner Selbsttuschung entreien, die meinen Geist sonst gefangen hlt,
um so mehr mu ich wieder und wieder dein Erbarmen anflehen: O, vergib,
vergib mir, Allbarmherziger, wende mir deine Gnade wieder zu, da ich in
meinen Snden nicht verderben mu! Aber darf ich mein Angesicht wohl zu
dir erheben und deine Verzeihung mir erflehen, so lange noch die Stimme
eines gekrnkten Bruders meine Stimme bertnt, und so lange dies mein
Herz noch nicht erfllt ist mit der Liebe, welche alle Vergehen
zudeckt?[35] ber wie manchen habe ich nicht in Blindheit und
Leidenschaft ein ungerechtes Urteil gefllt, wie oft habe ich meines
Nchsten Absicht verkannt, wie oft ihm feindlich entgegengestrebt! Herr!
soweit ich meiner eigenen Lieblosigkeit Snde kenne, will ich mich
bestreben das Meinige zu tun, um meines Bruders, meiner Schwester
Verzeihung zu erlangen, aber, ach, wie viel habe ich nicht vergessen,
wie manche sind nicht von mir geschieden, ohne da ich damals ihre
Verzeihung erhielt oder sie jetzt noch erhalten knnte. So la mich denn
vor deinem Angesicht fr mein Vergehen, das ich gegen diese begangen
habe, Abbitte tun. Dein ewiger Geist, der in ihnen wirkt, tilge meine
Schuld in ihrem Andenken. Und mich, o Herr, mich erflle du mit dem
reinen Geiste der Vershnung. O, ich will allen Groll und allen Ha aus
meiner Seele ausmerzen! Ich will jede Krnkung fr nicht geschehen
erachten und jedes Versehen gegen mich verzeihen, und wenn jemand auch
noch so schlecht gegen mich und die Meinigen gehandelt htte, und wer
versucht hat, mir zu schaden und meine Ehre zu beflecken, ja, Herr,
selbst meinem Todfeinde, ich will ihnen allen verzeihen, und sollte es
mir schwer fallen, so will ich mich daran erinnern, da gegen mich sich
doch keiner so schwer vergangen hat, als ich mich gegen dich,
Allgtiger, versndigt habe, und da ich doch auf deine Verzeihung
hoffe, weil du meine Schwche kennst, und will mir ins Bewutsein rufen,
da meines Bruders Versehen gegen mich auch aus derselben Quelle der
Schwche und des bsen Willens flieen. Ich will eingedenk sein dessen,
was unsere Weisen sagen, da wir von dir mit demselben Ma gemessen
werden, mit dem wir andere messen und andere richten, und da[36] des
Menschen schnster Schmuck darin besteht, alle Verschuldung zu bersehen
und zu vergessen!--O gnadenreicher Richter! so schaue denn herab auf
meine Seele, die erfllt ist mit Gefhlen der Vergebung, in der ein
himmlischer Friede wohnt, den kein bitteres Gefhl gegen irgend einen
Menschen mehr strt! Erhre du auch meine Bitte um Vergebung meiner
Snden und erflle meinen Geist mit der beseligenden Verkndigung:
Heute sollen deine bertretungen getilgt werden und du sollst rein sein
von allen deinen Snden wider den Ewigen.[37] Mit diesem Trost will ich
mich heute vor dir in den Staub niederwerfen, vor dir, der du selbst
verzeihst und gerne die Vergehen tilgst.

Amen!

[Funote 35: Spr. Sal. 10, 13.]




Beim Nachmittagsgebet (Mincha[38]).


44. Hilf, o Ewiger, denn der Frommen Anzahl ist geschwunden und der
Glubigen sind wenig, erhre mein Gebet fr die Snder, welche frech
ihr Haupt erheben, und vergib die schweren bertretungen, die so
zahlreich und hufig sind. Ach, der Himmel umdunkelt sich vor meinen
Blicken, wenn ich daran denke, wie schamlos Wollust und Unmigkeit
auftreten und die jungen Seelen bestricken, wie sie die schnsten
Verhltnisse vergiften, das Wohl der Familien untergraben und so manche
den wilden, unmigen Lsten zum Opfer fallen lassen, whrend sie
zugleich ihre Laster unter beschnigenden Namen verbergen, oder wenn ich
an den Trotz gedenke, mit dem man deine Gebote bertritt, dein mildes
himmlisches Joch verhhnt, ja sich sogar rhmt, es abgeworfen, und dafr
das Joch auf sich genommen zu haben, welches die Welt in ihrer
Verderbnis geschmiedet hat! O du, mein Gott, dessen Barmherzigkeit kein
Ende nimmt, ich bitte dich: Vergib meinen Brdern ihren Abfall und ihre
Schuld, gehe nicht mit ihnen ins Gericht und strafe uns nicht in deinem
Zorn um ihrer bertretung willen! Und doch, darf ich wohl eine Frbitte
fr die Snder zu dir emporsenden, ohne da mich mein eigenes Gewissen
als Teilnehmer an ihren Vergehen anklagt? Wie oft bin ich es vielleicht
gewesen, der Veranlassung zum Sndigen gab, oder habe ich stets
hinreichend meine Abscheu vor dem Laster zu erkennen gegeben und all den
Kummer sehen lassen, von dem ich ergriffen wurde, wenn die Snde ohne
Errten auftrat? War meine Betrbnis nicht viel grer ber den
geringsten Verlust an zeitlichen Gtern, als darber, da sich die
Frechheit und die Ruchlosigkeit meinen Blicken darstellten, oder da ich
sah, wie eine Menschenseele verloren ging! Entflammte mein Zorn nicht
weit mehr ber die geringste Beleidigung, die mir widerfuhr, als wenn
ich Zeuge war, wie dein Name und dein Haus entweiht wurden! Ach,
Herr, flossen Trnenstrme aus meinen Augen, weil deine Gesetze nicht
beobachtet wurden? Wurde ich von Kummer verzehrt, weil deine Worte
vergessen wurden?[39] Habe ich freimtig dich und deine Lehre bekannt,
wenn der Gottlosen Hohn mich mit Schmerz erfllte? O, es ist so schwer,
ohne Fehler zu wandeln, selbst wenn auch der Edlen und Heiligen Beispiel
mir stets voranleuchtet, wenn meine Augen jederzeit sehen, allenthalben,
was dir verhat ist, und mein Ohr bestndig hrt, was Sinne und Gedanken
irreleitet und strt. O du, der du dich ber uns erbarmest, wie ein
Vater ber seine Kinder, la deine Gnade gro sein gegen die sndige
Welt und hilf mir, mit Sorgfalt alles zu vermeiden, was mir zu einer
Schlinge werden knnte. Errette mich bei den ernsten und heiligen
Erinnerungen dieses Tages, o Herr, errette auch (meine Kinder, meine
Angehrigen, meine Verwandten und Freunde, meine Dienstboten), da kein
sndiger Umgang sie von dir entfernen mge.Lutere mich, o Allgtiger,
erforsche mein Herz, prfe meine Gedanken, sieh, ob der Weg, den ich
wandle, zum Verderben, fhrt, und leite mich auf den Weg zur
Ewigkeit![40] Mchten alle Snder bedenken, wie nahe ihnen ihr Ende
ist, wie bald das Leben ihnen verronnen, da sie zur Zerknirschung
gefhrt werden und zu dir umkehren mchten.Verwirf mich nicht vor
deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, sondern
la mich deiner Gnade wieder froh werden, und schenke mir einen neuen
und willigen Geist, da ich den bertretern deine Wege kund tue, und die
Snder sich zu dir bekehren mchten.[41]

[Funote 36: Spr. Sal. 19. 11.]

[Funote 37: 3. B. M. 16, 30.]

[Funote 38: Nach dem Thora-Lesen, 3 B. Mos. 18]

[Funote 39: Ps. 119, 139.]

[Funote 40: Ps. 139, 23.]

[Funote 41: Ps. 51.]




Zum Schlugebet (Nelah).


45. Vater, barmherziger Vater im Himmel! Es ist die letzte Stunde des
heiligen Tages, welche jetzt naht. O, da doch meine ganze Seele in
diesem Augenblick sich von der Erde hin zu dir erheben mchte, als ob
des Lebens letzte Stunde mir erschienen sei. Mit Gebet und Bue habe ich
nun heute die Gelste und Begierden meines Leibes besiegt, und doch, wie
leicht ist nicht die Sehnsucht nach des Lebens Lust selbst mitten in
meiner Andacht bei mir wach geworden, und selbst whrend ich reuevoll
meine Snden bekannte, konnte das Verlangen nach ihnen in meiner Brust
nicht erstickt werden; ja, ja, vielleicht hat mich sogar der Wunsch
erfllt, da dieser Tag schon berstanden sein mchte, gerade als ob
dieser Tag an sich durch Fasten und Bue mir Abla fr meine Snden
verschaffen knnte, und als ob ich alsdann frei wieder den Weg meiner
alten Verirrungen betreten knnte, wenn er geendet habe. O, la mich
deshalb noch einmal aus allen meinen Krften meine Gedanken und mein
Inneres lutern, und la meine heien Trnen die Aufrichtigkeit meiner
Reue bezeugen und dir ein angenehmes Shnopfer sein, mit dem ich meines
Herzens Gelbde besiegele, da ich dich stets vor Augen haben will, und
da die Erinnerung an diesen Tag mit unverlschbarer Schrift in die
Tafeln meines Herzens eingegraben und mir nahe sein soll in jeder Stunde
der Versuchung.--Herr! Zrne mir nicht, da ich noch dieses letzte Mal
zu dir bete; die Schatten des Abends breiten sich schon aus, und die
dunklen Schatten meiner Snden verfolgen mich; ich will sie verjagen und
noch einmal meine Schuld bekennen, ich will an die Tre deiner Gnade
anklopfen und deinen Namen anrufen, du einziger, ewiglebender Gott! Ich
will mich unter dieser Anrufung dir heiligen mit Leib und Seele, und
ich gelobe feierlichst, mich selbst in Liebe zu opfern. O, la mich
deiner Gnade Stimme vernehmen:Ich, ich selbst tilge deine bertretungen
und will deine Snden vergessen[42] O la meine Seele beim Ende dieses
Tages mit heiliger Freude erfllt sein, da sie jubeln knne:Selig,
selig ist der, dem seine bertretung vergeben und dessen Snde getilgt
ist! Selig ist der Mensch, dem der Herr seine Schuld nicht anrechnet,
und selig der Geist, den der Herr von der Last seiner Snden befreit
hat![43]--Ja, la meine erlste Seele deinen Namen in alle Ewigkeit
lobpreisen, du, mein Herr und mein Gott.

Amen!




Am Laubhttenfest (Succoth).


46. Herrscher der Welt, der du die Liebe bist! Heute erinnere ich mich,
wie wunderbar du unsere Vter durch die Wste fhrtest, da du sie in
Htten wohnen lieest, und vertrauensvoll rufe ich aus:Der Herr ist
mein Hirte, mir wird nichts mangeln[44] O, Dank sei dir gebracht, da
du mir dieses Freudenfest verliehen hast, das mich jedes Jahr in der
Zuversicht bestrken soll, niemals vor der unbekannten Zukunft mich zu
ngstigen, und niemals mich von den mannigfachen Sorgen berwltigen zu
lassen, die ja oft in den Menschenherzen auftauchen. Denn meine Htte
ist in deinem Namen erbaut, und wenn ich auch jetzt nichts she als die
de Wildnis, so wei ich doch, da du dein Manna herniederfallen lassen
kannst, da du mir alles, dessen ich bedarf, verleihen und da du deinen
Schatten ausbreiten kannst ber meine Wohnung. Und, wenn auch Strme
tosen und sie umzustrzen drohen, so will ich doch mit frohem Mute
durch die Wlbung der Laubhtte zu deinem Himmel aufschauen, der seine
Strahlen in meine Wohnung hernieder sendet und ich will mein Vertrauen
auf dich setzen, der gerade unter den brausenden Strmen die Saaten
reifen lt und den Bumen die Kraft gibt, Frucht zu tragen, und der da
will, da auch der innere Mensch unter den Strmen der Geschicke und der
Zeit reifen und Kraft gewinnen soll, edle Frucht zu tragen. Aber auch
daran will ich heute denken, da gerade dieses Fest dazu eingesetzt ist,
mich an die Pflicht zu erinnern, auch eine gebhrende Sorge fr meinen
Krper zu hegen, und ich will froh sein, da ich mich zu einem Glauben
bekenne, der nicht von mir fordert, da ich mein Fleisch mit
selbstverursachten Martern peinige oder mir jede Freude versage, die du
auf meinem Wege mir erblhen lt, noch da ich ganz der Welt entsagen
und abgeschieden von ihr leben soll; nein, vielmehr einen Glauben, der
gerade will und mich durch diese Feier dazu auffordert, da ich die
Freuden der Erde mit meinen Verwandten und Freunden genieen soll und
mich freuen all des Guten, das du mir gegeben hast, so da jeder
sinnliche Genu dadurch geheiligt wird, da er in dir genossen wird und
so, da ich mich selber bei allem, was meinen Leib erquickt und freut,
in deinem Dienste fhle, als einer, der dein heiliges Gebot erfllt. So
gib denn du, mein Gott, da so selbst jede irdische Lust, die du mir
bereitest, mich dir nher fhren und da ich, indem mein Vertrauen auf
dich gekrftigt wird, erfahren mge, da߻wer auf dich baut, mit Gnade
umgeben werden und sein Haus und seine Htte in Frieden stehen
soll.[45]

Amen!

[Funote 42: Jes. 43, 25.]

[Funote 43: Ps. 32.]

[Funote 44: Ps. 23, 1.]

[Funote 45: Ps. 32, 10.]




Am Laubhttenfest als Erntefest.[46]


47. Ewiger, der du sowohl in der Hhe als in der Tiefe die verborgenen
Quellen ffnest und aus unerschpflicher Flle Segen niederstrmen lt
ber alle Geschpfe, dir bringen jetzt alle ihren Dank, weil ihre
Vorratskammern wiederum gefllt sind,--wie knnte ich da allein
schweigen? Sollte ich dir meinen Dank nicht bringen, der du deine milde
Hand aufgetan und allem, was lebt, seine Nahrung gegeben hast? Nein, und
wenn auch alle Welt schwiege, ich mte doch in dieser Stunde die Stimme
meiner Dankbarkeit erheben, denn du hast ja selber dieses Fest in deiner
Gte dazu geweiht, da es in der Brust des Israeliten die Stimme des
Dankes wecken soll, auf da, wie unsere Vter in der Wste jeden Tag der
Woche, so auch wir jetzt zu diesen festlichen Stunden erkennen, da das
Brot vom Himmel kommt, und da wir nicht sein sollen wie diejenigen,
welche ber die Gabe den allgtigen Geber vergessen. Und kann ich auch
nicht wie der Landmann zur Erntezeit, in meine Scheuern gehen, um den
reichen Segen zu sehen, so hast du doch mir und den Meinen eine nicht
minder reiche Ernte verliehen. Die Tat, welche ich vollfhre, der Beruf,
den ich erflle, das ist ja der Acker, den ich pflge und bese, und wie
reich hast du mich ernten lassen! Und htte ich auch nur wenig geerntet,
flossen auch die Quellen der Nahrung nur sprlich, so ist doch selbst
dieses Geringe eine unverdiente Gabe aus deiner Hand. Aufs neue wird mir
die Gewiheit, da du deinen Bund hltst, da Saat und Ernte niemals
aufhren und der Fleiige gesegnet werden soll. Wieder habe ich
tausende von Erquickungen empfangen, und jede einzelne von ihnen lehrte
mich, da, wenn auch junge Lwen schmachten und hungern, so soll doch
denen, die dich von ganzem Herzen suchen, nichts Gutes mangeln.[47] So
will ich mich denn heute in diesem Troste freuen, und ich will meine
Freude erhhen, indem ich Freude nah und fern verbreite, und meinen Dank
will ich dir dadurch beweisen, da ich jedem meiner Brder und jeder
meiner Schwestern mit freundlichem Angesicht, mit mildem, wohlttigem
Sinn entgegenkommen will, da auch ihr Dank fr alles, womit du uns
gesegnet hast, zu dir aufsteige. Nun bitte ich dich, allen schne,
festliche Tage zu bereiten, ich bitte dich, Frieden und Freude ber mich
und mein Haus auszubreiten, da es von deinem Lob bestndig widerhallen
mge. Geheiliget sei dein Name!

Amen!

[Funote 46: Einsammlungsfest 2. Mos. 23, 16, 34. 22.--5. Mos. 16, 13.]

48. Dir danke ich, o mein Gott, da dein Name nahe ist, und da, der du
deine hohe Wohnung dir im Himmel erbaut hast, du auch deinen Bund auf
Erden gegrndet und deine Htte unter den Kindern der Menschen
aufgeschlagen hast, da auch mein Leben in der Gemeinschaft der Frommen
geheiligt wird. Denn heute ist es ja das Fest, welches du dereinst
angeordnet hast, um dem gemeinsamen Leben der Glubigen Nahrung zu
geben, und noch jetzt ist es diesem Zweck geweiht; und wie vormals alle
diejenigen an ihm vereinigt wurden, welche in zahlreichen Scharen zur
heiligen Stadt hinzogen, deinen Namen zu preisen und deiner Lehre zu
lauschen, auf da sie neu belebt wrden und mit des Glaubens heiligen
Gaben in ihre Huser heimkehrten, also umschlingt dasselbe Fest noch
immer mit einem heiligen Band alle diejenigen, die ber die weite Erde
zerstreut und zersplittert sind, aber eine geistige Gemeinschaft sich
bewahrt haben. Es verbindet uns alle als Brder im Glauben, die wenig
Begabten mit den an Kenntnis Reichen, und die, welche durch ihre frommen
und edlen Handlungen sich einen Namen und guten Ruf erworben haben, mit
denen, die nur wenig vollfhrt, aber doch zur Grndung des Himmelreiches
auf Erden mitgewirkt haben, wenn sie nur treu geblieben sind und sich
dem heiligen Bund von ganzem Herzen angeschlossen haben. Es sind ja
nicht nur die Mchtigen und Groen, die hie und da nur sprlich zu
finden sind, durch welche die Aufgabe, die du deinem Volke gestellt
hast, erfllt werden soll; auch nicht allein diejenigen, welche die
Menschen dazu bestellt haben, deinen Weinberg zu hten und zu pflegen,
nein, es sind auch diejenigen, welche mit geringen Krften Stein auf
Stein zu dem heiligen Bau tragen, die Geringen, welche in einfltiger
Frmmigkeit das Ihrige zu seinem Wachstum beitragen, und berall sich
finden, wo der Lebensstrom deiner Lehre fliet, gleich der
unansehnlichen Weide, die an jedem Strom wchst und die ganze Erde
ziert, whrend die Palme nur ein Schmuck der sdlichen Lnder ist. O
Gott, la auch mich ein lebendiges Glied in diesem Bunde sein, mich, der
ich mit ganzem Herzen mich deiner Gemeinde anschliee; und kann ich auch
nichts Groes wirken, so erflle mich doch mit der freudigen Gewiheit,
da selbst durch das Wenige, welches ich beizutragen vermag, das Ganze
und Groe auch gefrdert werde. Strke mich in dem Vorsatz, mit
Bereitwilligkeit mein Scherflein fr alles zu geben, was zum Bedarf der
Gemeinde sowohl, wie deines Hauses dient, und fr alles, was die
Gemeinschaft mit dir frdert. Und Herr, mit Sorgfalt will ich alles
vermeiden, was Zwistigkeit erregen knnte, und was dazu dienen mchte,
das Band zu lsen, welches uns alle in einem Gedanken und in einem Sinne
vereinen soll. La nun dieses Fest ber mich und die Meinigen seine
erquickenden Schatten breiten, da ich von seiner Freude gesttigt
werde, als von dem Vorgeschmack der Seligkeit.

Amen!

[Funote 47: Ps. 31, 11.]




Am Schlufeste (Schemini Azeres).


49. Ewiger Gott! Das Fest und die Natur vereinen sich, um mir zu
predigen;Alles ist eitel, alles ist ganz eitel![48] Wohin ich jetzt
meine Blicke wende, berall in der Natur treten mir die Zeichen der
Vergnglichkeit entgegen. Die Schnheit der Ebene ist geschwunden, der
Schmuck der Fluren ist dahingewelkt, auf drre, welke Bltter tritt mein
Fu, und ich fhle mich tief von dem Gedanken ergriffen:Des Menschen
Leben ist wie Gras, er blht wie eine Blume des Feldes, ein Wind fhrt
darber hin und sie ist nicht mehr und ihre Sttte kennt man nicht
lnger;[49] bald welkt die Schnheit des Lebens dahin, ach, gar bald
werde ich dastehen wie ein entlaubter Baum, von dem Blatt nach Blatt
herunterfllt. Und wird mir nicht dasselbe von diesem heiligen
Schlufest gepredigt, das mich daran erinnern soll, wie bald meine Tage
zu Ende sind und mein Tagewerk abgeschlossen werden soll? Noch einmal
will ich mich in dir und vor deinem Angesichte freuen, o Ewiger, und in
meiner Seele alle die beseligenden Eindrcke sammeln, welche diese
vielen Festtage auf mich gemacht haben, und ich will mich hten, da ich
nichts von der mir noch vergnnten Zeit verliere. So will ich mich denn
beeilen, ehe des Lebens Winter herannaht und die Krfte mir versagen,
das zu vollfhren, wozu ich berufen worden bin, und ich will die wenigen
Tage, welche mir zugemessen sind, noch mehr dazu benutzen, ein Leben zu
fhren, dir angenehm und den Menschen segenbringend. Mein himmlischer
Vater! Nimm das Opfer meines Herzens gndig an, das fromme Gelbde, da
ich in dem Vergnglichen das Ewige erfassen will, damit ich einst, wenn
du mich rufst, ein Schlufest bei dir in Seligkeit und ewiger Freude
feiern mge.

Amen!


[Funote 48: Prediger Sal. 1, 2.]

[Funote 49: Ps. 103, 15-16.]




Am Freudenfeste ber die Thora (Simchas Thora).


50.Das Gras verdorrt und die Blumen welken dahin, aber dein Wort, o
Gott, bleibt in alle Ewigkeit.[50] Das ist mein Freudenruf, mein Psalm,
mein Lobgesang, mit dem ich mich dir am heutigen Tage, an dem Israel die
heilige Thora beendigt und von neuem wieder beginnt, nahe. Alles
Irdische vergeht, nur dein Wort besteht in Ewigkeit, und die, welche es
uns verkndigt haben, leben ewig in unserer Erinnerung. Das flammende
Wort, welches Moses Lippen entstrmte, ist die unvergngliche
Richtschnur unseres Lebens, ein ewiges, das aller Zeiten Strme doch
nicht zu vernichten vermochten. O Vater, ich danke dir, da dieses Wort
des Lebens noch mein Eigentum ist, und da ich es rein und unverflscht
besitze, wie es ursprnglich lautete. Ich danke dir, da du mir den
Zugang zu demselben erffnet hast, ja, du hast es ja einem jeden
Israeliten zur Pflicht gemacht, sich recht vertraut damit zu machen, in
seine Tiefen einzudringen und Leben und Geist daraus zu schpfen, die
Wahrheit darin zu suchen, zur Liebe dadurch erwrmt zu werden, und
Trost und selige Hoffnung darin zu finden. Ich danke dir, da du in den
24 Bchern der heiligen Schrift (Thora, Nebiim und Kethubim) auch mir
die reine Quelle des Lebens fr alle Zeiten und Geschlechter hast
strmen lassen. Und indem ich dir fr deine geschriebene Lehre danke,
sende ich auch meinen Dank fr die mndliche zu dir empor, welche uns
den Inhalt der Schrift erst verstehen und richtig erfassen lt. O, mein
Gott, wie oft habe ich nicht dieses dein Wort gering geachtet, wie oft
eine Gelegenheit versumt, darin belehrt zu werden oder die Zeit
verschlafen, da ich seiner Verkndigung lauschen sollte, whrend ich
meine beste Zeit fr Schriften vergeudete, welche den Geist beflecken
und Herz wie Sinn verderben! O lehre du selbst mich den Schatz hten,
den du mir geschenkt hast, da ich in Zukunft mchte sagen knnen:Ich
hasse Fabel und Tand, aber ich liebe deine Lehre![51] Die langen
Winterabende will ich dir weihen, indem ich bei deinem heiligen Wort
verweile, ich will aufmerken auf die mndlichen Auslegungen desselben
und dahin eilen, wo ich es in lebendiger Verkndigung hren kann, da
meine Seele errettet werde.[52] Ich will ein waches Auge ber alle die
Meinigen haben, da sie nicht die giftigen Bcher lesen, welche ihre
Gedanken beflecken und will sie den Wert deines Wortes erkennen lassen,
welches uns von dem Irdischen zum Himmlischen emporhebt. Nun breite du
deinen Frieden ber mich und die Meinigen aus, den Frieden, welcher
denen versprochen ist, die dein Wort lieben, da ich niemals straucheln
mge und meine Seele in dir lebe und dich in alle Ewigkeit preise.[53]

Amen!

[Funote 50: Jes. 40, 8.]

[Funote 51: Ps. 119, 113, 163.]

[Funote 52: Jes. 55, 3.]

[Funote 53: Ps. 119, 175.]




Am Feste der Tempelweihe (Chanuka, Lichterfest).


51. Lieber Gott! Wie soll ich dir genugsam danken und dich preisen fr
all die Freude und all die Hoffnung, welche mir aus den Lichtern
entgegenstrahlen, die wir in diesen Tagen zum Gedchtnis an den Kampf
der Makkaber anznden, die fr das hchste Gut, fr den Glauben,
stritten; zum Gedchtnis an den Sieg, welchen du sie gewinnen lieest,
zum Gedchtnis an die Mrtyrer, die um des Glaubens willen, und um das
ewige Leben zu retten, freudig in den Tod gingen. So hast du Israel
nicht nur dazu erkoren, deinen Bund zu schlieen und deine Gotteslehre
zu bewahren, sondern du hast es auch dazu gewrdigt, das erste Volk zu
sein, welches ein Beispiel zur Nachahmung gegeben, fr die hchsten und
heiligsten Gter des Menschen, fr die Freiheit des Glaubens und des
Geistes zu kmpfen und alles Irdische zu verachten, wenn der Glaube in
Gefahr schwebt, ja bereitwillig selbst lieber das Leben opfern, als die
heilige berzeugung aufzugeben. Das erzhlt uns ja die Geschichte
unseres Festes, wie unsere Vter in jenen Schreckenszeiten allen
Drohungen und Verlockungen trotzten; wie sowohl Frauen als Mnner,
sowohl Greise als Kinder standhaft alle Marter ertrugen; wie sie den
Scheiterhaufen bestiegen und selbst im Tode noch ihren Glauben
bezeugten. Und wenn auch alles dem Glauben Israels den Untergang
verkndete, so ging er doch durch deine allmchtige Hilfe gerade aus
jenen Tagen siegreich hervor, und du hast aller Welt gezeigt, da die
Kraft des Geistes mchtiger ist, als gewaltige Heere. O Herr! Ich danke
dir, da die Zeit der blutigen Verfolgung um des Glaubens willen ein
Ende genommen hat; aber ach, mein Gott! wie oft sind nicht Hohn und
Spott weit schneidendere und giftigere Waffen, und selbst die
Mutigsten, die sich nicht frchten wrden, fr den Glauben in den Tod zu
gehen, zittern vor der Verachtung der Welt und den Pfeilen des Spottes.
Wie viele sind nicht dem Falle ausgesetzt durch die Schlinge, welche der
Versucher ihrer Frmmigkeit legt, wenn er ihnen sowohl zuflstert, als
auch laut entgegenruft, da sie noch in einer veralteten Lehre befangen
sind, und wie mu es nicht mein Herz mit Sorgen und Bekmmernis
erfllen, wenn ich die Lssigkeit im Glauben sehe, die berall
hervortritt und mich fast frchten lt, da derselbe ganz auf Erden
untergehen knnte.--Doch nein, nein! Indem ich der Zeit der Makkaber
gedenke, will ich mich zugleich daran erinnern, wie oft das Verderben
gedroht hat, wie oft es geschienen, als ob das heilige Licht des
Glaubens erlschen sollte, und doch flammte es von neuem auf und
strahlte nur um so klarer und heller. Ich will beim Anblick dieser
Lichter meinen Eifer entflammen und meine Treue in deinem Dienste
strken, sowohl ich, wie auch mein Haus, ja, ich will auf die Fahne
meines Lebens die Inschrift setzen:Wer unter den Mchtigen kann sich
vergleichen mit dir, und sicher und ruhig werde ich im Glauben
wandeln.Ewiger, du bist mein Licht und meine Hilfe, wen sollte ich da
wohl frchten? Du bist die Kraft meines Lebens, vor wem sollte mir da
wohl grauen? Hre mein Flehen, sei mir gndig und erhre mich.[54]

Amen!




Am Purimfest.


52.Mein Mund lobsinge dem Herrn und preise ihn unter vielen, denn er
steht zur Rechten des Unschuldigen, um ihn von denen zu erretten, die
seine Seele richteten.[55]

Du machst des Listigen Anschlge zu schanden, so da sie keine Macht
haben, ihre Absicht auszufhren, du fngst die Boshaften in ihrer
eigenen Tcke und vereitelst die Plne des Bsen.[56] So errettetest du
ja unsere Vter von Tod und Verderben, als der Mchtige die Unschuldigen
anklagte und in gekrnktem Hochmut einen Plan schmiedete, deine Treuen
aus dem Lande zu vertilgen. Du, Israels Schirmherr, der niemals
schlummert und niemals schlft, du lieest die Ruhe das Lager jenes
Knigs fliehen, du ffnetest sein Auge, den Anschlag des Verrters zu
erkennen; ja du hattest schon zuvor das Mittel zur Errettung Israels
bereit, jene fromme Seele, die ihr Leben opfern wollte, fr das Heil
ihres Volkes! So wurde selbst das schlimme Los uns zu Glck und Ehre, du
lieest es zu Israels Rettung und Wohl fallen, und die Sorge ward in
Glck, der Kummer verwandelt in Freude.--O, weshalb erschrecke ich da,
wenn schlimme Nachricht mein Ohr erreicht, weshalb erbeben die Menschen,
wenn von Ruchlosen Plne gegen ihr Wohl geschmiedet werden? Du regierst
ja alles, du lenkst jeden Anschlag zu seinem Ausgang und lst die
Verwickelungen des Lebens, und die Schandtat des Bsen mu ebenso gut
meinem Wohle dienen, als die Segnungen der Edlen und Frommen. So werde
meine Seele denn froh in dir, und Freude umgebe mich diesen Tag. So weit
ich vermag, will ich den Unterdrckten auch selber helfen, und meine
Freude mir dadurch erhhen, ich will mit meinen Gaben manchen Armen
untersttzen, und mein Hallelujah soll den ganzen Tag vor dir
erschallen.

Amen!

[Funote 54: Ps. 27.]

[Funote 55: Ps. 109, 30.]

53. Mein Gott! Mein Mund vermag nicht all den Dank und all die Freude
auszudrcken, die mein Herz fhlt, so oft dieser Tag der Errettung
wiederkehrt.Wenn du nicht mit uns gewesen wrest, als die Menschen sich
wider uns erhoben, so htten die Gottlosen uns in ihrem Zorn
verschlungen. Ihr Glck wrde dann wie die Wellen in rasendem Sturm uns
berflutet haben. Dir sei Lob und Preis, o Gott, der uns nicht zu einem
Raub ihrer Zhne werden lie. Wir entgingen unsern Verfolgern; denn
unsere Hilfe ruht in dem Namen des Allmchtigen, der Himmel und Erde
erschaffen hat.[57]--Zu allen Zeiten und berall hast du, unser Vater,
uns beschirmt; und dieser Tag ruft uns nicht nur den Sieg Israels ber
Haman ins Gedchtnis, sondern alle die Ereignisse, da deine Vorsehung
unsere Vter errettet hat, da du ihre Betrbnis in Jubel, den Ruf ihrer
Angst und ihres Schmerzes in Trnen der Freude und der Dankbarkeit
verwandelt hast. Ja sicherlich, Herr unser Gott, Israel ist ein lebendes
Zeugnis deiner ewigen Treue:Die, welche auf dich hoffen, sollen niemals
zu schanden werden. Israel wurde verachtet und gedemtigt, aber sein
Vertrauen auf dich war strker als seine Leiden, und du hattest Mitleid
mit seinem Schmerze; hellere und freundlichere Tage sind ja gefolgt auf
die Zeit des Hasses und der Verfolgung. Allvaters Stimme hat den Geist
aller seiner Kinder durchdrungen, ihre Herzen erreicht, und Israel
findet berall unter den Nachkommen seiner Unterdrcker nunmehr Brder.
Ja, die Erinnerung an das, was unsere Vter gelitten haben, erhht in
unsern Herzen nur die Freude ber unser Vaterland, das all unsere Wunden
geheilt hat, all unsere Schmach getilgt und unserm Glauben seine
Freiheit und seinen Glanz zurckgegeben hat. Gelobt seiest du, unser
Gott, unser Erretter! O, da doch das Bewutsein all der Freuden, die
wir in diesem unsern Geburtslande genieen, unsere Herzen zu
brderlicher und liebevoller Gesinnung gegen alle Menschen, unsere
Brder, erwecken mchte!--Sei gelobt, du Ewiger, unser Gott, fr all die
Wunder, welche du an unsern Vtern vollfhrt hast und fr den ewigen
Schutz, den du ihren Kindern angedeihen lt.

Amen!

[Funote 56: Ijob. 5. 12, 13.]

[Funote 57: Ps. 124.]




Am Tage der Zerstrung des Tempels (Tischoh b'ab).


54. O du, dessen Liebe ohne Ende ist und dessen Barmherzigkeit ohne
Grenzen, heute werde ich erinnert an die Stunde, da du Israels Schmuck
vom Himmel zur Erde strztest und am Tage der Heimsuchung den Schemel
deiner Fe nicht achtetest,[58] und meine Bitte wird von Wehmut
erfllt, und Sorgen erfassen mein Herz. Wie knnte es auch anders sein?
Ist nicht das gerade das Groe und Erhabene der heiligen Gedchtnistage
meines Glaubens, da ich nicht nur die glcklichen Zeiten, die Tage der
Errettung, des Sieges und der Freude mir vor die Seele rufen soll,
sondern auch jene, die ein trauriges Zeugnis fr die Snde und den
Abfall der Vter ablegen, wie sie es selbst verschuldeten, da du nicht
einmal dein Heiligtum schontest, welches ber alle Ebenen der Welt sein
Licht verbreiten sollte, da Zion, von wo die Thora ausgehen sollte, wie
ein Acker gepflgt wird, und da Jerusalem, die Sttte, welche zur
Verkndigung deines Namens geheiligt war, zu einem Steinhaufen
wurde.[59] Mit Sorgen stimme ich in die Klage des Propheten ein:Unsere
Vter haben gesndigt und sind nicht mehr, und wir tragen ihre
Snde.[60] Sie hrten nicht auf den Ruf deiner Gnade, und vergebens
zeigtest du ihnen deine Langmut; ja, sie gruben sich mit eigner Hand ihr
Grab, indem sie gegen einander wteten und sich durch eigenen Streit in
die Hnde ihrer Feinde gaben. Da wurde der heilige Bau zerschmettert und
zermalmte in seinem Falle alle, die ihm anhingen. Ach Herr! Bitterlich
weine ich ber diesen Fall, und um so bitterer, weil die Snden der
damaligen Zeit noch immer unter uns herrschen. Aber je mehr ich mir das
Innerliche zu Herzen nehme, um so fester ist auch meine Hoffnung,[61]
und je tiefer meine Sorge ist, um so gewisser ist auch mein Vertrauen
auf dich und deinen Trost. Ja, so gewi, wie jenes Gotteswort in
Erfllung ging, welches dem sndigen Volke seinen Untergang verkndigte,
und da die Tage des Zornes kommen sollten, so gewi wird auch jene Zeit
erscheinen, wo es wieder zu Gnaden aufgenommen wird und sich erfllt,
was der Prophet verkndet:Und in den letzten Tagen soll es geschehen,
da soll der Tempelberg des Herrn ber alle Hhen erhoben werden, und
alle Vlker sollen dahin strmen und sagen: Kommet! lat uns
hinaufziehen zu dem Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, auf da er uns
seine Wege lehre, da wir in seinen Futapfen wandern mgen, und Freude
soll ber alle sich verbreiten, die in Sorgen leben ob seines
Falles.[62] Ewiger! strke du mich in dieser meiner Hoffnung und la
mein Leben ein Zeugnis davon sein, da ich Wahrheit und Frieden liebe.

Amen!

[Funote 58: Klagelieder 2, 1.]

[Funote 59: Micha 3, 12.]

[Funote 60: Klagelieder 5, 7.]

[Funote 61: Klagelieder 3, 21.]

[Funote 62: Micha 4.]




Schlugebet beim Gottesdienste (Olenu).


55. Uns geziemt es dich zu loben und dich zu verehren, o Herr des
Weltalls, und deine Gre und Herrlichkeit zu bezeugen, da du uns
berufen hast, deine Worte und deine Taten in der bung frommer Werke zu
verknden und dich durch unseren Lebenswandel zu heiligen. Darum
verneigen wir uns ehrfurchtsvoll vor dir, und bekennen dich als den
Herrn des Himmels und der Erde. Ja wir hoffen auf dich und glauben in
fester und unerschtterlicher Treue, da deine Gre und Allmacht, o
Gott, immer mehr erkannt werde und sich sichtbar verbreite nach allen
Richtungen der Erde, damit aller Irrtum hienieden verschwinde und alle
Wesen erkennen, da du nur allein Gott und Herr bist ber alle
erschaffenen Dinge. Alsdann werden alle Bewohner des Weltalls vor dir
sich neigen und deiner Herrschaft sich willig unterwerfen, deinen Namen
die Ehre geben und so den wahren Frieden allseitig hienieden begrnden.
So lehren ja auch deine Propheten mit ihrem hellen Seherblicke in die
Zukunft.Gottes Reich ist ein ewig dauerndes. Und an anderer Stelle
heit es:Und Gott wird Knig sein ber die ganze Erde, alsdann wird
der Ewige einzig sein und sein Name einzig.!

Amen!




Die Hausfrau, wenn sie Chala nimmt.


56. Wie du einst unsere Vter in der Wste speistest und sie am Tage
alles zum Unterhalte ihres Lebens finden lieest, dessen sie bedurften,
so bist du, o mein Gott, mit meinem Gatten, (meines Hauses Versorger)
gewesen und hast seinen Flei gesegnet, da wir den Unterhalt unseres
Lebens nicht entbehren. Bevor nun der heilige Tag beginnt, will ich nach
Vorschrift auf bildliche Weise dir meinen Dank darbringen, und als ein
echtes Weib Israels will ich unsern Glauben bekennen, da selbst jeder
sinnliche Genu, den du uns gewhrst, durch fromme Gedanken geheiligt
werden soll. Denn du lieest es zum hohen Beruf des Weibes werden, den
Segen des Glaubens in das schne Heim zu bringen; ihr legtest du die
Pflicht auf, das tgliche Brot zu heiligen. O, mein Gott, so la es denn
dir gedeckt sein, was ich bereite, und segne du unsers Lebens Brot.

Amen!




Die Hausfrau, wenn sie die Sabbatlichter oder die Festlichter anzndet.


57. Freude soll alle Zeit in Israels Wohnungen leuchten; das
israelitische Weib soll die Wolke der Bekmmernis zerstreuen, die sich
zeitweilig ber den Gatten ausbreitet und den huslichen Kreis
verdunkelt. Mit dem warmen und reinen Glauben in ihrer Brust soll sie
trsten, ermuntern und erquicken. O! habe Dank, o Vater, da ich jetzt
wieder an meinen schnen und heiligen Beruf dadurch erinnert werde, da
ich die Sabbat-(Fest-)Lichter anznde, durch aufopfernde Ttigkeit,
Freude zu verbreiten und das Licht des Glaubens zu bewahren.

Amen!



IV. Gelegenheitsgebete.




I. Am Geburtstage.


Aus meines Herzens tiefstem Grunde sende ich heute mein Gebet zu dir
empor, allgtiger Gott und Vater, dessen Huld und Gnade ber mich
gewacht und heute mich in mein (--) Lebensjahr treten lt. Leben und
Liebe hast du mir zuteil werden lassen und deine Vorsehung hat meinen
Geist bewahrt. Ja, ich bin allzu schwach und zu geringe, um dir meinen
Dank auszusprechen fr jeden Segen, mit dem du mich begnadigt hast seit
der Stunde, da ich zum ersten Male das Licht der Welt erblickte.--Es
kommen heute meine Lieben mit ihren Glckwnschen mir entgegen, aber ach
Herr, der du Herz und Nieren untersuchst, kann ich wohl diese Wnsche
fr meine Zukunft hren, ohne da mein Herz mir Vorwrfe macht fr die
Zeiten, welche vergangen sind? Kann ich mir selbst Glck wnschen, weil
ich lter geworden, wenn die Erfahrungen und Prfungen des Lebens mich
nicht weiser, besser und frommer gemacht? Wenn ich heute auf die
dahingeschwundenen Geburtstage schaue, die ich bereits erlebt habe, und
wenn ich an die vielen Hoffnungen denke, die sich an jene knpften, an
die Erwartungen, mit welchen meine Eltern mich umarmten, und ich da mich
selbst frage: Habe ich diese Hoffnungen und Erwartungen erfllt? Habe
ich den Arbeitstag, den der Herr der Zeiten mir vergnnte, mit Eifer und
im Dienste des Allheiligen angewendet, so da ich auf seinen Beifall und
auf seinen Lohn hoffen darf, wenn die Abendstunde kommt? O mein Gott,
was darf ich dann antworten?--Sieh, du hast in diesem Jahre mir in
deiner Gnade viel Freude gesendet, und in deiner Weisheit hast du mich
mit Schmerzen heimgesucht,--alles, um mich zu erinnern, da ich unter
deiner vterlichen Leitung stehe, und da ich nur ein Pilger bin, der
einen mhsamen Weg zu wandern hat, bevor er die himmlische Heimat
erreicht. Dunkel ist fr mich der Weg, den ich noch zurckzulegen habe,
aber du, dessen Auge mich geschaut vom Lebensanfang, und in dessen Buch
alle meine Lebenstage verzeichnet waren, ehe ich noch da war,[63] nimm
du mich ferner in deinen Schutz, beschirme und segne alle, die mir teuer
sind, und bilde du mein Herz nach deinem Wohlgefallen! O, da ich in der
festen berzeugung gestrkt werde, da mir keine Brde auferlegt wird,
zu der du mir nicht auch die Kraft verleihest, sie zu tragen, und da
ich Tag und Nacht eingedenk sein mchte, da alles Fleisch Gras ist, da
hingegen jegliche Tat auf Erden, selbst die geringste, eine Saat ist,
die ihre Frchte in der Ewigkeit trgt; ja da ich dessen stets
eingedenk sein mchte, auf da ich meine Hoffnung nicht auf das
Vergngliche baue, und nimmer verzage und verzweifle unter
Widerwrtigkeit und Unglck, sondern selbst in Leiden und Schmerzen mich
dir dankbar zeige; da die berzeugung mich stets beselige, da dein
gtiger Geist mich berall leitet, segnet und strkt, und da deine Huld
und Gnade mich erfllt und bewahrt, auf da ich dir treu bleibe im Leben
und im Tode.--Ja, du bist der Gott meines Herzens, getrost bergebe ich
mich deiner Hand und frchte nichts, du, Herr, bist meine Strke, dir
lobsinge ich, du bist meine Hilfe und meine Zuflucht, in dir findet
meine Seele Heil in aller Ewigkeit.

Amen!




II. Am Verlobungstage.


Herr, du mein Fels, meine Zuflucht, leite du mich und fhre du mich um
deines Namens willen! Entschieden ist es heute worden, wem mein Herz
angehrt, an wen ich mein ferneres Geschick knpfen, mit wem ich durchs
Leben wandern soll. Allzu schwach bin ich, o Herr, und allzu
kurzsichtig, um das Innere eines anderen Menschen zu durchschauen, oder
um zu wissen, was in den kommenden Tagen zu meinem wahren Heil und Wohl
dienen kann und soll, darum sende ich mein Gebet zu dir empor: O la
deinen Segen auf meiner Wahl ruhen! Gib, da der, welcher mir heute sein
Gelbde gegeben, solches nicht leichtsinnig getan haben mge, sondern
zuvor, wie ich, zu Rat gegangen sei, nicht blos mit den Angehrigen,
sondern vor allem mit dir, mein Gott. La die kommenden Tage von dir
gesegnet sein, da eine reine und lautere Liebe, die auf Gottesfurcht
gegrndet ist, in unsern Herzen Wurzel schlage. Ja, Allgtiger, du, der
du mit so vieler Huld meinen Weg gebahnt und mich mit so vieler Gnade
umgeben hast, la diese Tage fr mich eine Vorbereitungszeit sein, da
ich, wenn die Zeit nahet, vor deinen Augen wrdig gefunden werde, den
Bund der Ehe zu schlieen. O, sei du mein Hirt und Leiter, und fhre
mich auf den rechten Weg um deines Namens willen.

Amen!

[Funote 63: Ps. 139, 16.]




III. Am Hochzeitstage.


Gekommen ist nun der Tag, an dem der Bund meines Herzens in deinem Namen
besiegelt werden soll, du ewiger, alliebender Vater, der Tag, der das
Weh und Wohl meiner ganzen Zukunft in seinem Schoe trgt. O, wie knnte
ich mich wohl dem heiligen Augenblick nhern, wie knnte ich hintreten,
um dem Auserwhlten meines Herzens meine Hand zu reichen, ohne dir zuvor
zu danken fr all deine vterliche Gte gegen mich, fr deinen Schutz
bis auf diesen Tag, fr die geliebten Wesen, mit welchen du mich bisher
umgeben, und die mit Zrtlichkeit und Sorgfalt ber mich gewacht und
mich geleitet haben, ja, ohne dir dafr zu danken, da du mich den hast
finden lassen, mit dem ich die wechselnden Geschicke des Lebens teilen
soll, ohne dir zu danken fr die himmlische, beseligende Freude, die
mich nun umstrmt, da das Band der Ehe uns verbinden soll. Wie knnte
ich wohl all deine Gte empfangen und bereits heute die heiligen
Pflichten der Ehe bernehmen, die der Ehestand mir auferlegt, wenn ich
nicht zuvor mit reuigem Sinne mein Herz vor dir ausschtte, ehe ich den
wichtigsten und meine ganze Zukunft entscheidenden Schritt meines Lebens
tun und dich um deine gnadenvolle Vergebung bitte. Wenn ich aber in
dieser Stunde meinen Blick auf die hingeschwundene Zeit richte, o welche
schwere Klage erhebt sich da in meiner eigenen Brust gegen mich!
Sndenvoll waren meine Gedanken, und meine Taten, wie wenig konnten sie
dir wohlgefallen. Habe ich wohl gelebt, wie ich sollte? Habe ich als
Kind von ganzem Herzen Vater und Mutter geehrt? Habe ich die weisen
Lehren meiner Lehrer befolgt? Habe ich als Israelitin in meiner Jugend
an meinen Schpfer gedacht und mit Wrme meinen Glauben umfat? O,
vergib sowohl mir, Allgtiger, als der Seele, die nun mit der meinigen
sich verbinden soll, jedes Vergehen und Versehen. Sieh auf uns in Gnade,
wenn wir nun einander vor deinem Antlitze im Geiste gegenseitig das
Gelbde der Treue geben, und la deinen Segen mit diesem Bunde sein.
Heilige unsere Liebe in der Liebe zu dir, da wir, indem wir dich
lieben, unsere gegenseitige Hingebung und Liebe nhren und strken.
Hre, o Gott, mein Gelbde, das ich hier ablege. In glcklichen, wie in
trben Tagen, will ich eine treue Gattin sein, die Geduld, Kraft und
Selbstverleugnung zeigt, die als echte Israelitin durch den Glauben an
dich stark ist, alles zu besiegen, auch sich selbst; stark ist, alles
fr den zu tragen und zu dulden, den ihre Seele auserkoren hat. Gib,
da wir, die von dieser Stunde ab mit einander wandern sollen, in
Sanftmut und Milde einander begegnen, und uns gegenseitig unsere
Schwchen in Liebe nachsehen! Ja, sei du mit uns, da wir einander zum
Heil und Segen werden, und da durch diesen unsern Bund dein Name
verherrlicht werde. Dazu hilfst du uns, o Gott.

Amen!




IV. In einer glcklichen Ehe.

(Jhrlich am Hochzeitstage.)


Unendliche Liebe! Allgtiger Gott! Was kann wohl mit dem Glcke
verglichen werden, das du mich hast finden lassen, indem du mir die
Glckseligkeit meiner Ehe zuteil werden lieest!--Wo fnde ich wohl ein
irdisches Gut, das hheren Wert htte, als das, welches du mir in meinem
teuren Gatten verliehen hast, mit dem ich des Lebens Freuden und Leiden
teile. Mit jedem Tage lerne ich mehr und mehr schtzen, was ich an ihm
besitze, als Ratgeber und Helfer; wie verste er mir sogar des Lebens
bittere Stunden, wie hielt er mich unter mancherlei Prfungen aufrecht!
O, mein Gott, jedes Jahr, das verfliet, knpft uns noch fester an
einander; in den freudigen, wie in den kummervollen Tagen bewahrheitet
es sich immer mehr an uns, da Liebe ein Paradies voll Segnungen ist,
die so schn, so friedlich und freudenvoll. Ja, ich fhle alle
Segnungen, die der Besitz eines treuen Gatten in sich schliet.
Alliebender, wodurch habe ich so viel Glck verdient? Und doch soll auch
dieses mich so beglckende Band einmal zerrissen werden, und dann wird
die Stunde der Rechenschaft kommen, da du mich fragen wirst, ob ich die
Zeit des Glcks auch dazu bentzt habe, selbst geheiligt zu werden und
die Seele zu heiligen, welche du mit mir vereinigt hast. Deshalb, o
Ewiger, bitte ich dich, indem ich dir fr all mein Glck danke, erhalte
in uns denselben liebevollen treuen Sinn, la uns die freundliche
Frsorge fr einander verdoppeln, wie unsere innerliche Ergebenheit
gegen einander, und gib mir Kraft, meinen teuren Ehegatten nicht nur zu
beglcken, sondern auch zu veredeln und zu heiligen, da wir, in
Frmmigkeit vereint, dereinst in den Wohnungen der Seligen mit einander
das Glck und den Frieden der Seligkeit genieen mgen. Wache ber uns,
da wir einander in Hoffnung und Treue unter den Sorgen des Lebens
strken mgen, und da wir in des Lebens frohen Tagen vor deinem
Angesichte wandeln. Halte deine schirmende Hand ber meinen geliebten
Ehegatten, und la mich ihm lange, lange noch Freude bereiten. Ewig
danke ich dir, du reicher Gott voll Gnaden und mein allmchtiger
Beschtzer.

Amen!




V. In einer kinderlosen Ehe.


Ewiger!Kinder sind ja deine Himmelsgabe und Leibesfrucht eine Segnung,
die von deiner Hand kommt![64] Wie sollte ich da nicht von ganzer Seele
wnschen, mit Kindern gesegnet zu werden, die meines Herzens Freude sein
und zu deiner Ehre erzogen werden sollten? O Herr! Wie der Vorzeit
fromme Vter und Mtter bitte ich dich, mir diesen Segen zu verleihen,
und mich noch Mutterfreuden genieen zu lassen. Aber wenn es in deinem
unwandelbaren Rat beschlossen ist, mir dieses Glck zu versagen, so
erflle mein Herz mit innerlicher Ergebung in deinen Willen und mit
vermehrter Liebe zu meinem Gatten, da ich darin zehnfltigen Ersatz
finde. Es sei ferne von mir, meinen Trost in dem Gedanken zu suchen,
welch' eine schwere Brde oft die Erziehung und die Versorgung der
Kinder ist, wie viel Kummer sie nicht selten verursachen,--dient doch
das gerade zu der Eltern Heil, o Herr! da diese erst aus der Mhe und
Sorge, die ihnen ihre Kinder machen, erkennen, welchen Dank sie ihren
Eltern schuldig sind.--In dieser meiner Sehnsucht nach Kindern will ich
einen vterlichen Wink erkennen, den du mir gibst, die mir verliehenen
irdischen Krfte und Besitztmer zum Wohle derer anzuwenden, die in
Bedrngnis sind. Ich will meinen Beistand der Kinderschar des Armen
zuwenden, ich will ihnen zur Erkenntnis der heiligen Lehre frderlich
sein, da sie zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht aufwachsen, ich
will den Verwaisten eine Mutter sein und reichen Beitrag spenden zum
Besten jeder Wohlttigkeit, wie zu deinem heiligen Hause. Ich will in
Frmmigkeit und Liebe wandeln, da ich dadurch vielleicht eine Seele zur
Tugend, zur Wahrheit und zum Glauben fhren kann, da sie geistig zu
meinem Kinde werden mge. Ach Herr! Strke mich in diesem Vorsatz und
gib mir Kraft, ihn auszufhren, da jene Worte, die du den Propheten
verkndigen lieest, einst wie himmlischer Gesang vor meinen Ohren
erschallen mgen:So spricht der Herr zu den Unfruchtbaren, welche meine
Sabbattage halten und whlen, was mir angenehm, und an meinem Bunde
festhalten,--diesen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern Hand
und Namen geben, was da besser ist, als Shne und Tchter; einen ewigen
Namen gebe ich ihm, der nicht ausgetilgt werden soll.[65] Ja, o Gott,
gib mir einen ewigen Namen im Buche des Lebens, und ich fhle mich
getrstet.

Amen!

[Funote 64: Psalm 127, 3.]

[Funote 65: Es. 56, 5-10.]




VI. In der Schwangerschaft.


Heiliger, allmchtiger Schpfer, allbarmherziger Vater im Himmel! Ich
danke dir fr die beseligende Hoffnung, mit der du mich begnadigt hast.
Wie glcklich hast du mich gemacht, indem du mir des Weibes hchste
Freude verliehest, die Gewiheit, da ich Mutter werden soll! Siehe,
schon hast du mir des Weibes hchste und heiligste Pflicht auferlegt,
mtterliche Frsorge fr den noch Ungeborenen zu hegen. O, was vermag
ich ohne dich! Erhre deshalb mein Gebet: La auch fr mich das Wort
gesprochen sein, welches du einst Israel verknden lieest: Gesegnet
sei die Frucht deines Leibes![66] Hte du meine Schritte, da das Kind,
welches ich unter meinem Herzen trage, jeder Gefahr entgehen mge;
beschirme mich um des Kindes willen, da nicht Schrecken noch Angst,
nicht Furcht noch Aufregung mir nahe. Strke mich darin, ber mich
selbst zu wachen, da nicht der Mutter Unvorsichtigkeit, trichter Genu
oder sndiger Wandel schon dem Ungeborenen schaden mge. Ja, je mehr ich
mir bewut bin, da selbst meine Gedanken und Gefhle auf den Sprling
hier unter meinem Herzen ihre Wirkung ausben, um so mehr bitte ich
dich, mir dazu helfen zu wollen, da ich mich selbst beherrschen
mge.--O Herr! Durch Frmmigkeit will ich diese Tage heiligen, bis ich
sie berstanden habe, durch Gebet und fromme Werke will ich meine Seele
erheben und reinigen, und treulich will ich deine Wege wandeln.--Schenke
du mir nun einen ruhigen Sinn, unerschtterlich im Vertrauen auf deine
unendliche Vatergte, da ich frhlichen, getrosten Mutes und guter
Hoffnung der Stunde der Entscheidung entgegen gehe, in dem
zuversichtlichen Glauben, da߻den, der sich auf dich verlt, deine
Gnade umgeben soll.[67]

Amen!

[Funote 66: 5. Mos. 28, 3.]




VII. Vor der Niederkunft.


Lieber Gott, du Gott der Gnade! Siehe, die Zeit nhert sich, da ich
gebren soll, und ich wei, da du in deiner Weisheit meinem Geschlecht
bestimmt hast, da wir in Schmerzen gebren sollen; o, willig unterwerfe
ich mich deinem Vaterwillen; doch bitte ich: Vergilt' mir nicht nach
meinen Snden, sondern la dein Erbarmen ber mich wachen; strke mich,
da ich in Kraft gebren mge, sei mir nahe mit deiner Hilfe, da mein
Herz bald froh werde, wenn ich den Neugeborenen gesund und frisch
erblicke. La mich deine freundliche Stimme hren, die mir zuruft:
frchte dich nicht, denn ich bin mit dir; bebe nicht, denn ich bin dein
Gott; ich strke dich, ich helfe dir und sttze dich mit meiner Rechten,
ich selbst erlse dich![68] Ja, Ewiger, du bist meine Sttze, meine
feste Burg, meine Zuflucht in der Not, zu dir will ich mit Andacht
aufschauen, da du mir Kraft gebest, die Schmerzen der Geburt zu
ertragen, du, meine ganze Hoffnung.

Amen!

[Funote 67: Ps. 32, 10.]

[Funote 68: Jes. 41, 10. 43, 1.]




VIII. Nach der Niederkunft.


La den schwachen Dank der Beglckten zu deinem Thron aufsteigen, du
Beschtzer meines Lebens, mein geliebter Vater im Himmel! da du mich
erhrt und dein starker Arm mich untersttzt hat.Von meinem ganzen
Herzen will ich dir danken und alle deine Wunder verknden, ja ich will
froh sein und mich freuen in dir, und deinen Namen will ich lobsingen,
dem Namen des Allerhchsten. Amen!




IX. Bei der Beschneidung.


Sieben Schpfungstage sind nun glcklich ber dem Leben meines
neugeborenen Knaben verronnen, und heute am achten soll es nach deinem
unverbrchlichen Gesetz, o du Allheiliger, der du deinen Bund und dein
Erbarmen denen bewahrst, die dich lieben und deine Gebote halten, vor
dich gebracht werden und das Siegel der Gnade durch die Beschneidung
erhalten; heute soll er in den ewigen Gnadenbund aufgenommen werden, den
du mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hast, da sie zum Segen
werden sollen fr alle Geschlechter der Erde und das himmlische Reich
erwerben.--O, nimm dieses mein Kind gndig an, da es treu dem Bunde
leben mge, la den geringen und rasch verschwundenen Schmerz, den es
erleiden soll, eine Erinnerung und ein Zeichen sein, da das Hohe und
Ewige nur durch Mhe und Schmerzen erreicht werden kann, da der Mensch
sich das Himmelreich nur erringen kann, indem er gegen die Lust des
Fleisches streitet, und da ein treuer Israelit bereit sein soll, mit
Leben und Blut fr seinen Glauben zu kmpfen, da er deinen Namen
heilige. Beschtze mein Kind von dieser Stunde an, da es wohl gedeihen
und krftig wachsen mge, fr das Zeitliche, wie fr das Ewige gesegnet,
dir zur Ehre und mir und meinem Gatten zur Freude.

Amen!




X. Eine Wchnerin beim ersten Gang ins Gotteshaus.


Gehet ein zu Gottes Tor mit Danksagungen und in seinen Vorhof mit
Lobsingen! Dankt ihm und preiset seinen Namen! So ermahnt mich eine
heilige Stimme, und es ist ja nur durch deine vterliche Gte, o Gott,
da ich heute wieder deinem Hause nahen kann. Hast du selbst ja geboten,
da jede glckliche Wchnerin, nachdem sie ihre Gesundheit
wiedergewonnen hat, deinem Altar mit Dank und Shnopfer,[69] mit Gebet
und frommen Gelbden sich nahen soll. Und wie sehr mu ich dir nicht
danken, nicht nur fr deine Gabe, fr das Kind, das du mir geschenkt
hast, sondern auch fr deine Hilfe und deinen Beistand, fr die Kraft,
die du mir verliehen hast, alle Schmerzen zu ertragen, fr deinen Schutz
in der Stunde der Gefahr und fr meine Genesung, da ich wieder vor dein
Angesicht treten kann und mit meinem Gatten dir meinen Dank zu bringen
im Stande bin. O, womit habe ich doch so viel Gnade verdient! ach, hab'
ich mich denn nicht oft und schwer gegen dich versndigt, bin ich nicht
manches Mal verzagt und schwach in meinem Vertrauen auf dich gewesen;
wie oft versumte ich nicht meine Pflicht, die du mir auferlegt hast? O
Herr, vergib mir und halte mich auch fernerhin in deiner vterlichen
Gnade. La mich mein Kind deinem Schutze anbefehlen (bei einem Mdchen
fge man hier hinzu: und wie es heute vor dir in deinem Hause genannt
wird, so zeichne du es in das Buch des Lebens ein, da seines Namens
Unvergnglichkeit zu wahrem Schmuck und wahrer Ehre ihm gereiche); wache
du ber das Neugeborene, strke du mich, an ihm die Mutterpflicht
vollkommen zu erfllen. Ja, mit mtterlicher Sorge will ich mein Kind
pflegen und ihm meine ganze Obhut widmen, und gerne selbst Entbehrung
auf mich nehmen zu seinem Wohlergehen. Segne, o Herr, auch das Streben
meines Gatten, den Lebensunterhalt uns zu erwerben, und sobald die
Schwingen des Geistes sich bei dem Sugling zu entfalten beginnen, so
soll es unsere grte Sorge sein, ihn zum Guten zu lenken und ihn mit
Abscheu gegen alles zu erfllen, was bse ist, da es bei Zeiten deinen
Namen kennen lerne und in Gottesfurcht und Tugend aufwachse. Ewiger, dir
will ich angehren; o, la deinen Segen von deinem Hause zu meinem Herd
mir folgen, und la meinen huslichen Kreis frh und spt von herzlichem
Dank widerhallen fr all das Glck, welches du mir zuerteilt hast.

Amen!

[Funote 69: 3. Mos. 12.]




XI. Beim ersten Gang ins Gotteshaus nach der Geburt eines totgeborenen
Kindes.


Blicke gndig herab, o, du allweiser und gerechter Schpfer, auf deine
Dienerin, die sich dir in Demut und Anbetung naht, um dir zu danken,
weil du ihr das Leben erhalten, und ihr Strke verliehen hast, da sie
wieder in die Versammlung der Glubigen hat kommen knnen, um deinen
Namen zu preisen. Ist mein Herz auch noch betrbt darber, da das Kind,
welches ich zur Welt brachte, nicht des Lebens Tag gesehen hat, und
meine so lange gehegte Hoffnung sich nicht erfllte, so wei ich doch,
da eine Israelitin deinen Namen lobt, magst du nur geben oder
nehmen.[70] O, hre mich, Allerbarmer! Wenn ich durch eigene
Unvorsichtigkeit es bewirkt habe, da mein Kind hienieden nicht das
Licht der Welt sehen sollte, o, so bedenke meine Schwche und vergib
mir; rechne mir es nicht als Snde an, sondern schone meiner um deiner
groen Barmherzigkeit willen. Aber war es in deiner unwandelbaren
Weisheit so beschlossen, da ich die Mutterfreuden ahnen, aber nicht
genieen sollte, o, so lehre mich, mein Los in Geduld tragen, und fle
mir den Trost ein, da dieses Kind in der Stunde, wo es zur Welt kommen
sollte, bereits bestimmt war zu einem seligeren Zustand einzugehen, ohne
den Kampf der Welt bestehen zu mssen, ohne ihre Sorge und Qual kennen
zu lernen, und da es dereinst in der Ewigkeit mir die Schmerzen
erstatten soll, mit denen ich es getragen und geboren habe, ohne durch
sein Leben beglckt zu werden. O Allgtiger, la mit meines Herzens Dank
meine Bitte um reichen Segen vereinen, la die Freude wieder in meiner
Seele erwachen, und la mich Freude und Glck ber meinen teuren Gatten
ausbreiten.

Amen!

[Funote 70: Ijob. 1, 21.]




XII. Eine Ehegattin.


Allgtiger! du, dessen Antlitz in Gnade ber alle leuchtet, die dich
frchten, o, blicke in Gnaden herab auf mich, da ich in dem Lichte
deines Angesichtes wandeln und von dir beschirmt werden mge.

O! breite die Schwingen deiner Barmherzigkeit ber meinen Gatten und
meine Kinder aus. Sei mit ihm, den mein Herz liebt auf allen seinen
Wegen, behte ihn vor Krankheit, Schmerz und Kummer, erhalte ihm die
Lust und Liebe zu seinem Geschfte, und la keine Sorgen ihm sein Leben
verbittern. Lehre mich, stndig an dem Vorsatz festzuhalten, ihm ein
freundliches Heim zu bereiten, so da er am liebsten bei mir an unserm
gemeinschaftlichen Herd verweile, und huslicher Friede und Freude ihm
von demselben entgegenstrahlen mge, und da unser schnster Genu der
sei, mit unsern Kindern in freundlicher und milder Vertraulichkeit bei
einander zu sitzen.

La uns niemals die hohen und heiligen Pflichten vergessen, welche wir
gegen die Kinder zu erfllen haben, mit denen du uns gesegnet hast. O,
la uns nicht nur fr ihre leibliche Wohlfahrt Sorge tragen, sondern in
und durch unsere Gebete ihren Seelenfrieden deiner Obhut anbefehlen.
Ach, lieber Vater im Himmel! das ist doch der Eltern heiligstes, aber
auch zugleich schwerstes Wirken in der Brust ihrer Kinder die
Gottesfurcht zu wecken und des Glaubens reine Flamme anzufachen, zu
hten und zu nhren. So hilf uns denn, da wir uns fern von trichter
Weichlichkeit halten, und da wir mit Freundlichkeit und liebevollem
Ernst ihnen die ntigen Ermahnungen und Erinnerungen geben, da wir
eintrchtig einander bei dieser Arbeit in deinem Dienste uns zur Seite
stehen mgen! Mit Trnen befehle ich dir meine Kinder, da keines von
ihnen miraten mge, und mein Herz durch Snde wider dich verwunde!
Bewahre sie vor schlechten Freunden, und la Vater und Mutter ihnen eine
Leuchte sein, die ihnen auf ihren Wegen leuchte, da sie nicht fallen;
aber wenn sie im Gewirr des Lebens verfhrt werden, ach, so la du die
Erinnerung an uns sie wieder zurck auf deinen Weg fhren! Herr, setze
du eine Schutzwehr um unser Haus, da es von keiner Schlechtigkeit
befleckt werde. La deinen Namen ber unsere Wohnung genannt sein zum
Leben und zur Seligkeit.

Amen!




XIII. Eine Tochter fr die Eltern.


Unsichtbarer, alliebender Gott! Wie soll ich dir danken fr die
unendliche Liebe, die du mir bewiesen hast und mir noch jeden Augenblick
erweist, und deren Strahlen sich in der Freundlichkeit und Liebe
abspiegeln, womit mich die umfangen, welche mir das Leben gegeben haben.
Ach ja, mein geliebter Vater, meine teure Mutter sind mir wie zwei
Engel, denen du befohlen hast, da sie mich hten sollen auf dem Wege,
da sie mich auf ihren Armen tragen und alle meine Schritte bewahren
sollen, die sowohl fr mein zeitliches, wie fr mein geistiges Wohl
Sorge tragen. Welche Segnung hast du nicht durch sie ber mich
ausgebreitet, wo gibt es wohl Eltern, die mit grerer Obhut fr ihre
Kinder sorgen knnten? Versagen sie sich nicht alles, um mir nur Freude
und Glck zu bereiten? O mein Gott! indem ich dafr meines Herzens
wrmsten Dank emporsende, bitte ich dich zugleich: Belohne du sie fr
alles mit deinem reichsten Segen. Verleihe ihnen viele und lange
Lebenstage, da sie noch lange meines Lebens Schmuck und Ehre seien;
bewahre ihnen die Gesundheit und bereite ihnen eine Flle der Freude.
La sie in der Liebe und in der Hingebung ihrer Shne und Tchter Ersatz
fr alle Bekmmernisse eines Vaters und einer Mutter finden, Ersatz fr
jeden mhevollen Tag und jede schlaflose Nacht, die wir ihnen bereitet
haben. O, mchte es auch in mein Los fallen, ihnen Freude zu bereiten!
Strke mich, auf einen jeden Wink ihrer Hand acht zu geben, in Liebe und
Gehorsam auf ihre Warnungen und Ermahnungen zu hren, und nach meinem
ganzen Vermgen ihnen Freude zu bereiten. Erleichtere ihnen jede Brde,
und gib, da sie selbst in ihrem hohen Alter, glcklich im Schutz der
Liebe ihrer Kinder und Kindeskinder lebend, dir fr deine gnadenreiche
Fhrung bei vollen Geisteskrften danken mgen.

Amen!




XIV. Im Witwenstande.


Allerbarmer, du, der du gerecht bist in allen deinen Wegen und
barmherzig in allen deinen Handlungen, blicke in Gnaden auf eine tief
betrbte Seele herab, die ihre Zuflucht zu dir nimmt. Jetzt stehe ich,
verlassen von dem, der meine Sttze, mein Trost und mein Ratgeber war;
jetzt mu ich alle Brden des Lebens allein tragen und den vermissen,
der mich durch sein ermunterndes Wort strken konnte, mich in der Hitze
des Tages erquickte und, wenn das Dunkel der Nacht meinen Geist
erschreckte, mir Licht verbreitete;--ach, meines Herzens Angst ist gro,
und es wird mir schwer, kindliche Ergebung in deinen Willen zu zeigen.
O, so errette du mich selbst aus meiner Not, lege den beseligenden Trost
deines Wortes in meine Seele und zeige dich mir als den rechten Helfer.
Sieh, hier bin ich mit den Kindern, die du mir gegeben hast, o, la mich
in Gnaden erfahren, da du in Wahrheit der Witwen Verteidiger und
Beschtzer und der Verwaisten Vater bist! Strke mich, da ich unter den
doppelten Verpflichtungen nicht erliege, die auf mir ruhen, sondern da
ich vielmehr mit Geduld in fester Hoffnung und lebendigem Glauben fr
dein Haus sorge, im Vertrauen darauf, da die, so mit Trnen sen,
dereinst mit Freuden ernten sollen. Erbarme dich meiner Kinder; hilf und
rette, beschtze und segne uns. Ja, o Ewiger, sei du meine Strke,
meine Burg und mein Fels, auf dich hoffe ich und mir ist geholfen. Amen!




XV. Eine Waise.


Ewiger, gerechter Gott! hart ist die Prfung, die du mir auferlegt hast,
ich bin elend und verlassen; denn meinen Vater, den du mir zum treuen
Fhrer und Versorger gabst und meine Mutter, deren Obhut und Liebe mich
zu dir leiten sollte, ich sehe sie nicht mehr!--Ach, wo soll ich denn
jetzt hingehen, wo Trost und Rat suchen? O, wie sehr habe ich mich nicht
versndigt, da ich das Glck, einen lieben Vater, eine liebe Mutter zu
besitzen, nicht hinreichend zu wrdigen wute, und da ich nicht dankbar
genug war fr alles, was du mir in ihnen gegeben hast. Ach, wie einsam
und niedergeschlagen fhle ich mich jetzt! O, du selbst, Allgtiger!
ffne du mir den Schatz deines Trostes! Noch hast du ja niemals eine
Seele verlassen, welche dich nicht verlie, sondern du halfst dem
Elenden, der dich um deinen Beistand bat, und auch mir wirst du helfen.
Du verkndigst mir in deinem Worte, da, wenn auch Vater und Mutter
mich verlassen haben, so willst du dich, mein ewiger Gott und Vater,
doch meiner annehmen. Leite mich denn und fhre mich; la im Geiste mich
stets umschwebt fhlen von jenen geliebten und verklrten Seelen, und
la mich durch einen gottesfrchtigen Wandel ihr Andenken ehren und
ihnen so den schuldigen Dank darbringen. Sei du nun selbst mein Vater,
der mich auf den Armen seiner Liebe trgt und mir den Bedarf des Lebens
spendet. O gib, da die Menschen, die sich freundlich an Stelle meiner
Eltern meiner annehmen, auch Sorge tragen fr das Wohl meiner Seele,
und vergilt du ihnen all das Gute, welches sie in deinem Namen mir
erweisen. Wohne du in meinem Herzen, und lenke meinen Weg so, da ich
mit Recht mich dein Kind nennen kann, mein himmlischer Vater, das
Wohlgefallen vor dir und in den Augen der Menschen findet. Erhre mein
und aller Waisen Gebet; o gnadenreicher Gott, du ewiger Helfer.

Amen!




XVI. Im Alter.


Treuer, ewig lebendiger Gott, der den Mden Kraft verleiht und dem
Ohnmchtigen groe Strke, du, der versprochen hat, bis zum Alter mit
uns zu sein, o, du hast gndig diese Zusage fr mich gehalten, und ich
bringe dir meinen Dank, da du mich von meiner Jugend an geleitet und
mich mit Barmherzigkeit und Gnade umgeben hast, bis ich alt geworden
bin.--O, verla mich denn nun auch jetzt nicht, da ich fhle, da meine
Krfte schwinden und meine Sinne stumpf werden.Erinnere dich der Snden
und bertretungen meiner Jugend nicht, aber gedenke meiner nach deinem
Erbarmen um deiner Liebe willen.[71] Verleihe mir Kraft, die Brden des
Alters mit Geduld zu tragen, und la mich durch fromme Ergebung fr
alle, die um mich her wohnen, eine lebendige Ermahnung sein. Und je
schwcher meines Leibes Augen werden, um so mehr la mich den Blick nach
Innen wenden, da ich mein Inneres lutere und in den Gedanken an dich
Ruhe gewinne. Ja, la es mir in den paar Tagen, die mir noch zugemessen
sind, glcken, dem jngeren Geschlecht ein gutes Beispiel zu geben, da
die Worte, welche ich rede, zur Verherrlichung deines Namens dienen
mgen, und die Handlungen, welche ich vollbringe, ein Zeugnis seien der
Reinheit und Treue meines Glaubens und der Liebe in meinem Herzen. Und
strke so mich in des Lebens letztem Streit, da ich dann deutlich den
Ruf deiner Liebe vernehme:Frchte nichts, denn ich erlse dich; ich
rufe dich bei deinem Namen, denn du bist mein, und da ich noch mit
meinem letzten Atemzug deinen Namen bekennen und preisen mge.

Amen!

[Funote 71: Ps. 25, 7.]




XVII. Bei der Fortreise von der Heimat.


Allgtiger Gott, der du unsere Schritte lenkst und einem jeden Menschen
seinen Weg bahnst, la mich in deinem Namen diese Reise antreten und
beendigen. Sei du in deiner Gnade mein Begleiter, da ich sicher wandern
und Ziel und Zweck erreichen mge. Beschtze mich auf meinem Wege, da
mich kein Unheil treffe, entferne jede Gefahr von mir, jedes Hindernis,
da ich meine Reise gesund und rasch zurcklege, da ich ungestrt
ausziehen und in Frieden wieder heimkehren knne. Aber whrend ich in
der Ferne bin, nimm du meine Lieben (meinen Vater, Mutter, meinen Mann,
meine Kinder usw.) in deinen Schutz, da ich sie in Freuden wieder
umarmen kann, wenn ich zurckgekehrt bin. Deine Rechte leite mich, wo
ich auch gehe, und dein Gotteswort sei mir ein leuchtender Stern auf
meinem Pfade. Es preise dich mein Mund und stimme froh an als
Wanderlied:Gottes Name ist eine feste Burg, in ihm pilgert der Fromme
und ist geschtzt.[72]

Amen!

[Funote 72: Spr. Sal. 18, 10.]




XVIII. Fr einen Abwesenden, der auf der Reise ist.


Lieber Gott! Mit Vertrauen wende ich mich an dich, um dich um deinen
Schutz fr den zu bitten, mit dem meine Seele so fest verbunden ist, fr
meinen teuren Gatten (meinen Vater usw.), der so fern von seiner Heimat
ist. Wie meine Gedanken bei ihm verweilen, so wache du ber ihn auf
allen seinen Wegen; wenn er reist und wenn er sich ausruht, so sei du
sein Beschtzer und sein Schirmer, schtze ihn vor des Tages Hitze und
den Gefahren der Nacht, halte jedes bel fern von ihm und la all sein
Vorhaben gelingen. Fhre du, von dem allein alle Hilfe und aller Segen
kommt, ihn glcklich zurck, und wir wollen dich einmtig preisen und
dir danken, du Gott der Barmherzigkeit, mein Schild, auf den ich mich
verlasse.

Amen!




XIX. Wenn ein Kind auf Reisen ist, fge man hinzu:


Ewiger, du, vor dessen Angesicht meine Vter gewandelt sind, du, der du
bis auf diesen Tag mein Hter gewesen bist, segne du mein Kind auf
seinem Wege und la deinen Engel ihn (sie) leiten, da er (sie)
Wohlgefallen vor deinen und der Menschen Augen finden mge. Fhre ihn
(sie) sicher und ruhig, wo er (sie) vielleicht einen gefhrlichen Weg
wandelt, la ihn (sie) an Kenntnis, Einsicht und ntzlicher Erfahrung
wachsen, da sein (ihr) Werk gesegnet werde. Lenke seinen (ihren) Fu
auf den Pfad der Frommen, wo Leben und Wahrheit ist, da er (sie) nicht
auf den Weg des Unrechts gerate, und da er (sie) den Versuchungen und
Verfhrungen entgehe, die seine (ihre) Tugend und seinen (ihren)
Glauben bedrohen. La seinen (ihren) Gedanken oft die Erinnerungen und
Ermahnungen vorschweben, die ich ihm (ihr) gegeben habe, lenke oft seine
(ihre) Schritte in dein Haus, da er (sie) in der Versammlung der
Gemeinde dich anbete und das Bekenntnis seines (ihres) Glaubens
erneuere, da meine Seele dereinst, sei es hier auf Erden oder dort in
der Ewigkeit, Freude an ihm (ihr) habe.Auf dich, o Gott, setze ich alle
meine Hoffnung, du wirst mich erhren. Amen!




XX. Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst.

(Heimlicher Kummer, Verfolgung, Verleumdung, Untreue der Freunde und
Anfechtungen.)


1. O, Gott der Liebe, der du so oft meine Gebete erhrt hast, verstoe
mich nicht von deinem Angesichte, wenn ich in heimlicher Bekmmernis und
Betrbnis mich zu dir wende. Du allein kennst meine Sorge; du kennst die
Angst, die mich erdrcken will, und du weit, was es ist, das mich
qult. Du weit, unter welcher Brde mein Herz seufzt, und du bist Zeuge
meiner Trnen, die ich heimlich weine; denn du bist es ja, der selber
mir diese Prfung geschickt hat. O du, mein Gott, auf den ich von Jugend
an meine Sorge geworfen habe, sei du dann auch mein Trost und hilf mir.
Sei mir nicht ferne, sondern komm und stehe mir bei, o Herr, mein
Helfer, da ich dir danken mge, wenn die Betrbnis von meiner leidenden
Seele wieder gewichen ist.

Amen!

2.Wie lange, Herr, willst du mich so ganz vergessen? Wie lange willst
du dein Angesicht vor mir verbergen? Wie lange soll ich in meiner Seele
sorgen und tgliche Trauer in meinem Herzen fhlen?[73] Vergebens
wende ich mich zur Rechten und vergebens zur Linken; ach Herr, mein
Gott, die Menschen sind nur schlechte Trster, die fassen meinen Schmerz
nicht und wollen meine Klagen nicht hren, ja, selbst die, auf deren
Freundschaft ich rechnete, sind mir untreu geworden, und ihre Gunst und
Hingebung war nur auf flchtigem Sand gebaut. O du, der du ewig derselbe
bist, mein Herz bringt vor dich dein eigen Wort.Suche mein
Angesicht! Nun suche ich dein Angesicht, Herr, und du hast ja gelobt,
da du den nicht verlassen willst, der dir vertraut, und da du deine
Hand nicht von ihm ziehen willst; o, so la mich deine vterliche Liebe
zu mir auch in der Zchtigung erkennen, und ich will schweigen und
meinen Mund nicht auftun, denn du bist es ja, der es getan hat.[74]
Ja ich will stille sein und auf dich hoffen und dadurch wahre Strke
gewinnen.[75] O, so zeige mir deine Gnade wieder; sprich zu mir:Ich
bin bei dir in der Not; frchte dich nicht, zage nicht, denn ich bin
dein Gott, ich strke und erhalte dich. Amen!

[Funote 73: Ps. 13, 1-2.]

[Funote 74: Ps. 27, 8.]

[Funote 75: Ps. 39, 9.]

3. Ewiger,[76] du bist mein Licht und meine Seligkeit, vor wem sollte
ich mich da frchten? Du bist meines Lebens Kraft, o Herr, vor wem
sollte mir wohl grauen? La nur meine Feinde sich wider mich erheben und
wider meine Seele strmen; denn sie werden strzen. Wenn auch rings um
mich her Heere lagern, so soll mein Herz doch nicht verzagen; denn du
birgst mich in deiner Htte in der schlimmen Zeit, und du ffnest deine
feste Burg mir als Zufluchtssttte, da ich ruhig und sicher leben kann
trotz aller Gefahr. Bse Zungen erheben sich wider mich und suchen mit
ihren giftigen Pfeilen mich zu treffen; aber du, o Gott, bist mein
Schild, so da ich frei mein Haupt erheben kann, und du willst mich zu
Ehren bringen. O, so la mich denn deine Gnade im Land der Lebenden
erfahren; la mich ruhig meinen Weg wandeln und erflle meine Seele mit
Geduld, da ich auf dich vertraue, da ich nicht verzage, und da auch
dieses Ungemach meinem Geist zum Frommen und zur Rettung diene.La
jedes unfreundliche Urteil, das ber mich gefllt wird, jede Verkennung,
die mich trifft, eine ernstliche Erinnerung daran sein, da ich einst
zur Rechenschaft gefordert werden soll, so da ich Selbstprfung ber
meinen Sinn und meinen Wandel anstelle; la mich einen Beweis darin
sehen, da ich Wohlgefallen vor deinen Augen gefunden habe, und strke
mich so in der sicheren Hoffnung, da du mich hier auf Erden erhltst
und mich einst zu ewiger Seligkeit bei dir erheben wirst.[77]

Amen!

[Funote 76: Nach Ps. 27.]

[Funote 77: Ps. 41, 12-13.]

4. Trbe Gedanken umdunkeln meine Seele, und Angst und Verwirrung
berkommen mich. Ach Herr, was hab' ich doch getan, da ich keinen
Frieden finden kann? Es ist, als wenn am Tage bse Geister mich bei
allen meinen Handlungen verfolgten und als ob sie bei Nacht mein stilles
Lager umschwebten und sich eindrngten, wenn ich meine Seele zu dir
erheben will. Vergebens kmpfe ich, alle die bsen und schrecklichen
Vorstellungen zu verjagen, aber es gibt nichts, das mich erretten
kann.O, so erhre du mein Flehen, und la mein banges Seufzen nicht
unerhrt von dir zurckkehren, du, Allmchtiger, denn du allein nur
kannst alle meine Plagen enden. O, sei mir nicht ferne, sondern gib mir
durch deinen Geist Kraft, diesen finstern und bsen Gedanken zu
widerstehen. Auf dich setze ich meine ganze Hoffnung, ach, la sie nicht
zu schanden werden, sondern la das Licht deines Angesichtes mir
leuchten, wenn die bsen Stunden kommen, da ich mich von deiner
Vaterliebe umgeben fhle und errettet werde.

Amen!




XXI. Gebete in Krankheit.



Eine Kranke.


1. Ewiger, der du lauter Erbarmen und Wahrheit bist, gar vielfach sind
die Wege, auf denen du den Menschen zu dir ziehst, wenn wir nur wten,
uns ihrer mit Nutzen zu bedienen. Lange hast du in deiner Gte mir
gesunde Tage geschenkt; ach, vielleicht habe ich dir nicht genugsam
dafr gedankt; vielleicht habe ich die Krfte meines Krpers nicht
gebraucht, wie ich sollte, und habe nicht geachtet der Seufzer und
Klagen der Leidenden, da ich ihnen zur Hilfe eilte und ihre Not
linderte; vielleicht achtete ich die eitlen Gter zu hoch;--siehe, da
fhrst du mich jetzt andere Wege. Krankheit hat meinen Leib ergriffen
und in Schmerzen liege ich danieder auf meinem Lager und wlze mich hin
und her in der schlaflosen Nacht und finde am Tage keine Ruhe. Du, der
du nur das Gute willst, hast mich vielleicht von Krankheit heimsuchen
lassen, damit ich, der in den Zerstreuungen der Welt sich verlor, mein
eigenes Herz lutere und prfe und auf des Schmerzes hartem Lager lernen
sollte, dich zu suchen. Siehe des Fiebers Glut, die mich verzehrt, soll
mich vielleicht an meine Lauheit und Klte in deinem Dienste erinnern,
in dem Beruf, den ich erfllen sollte, in der Anbetung deines Namens,
und der brennende Durst meiner Zunge an die Versumnis, die ich mir zu
schulden kommen lie, da ich nicht tglich den Labetrunk aus der
reichen Quelle deines Wortes schpfte. Der eiskalte Schauer, der mich
schttelt, soll vielleicht die glhende Leidenschaft strafen, mit der
ich die Befriedigung meiner Fleischeslust suchte, und diese Schwche und
Ohnmacht soll meine Hrte gegen die Schwachen und Bedrngten strafen,
denen ich keine hilfreiche Hand reichte; mein Bedrfnis nach der Pflege
und den Beistand anderer soll meine Seele mit Scham ber all mein
trichtes Selbstvertrauen und meinen eitlen Stolz erfllen, mit denen
ich geringschtzend auf andere herabsah. O Herr, ich unterwerfe mich mit
Ergebung deinem Willen und bitte nur: Gehe nicht hart mit mir ins
Gericht, sondern la mich deine Gnade erfahren. Habe ich mich
versndigt, und ich verdiene deine Zchtigung, o, so erbarme dich ber
mich, wie ein Vater, der sein Kind zchtigt; fle mir den Trost
ein, da der Herr mich wohl zchtigt, aber mich nicht dem Tode
berliefert.[78] Mache du selbst, o mein Vater, mein Krankenlager zu
einer Schule der Weisheit fr mich und la durch die Leiden meines
Leibes meine Seele genesen. Herr, ich werfe mich in deine Arme, strke
mich, lehre mich mein Inneres lutern und mich mit meinem ganzen Herzen
zu dir zu wenden; schenke sowohl mir Geduld in den Stunden der
Schmerzen, als auch denen, die mich freundlich pflegen;vergib mir alle
meine Snden, und la mich deine Gnade wieder schauen, die so gro ist
ber den Staubgeborenen, und ein Wandel, der dir gefllt, soll Zeugnis
davon sein, da die Krankheit mich auf den rechten Weg zurckgefhrt
hat, wie er in den Tagen der Gesundheit von denen betreten werden soll,
die dich suchen und lieben. Amen!

[Funote 78: Ps. 118, 18.]




Besonders in bedenklicher Krankheit.


2. Alliebender, ewiger Vater, du, der alle Snden vergibt und alle
Krankheiten heilt,[79] auf mein Krankenlager niedergestreckt, sende ich
meine Gebete hinauf zu dir, o, sende mir Linderung und stehe mir bei in
der Stunde der Gefahr! Du, der kein Wohlgefallen an dem Tod des Snders
findet, sondern darin, da er auf seinem Wege umkehre und lebe, o, la
es dein Wille sein, mir die Gaben der Gesundheit wieder zu geben, da
ich noch in dem Lande der Lebenden wirken mge. Ach, ich bitte dich
nicht wegen meiner, nein, vielmehr um derer willen, die so innig an mir
hngen, und deren Herzen bluten wrden, wenn du mich abriefest. (Ich
bitte dich um meines geliebten Gatten willen, um meiner unmndigen
Kinder willen, ich bitte dich um meiner alten Eltern willen, um der
heiligen Pflichten willen, die ich zu vollfhren habe, errette mich!)
Ich wei, da die Menschen nichts vermgen, und da alle irdische Kunst
und Wissenschaft nichts ntzt, wenn du nicht, o himmlischer Arzt, die
Genesung von oben sendest. Ach, so la es dir denn gefallen, mich zu
retten; o, sei mir gndig und heile meine Seele; denn ich habe wider
dich gesndigt![80] Sollen meine Leiden noch lange whren, so sei du mir
nahe mit deinem Geiste, la ihn am Tage ber mich schweben und mir
Strkung und Khlung zufcheln und la ihn in der Nacht um mich sein,
da fromme Gedanken mir die Stunden der Dunkelheit verkrzen, und die
Schmerzen durch die Gewiheit, da sie die Mittel meiner Seelenrettung
seien, gelindert werden. Aber sollte es der Wille deiner
unerforschlichen Weisheit sein, mich abzurufen, o, so erflle meine
Seele mit Gedanken der Ewigkeit und strke mich in meinem letzten Kampf
durch die Gewiheit des Trostes, da du mein Leben an dem Grabe erlsen
und mich mit Gnade und Barmherzigkeit[81] krnen willst, da du, der du
alles versorgst, was da lebt, in deiner Frsorge dich der Meinen
annehmen und sie in den Schutz deiner Fittige nehmen mgest. Herr tue
mit mir nach deinem Willen!Heile mich und ich bin geheilt, hilf mir und
mir ist geholfen, denn du bist mein Hort.[82] Du wirst mich erlsen,
Herr, du treuer Gott.

Amen!

[Funote 79: Ps. 103, 3.]

[Funote 80: Ps. 41, 5.]

[Funote 81: Ps. 103, 4.]

[Funote 82: Jer. 17, 14.]




Bei derselben Veranlassung in Bibelversen.


3. Aus der Tiefe ruf ich zu dir, o Herr, neige dein Ohr meinem Rufe, du
Ewiger, hre meine Klage und mein Flehen. Schwer ruht deine Hand auf
mir, und meine Schmerzen suchen mich heim alle Zeit; von Angst und
Seufzer wird mein Fleisch verzehrt. Am Tage verschmachte ich, und viele
leidenvolle Nchte fallen in mein Los; o Allerbarmer, sieh meinen Jammer
und mein Elend. Wie Mutterlose, niedergeschlagen und verlassen, stehen
meine Kinder um mein Lager, und ich sehe Trnen die Wangen meines Gatten
netzen, wie sehr er es auch vor mir verbirgt. Ach Herr, warum so lange?
Am Tage rufe ich zu dir, aber ich bekomme keine Antwort und in der Nacht
hre ich nicht auf zu flehen. Wie ein Sklave, der nach Schatten seufzt
und wie ein Taglhner, der sich nach der Ruhe des Abends sehnt, habe ich
Monate (Wochen) in Kampf und Schmerzen zugebracht. O Herr, lindre meine
Not und mein Leiden! Sollte keine Heilkraft in Gilead sein, du ewiger
Arzt, da ich errettet wrde? Ja, gewi, wer auf dich hofft, ist nicht
verlassen! Du wirst in deiner Gte mich sttzen und alle meine Krankheit
heben. Du hast mich ja so oft groe Bedrngnis, Angst und Not schauen
lassen und mich doch aufs neue belebt und mich aus dem Abgrund der Erde
emporgezogen. Ja, ich sagte in meiner Qual: Ich bin vor deinen Augen
verstoen; aber du hrtest meine verborgene Stimme, da ich zu dir rief,
und du trstetest mich wieder. Und wenn auch noch mehr Weinen uns
bevorsteht, so werden ich und die Meinen am Ende doch deine Hilfe
erfahren, und die mit Trnen sen, werden mit Freuden ernten. Ja, du
wirst mich von aller Sorge befreien, unter den Frommen hienieden oder
bei den Verklrten dort; ja, ich soll deine Taten verknden!

Amen!




Vor einer gefhrlichen Operation.


4. Mein Gott, meine Strke und meine Hoffnung!Du, in dessen Hand die
Seelen aller Lebenden und der Geist ist, der das Fleisch eines jeden
Menschen belebt,  du hast mir heute eine Stunde gesandt, voller
Schmerzen und Gefahr, in der versucht werden soll, mir meine Gesundheit
zurck zu gewinnen, (in der ich ein Glied meines Krpers verlieren soll,
um wo mglich mir dadurch das Leben zu erhalten), o, sei mir denn mit
deiner Liebe in diesen Augenblicken nahe. Strke meinen Mut und lehre
mich den schwersten Schmerz in dem Gedanken ertragen, da du es bist,
der sowohl Wunden schlgt als auch sie verbindet, da deine Weisheit es
also beschlossen hat und es deshalb zu meinem Heile dienen soll. Ach,
da du mich deines Beistandes und Trostes in diesem Kampfe wrdig
hieltest! Vergib mir, o, vergib mir alle meine Snden, (hier lese man
das Sndenbekenntsis, Oschamnu), la meine Seele zu dieser Stunde sich
mit aller Welt vershnen und la mich alle Bitterkeit aus meinem Herzen
tilgen! La mich erfahren, da߻nur eine kleine Stunde ber deinen Zorn
verrinnt, aber das Leben deine Lust ist. Du verlt den Menschen nur
eine kurze Weile, aber du nimmst dich seiner mit groem Erbarmen wieder
an. Rufe mir ins Gedchtnis, wie viele sich den schwersten Martern
unterworfen, um deinen Namen zu heiligen, und durch ihren festen Glauben
sich die Herrschaft ber den Schmerz errungen haben, wie viele Mut und
Standhaftigkeit in den herbsten Leiden zeigten und unter deinem Segen
fr ihre fromme Standhaftigkeit durch eine freundliche Zukunft belohnt
worden sind. La die Liebe und das Vertrauen zu dir, Allgtiger und
Allbarmherziger, mich keinen Augenblick verlassen; la deine Rechte mich
halten. Nun wohlan denn! in deinem Namen!In deine Hnde befehle ich
meinen Geist mit meinem irdischen Leibe. Gott ist mit mir, ich frchte
mich nicht! Schma Jisroel Adnai Elhenu Adnai Echod!--Hre Israel,
der Herr unser Gott ist ein einziger Gott! Gelobt sei er in alle
Ewigkeit!

Amen!




Frbitte fr einen Kranken.


5. Herr! du selber hast gesagt:Rufe mich an in der Not, so will ich
dich erretten, und du sollst mich preisen. O, la denn das Gebet meines
bekmmerten Herzens zu dir aufsteigen. Bei dir sollte ich wohl Strke
finden unter der schweren Krankheit, die meinen lieben... (hier wird
der Name des Kranken genannt) an das Lager fesselt. Wohl wei ich, da
deine Wege nicht unsere Wege und da die Ratschlsse deiner Weisheit
unerforschlich sind und verborgen unserer Kurzsichtigkeit, und da auch
diese Schmerzen, unter denen der Teure leidet, von dir gesandt sind;
aber ich wei auch, da du gndig auf die herniederblickst, die in ihrer
Angst zu dir rufen, und da die Trnen, die meinen Augen entstrmen, dir
nicht mifallen.--Du, der du selbst uns hast verknden lassen, da du
unser Arzt sein willst, wenn wir auf deinen Wegen wandeln, o, vergib dem
Kranken alle seine bertretungen, tilge das Andenken seiner Snden und
la es dein Willen sein, da mein....... wieder rasch geheilt werden und
noch lange leben mge zur Verherrlichung deines Namens. Lindre sein
(ihr) Leiden und la ihn (sie) Erquickung und Ruhe finden. Erhre die
Gebete, die er (sie) zu dir sendet und schenke mir ihn (sie) wieder, da
ich dir danken mge, mein Helfer und Gott.

Amen!




Der Kinder Gebet fr einen kranken Vater oder eine kranke Mutter.[83]


6.Erhre, o Gott, mein heies Gebet, und schweige nicht zu meinen
Trnen,[84] siehe den Kummer meiner Seele und mein angsterflltes Herz!
Denn ach, die Gter meines Lebens sind in steter Gefahr, mein Vater
(meine Mutter) liegt auf dem Krankenbette!--O Herr, welche Wehmut erfat
mich, da ich ihn (sie) leiden sehe, wie graut mir vor dem Gedanken ihn
(sie) zu verlieren.Strafe mich nicht in deinem Zorn und zchtige mich
nicht in deinem Groll,[85] sondern vergib mir alle meine Snden und
sende mir Hilfe von deinem Himmel. O Herr nimm meinen Vater (meine
Mutter) nicht von mir. Vergib mir alles, worin ich mich gegen ihn (sie)
vergangen habe, und la ihn (sie) noch den Tag erleben, wo ich ihm (ihr)
meine ganze kindliche Liebe und Hingebung beweisen kann. O Herr, errette
ihn (sie) um deines heiligen Namens willen, du, mein Gott, der ein Gott
der Errettung ist, der Herr, der Ewige, der vom Tode errettet,[86] und
erflle so fr mich (und meine Geschwister) deine Zusage, da dein Name
nicht von uns weichen und der Bund deines Friedens dem Geschlechte der
Frommen erhalten werden soll.

Amen!

[Funote 83: Dieses Gebet kann auch von einer Gattin fr den Gatten bei
dessen Krankheit gebetet werden, wenn die Worte darnach verndert
werden.]

[Funote 84: Ps. 39, 13.]

[Funote 85: Ps. 6, 3.]

[Funote 86: Ps. 68, 21.]




Dankgebet nach einer berstandenen Krankheit.


7.Wie soll ich dir danken, o Herr, fr alle deine Wohltaten,[87] da
du nicht nach meinen Snden mit mir verfahren und mir nicht nach meinen
Missetaten vergolten, sondern dich ber mich erbarmt hast, wie ein Vater
sich ber seine Kinder erbarmt? Wie soll ich dir danken, da du meine
Sttze in all meiner Schwche warst!Siehe, ich kam der Pforte des Todes
nahe; da rief ich zu dir, und du sandtest mir dein Wort und heiltest
mich.[88] O, la den geringen Dank meines Herzens fr jede Linderung,
fr jede Trstung und Erquickung als ein Rauchopfer zu dir
emporsteigen.Ja, Du gabst mich dem Leben zurck, und alle Tage meines
Lebens will ich dir dafr danken, indem ich demtig deine Wege wandle
und stetig mir vergegenwrtigen will, da du es gewesen, der mich aus
dieser Gefahr und Seelenangst errettet hast. Verleihe mir deinen
Beistand zur Erfllung meiner Gelbde, da ich mein Leben deinem Dienste
weihe (und der Erziehung meiner Kinder in deiner Furcht) und deinen
Namen und deine Gte vor meinem Geschlechte preise. La mich stets mit
einem dankbaren Sinn mich aller Hilfe, Teilnahme und Trstungen
erinnern, welche treue Verwandte und Freunde mir auf meinem Krankenlager
zuteil werden lieen, und alle Freundlichkeit und Sorgfalt und Geduld,
die selbst bezahlte Diener mir bewiesen. Jetzt habe ich vollkommen das
Weh der Krankheit kennen gelernt; jetzt verstehe ich den Schmerz der
Armen, welche auf dem Siechbette seufzen; ach wollest du, o Gott, mir
deinen Geist und deine Kraft mir dazu verleihen, sie zu pflegen, ihren
sinkenden Mut aufrecht zu halten und ihre Hoffnung durch dein Wort zu
beleben! O, Allbarmherziger, la meine Krankheit meinen Geist gelutert
und mich von den Snden gereinigt haben, da ich auch ferner deines
vterlichen Schutzes wrdig sein mge! Behte du meine Wege, und niemals
wird meine Seele aufhren, dir Lob und Dank und Preis zu bringen.

Amen!

[Funote 87: Ps. 103, 31.]

[Funote 88: Ps. 107, 17-22.]




Gebet fr Kranke. (Nach dem Hebrischen)

In einem Krankheitsfalle bete man folgende Schriftstellen:

Ein Leidender,
wenn er verschmachtet und seine Klage ausschttet vor dem Herrn.

(Ps. 102, 1.)


8. Herr! o hre mein Gebet und la meine Klage vor dich kommen; verbirg
dein Angesicht nicht vor mir, sondern neige dein Ohr mir zu in der
Stunde der Not, und erhre mich rasch an dem Tage, da ich zu dir rufe.
Ja, zu dir, o Herr, bete ich; demtig flehe ich zu dir; o, sei du auch
mein Schild, erhebe mein Haupt und erhre mich von deinem heiligen
Berge. O, hre mich, wenn ich bete, du mein gerechter Gott, der mich in
der Not errettet, sei mir gndig und erhre mein Gebet. Lausche meiner
wehmtigen Klage, o mein Knig und Gott, denn zu dir bete ich. In meiner
Not rufe ich zum Herrn, bete zu meinem Gott, und er hrt meine Stimme
von seinem hohen Himmel; meine demtige Bitte erreicht sein Ohr. Ja,
hre meine Stimme, o Herr, nun ich dich anrufe, sei mir gndig, und
erhre mich. Ich rufe zu Gott und der Herr errettet mich. Hre, o Herr,
meinen Ruf und lausche meinem Gebet. Sei mir gndig, o Herr, den ganzen
Tag rufe ich zu dir; erflle die Seele deines Dieners mit Freude, denn
zu dir, o Herr, erhebt sich mein Geist, und du, o Herr, bist gut und
gndig und erbarmst dich ber den, der dich anruft. Mit lauter Stimme
bete ich zum Herrn, und ich schtte vor ihm meine Klage aus und erzhle
ihm meine Drangsale. Herr, du kennst mein Sehnen und mein Seufzer ist
dir nicht verborgen, o erinnere dich nicht meiner Jugendsnden, sondern
sei gnadenreich gegen mich um deiner Gte willen, o Herr! Reinige mich
von meinen Snden, lutere mich von meiner Schuld. Ja, gedenke nicht der
Snden meiner Vorzeit, sondern la dein Erbarmen mir rasch zuteil
werden, denn ich bin sehr elend. Um deines Namens willen, o Herr, vergib
mir meine Snden, denn sie sind sehr schwer, und wolltest du nach der
Snde bestrafen, o Herr, wer knnte da vor dir bestehen? Behandle uns
nicht nach unserer Schuld und strafe uns nicht nach unserer Snde. Und
zeugen unsere Snden wider uns, o Herr, so achte nicht darauf, um deines
Namens willen, denn ich kenne meine Snden und bin bekmmert ob der
Schuld meiner Vergehen. Errette mich von den Folgen aller meiner
bertretungen, da ich nicht zum Spott der Toren werde. Ich bitte, o
Herr, sei mir gndig, heile meine Seele, denn ich habe wider dich
gesndigt; sei mir gndig in deiner Barmherzigkeit und tilge meine
Schuld in deinem unendlichen Erbarmen, denn ich bekenne meine Schuld und
habe stets meine Snden vor Augen. Ja, so wende dein Angesicht von
meiner Schuld ab und tilge meine Snde. Ich mu erliegen unter meiner
Sndenschuld, aber vergib du sie mir, denn du Allbarmherziger vergibst
die Schuld und vernichtest nicht; so manches Mal hast du deinen Zorn
besnftigt, o, so la deinen Groll denn auch ber mich nicht entflammen!
Hilf mir, errettender Gott, um der Ehre deines Namens willen. Htte ich
auch Unrechtes in meinem Herzen gedacht, in dem Wahn, da du es nicht
wissest, du, der Allwissende, o Gott, so hre doch nur auf meine betende
Stimme: Strafe mich nicht in deinem Zorn, o Herr, denn ich welke dahin;
heile mich Herr, denn meine Glieder werden matt und meine Seele ist gar
mde! Ach Herr! Wie lange soll es whren? Wende dich wieder zu mir, o
Herr! Rette meine Seele, hilf mir um deiner Gnade willen, meine Augen
schauen mit Sehnsucht aus nach deiner Hilfe, nach der Vergebung deiner
Gnade; o la dein Erbarmen sich mir nahen, o Herr, sende mir die Hilfe,
die du versprochen hast. Ich will wieder umkehren zu dem Herrn, denn er
verwundet wohl, aber er heilt auch wieder, und wie er verletzt, so
verbindet er auch. Ja, du, o Herr, bist barmherzig und gndig, schenke
deinem Diener Kraft und hilf dem Kinde deiner Dienerin. Schtze mich vor
Not, umgib mich mit dem Jubel der Errettung. Vertraue dem Herrn auf
ewig, denn der Herr ist der ewige Fels. Der Herr gibt seinem Volk den
Sieg und segnet es mit Frieden. Gott der Heerscharen! Glcklich ist der
Mensch, der sein Vertrauen auf dich setzt; Herr, errette mich, mein
Knig! erhre mich, wenn ich zu dir rufe. Herr der Welt! Ich wei, da
dein Urteil gerecht ist: Du hast mich vor deinen Richterstuhl gerufen,
aber ich bin nicht rein vor dir, und keiner kann mich vor dir
rechtfertigen. Aber du willst meine schlafende Seele retten, da sie
sich wende zu dir; o siehe ich trete vor dich im Vertrauen auf deine
heilige Zusage, da ich durch Gebet mir Linderung und Errettung bereiten
soll, um gerechtfertigt vor deinen Richterstuhl treten zu knnen. O,
wende du in deiner groen Gnade das strenge Urteil von mir ab und
befiehl dem Engel des Verderbens, da seine Hand von mir ablasse! Vergib
mir alle meine Schuld in deiner groen Barmherzigkeit, denn ich halte
Umkehr und tue Bue und sehe vollkommen meine Schuld ein und bereue sie
von ganzer Seele. Siehe, mein Herz wird von Scham erfllt und mein
Angesicht wird rot vor Beschmung, denn ich habe gar sehr gesndigt, und
deshalb eile ich, zu dir zurckzukehren. Schaue denn, o Herr, meine Not
an und rechne sie mir zur Vershnung; o, wache ber mich und alle Meinen
und sprich: Es sei genug! Im Namen des Ewigen! La doch meine Leiden ihr
Ende nehmen und wende mein Los zum Guten und sende mir und allen Kranken
in Israel baldige Heilung. Zeige mir ein Zeichen der Errettung und
erbarme dich ber mich um deiner Gnade willen, denn deine Barmherzigkeit
ist so hoch wie der Himmel, und deine Treue reicht weiter, denn die
Wolken gehen. O Herr! Ewig will ich dir dann danken und deine Wunder
verknden. Ich beuge mich in Demut vor dir, und ehre deinen Namen.
Gelobt seist du, o Herr, in aller Ewigkeit.

Amen!




Betet man fr einen andern, so fge man hinzu:


Erbarme dich ber meinen kranken (Gatten, Sohn usw.), denn du bist
barmherzig und gndig, und sende ihm (ihr) und allen Kranken in Israel
vollkommene Genesung. Herr, zeige mir ein Zeichen der Errettung zum
Guten, erbarme dich ber mich um deines Namens willen, denn deine Gte
und Treue reichen hinauf zum Himmel und so weit die Wolken gehen. Ewig
will ich dir dann danken und alle deine Wunder verknden. Gelobt seist
du, o Herr, in aller Ewigkeit[89].

Amen!




XXII. Gebete whrend einer ansteckenden Krankheit.

 Gebt dem Herrn, Eurem Gott, die Ehre, bevor er es finster werden
 lt, und bevor eure Fe anstoen gegen die dunkle Hhe. (Jer. 13,
 16.)


1. Allmchtiger Gott! Du erinnerst uns Menschenkinder daran, da wir
Staub und Asche sind; denn ber unsere Stadt ist die schlimme Zeit
hereingebrochen, von der es heit:  Das Volk soll gengstigt werden und
umhergehen wie Blinde, weil es gegen mich gesndigt hat(Zeph. 1, 17).
Ach, schon hren wir das Seufzen der Angst und bemerken die Zeichen des
Schreckens auf dem Antlitz vieler Leute, whrend unser Inneres bebt und
fragt: wer kann oder wird uns doch retten? Wir tappen umher in der
Finsternis, die sich ber uns gelagert hat.--O du, dessen Barmherzigkeit
ohne Ende ist, dessen Gte sich mit jedem Morgen erneuert, sieh unsere
Bekmmernis, ffne unsere Augen und lehre uns begreifen, da du es bist,
der Allbarmherzige, der diese Zeit ber uns geschickt hat, auf da wir
unsere Ohnmacht erkennen und uns berzeugen, da du dich gegen dein
sndiges Kind als ein lieber Vater zeigst, der es wieder in Gnaden
annehmen will. Sende uns deinen Geist, da diese Zeit der Heimsuchung zu
unserer Heiligung diene; denn ach, wir mssen bekennen, da wir dich
lange nicht ber alles in der Welt geliebt haben, wie wir es dir
schulden. Nicht auf dich haben wir unser Vertrauen gesetzt, sondern auf
vergngliche Dinge, auf schwache Menschen. Eitelkeit und Habsucht,
Hochmut und Ha, Neid und Wollust beherrschen uns. O lieber Gott, la
uns deine Gte in dieser schlimmen Schickung erkennen, da sie uns
lutere und reinige, und la sie auch mich also rhren, da ich zu dir
wieder mit getrostem Mute aufschauen kann, wie ein Kind zu seinem Vater,
in der Gewiheit, da du mich nur strafst, aber nicht auch dem Tode
hingibst. O du, der du gut bist und gerne vergibst, der du Erbarmen
gegen den zeigst, der dich anruft, o vergib mir meine Snden und la
mich deine Vaterstimme hren, die mir zuruft:Du bist nicht verlassen,
ich bin bei dir in der Not, ich will mich ber dich erbarmen und will
dich aus derselben erlsen! Erschaffe in mir ein reines Herz und einen
neuen, bestndigen Geist erneuere in meinem Innern. Du, der du mein
Vater bist, mein ewiger Erlser, gelobt sei dein Name.

Amen!

[Funote 89: Ps. 57, 11. 108, 2.]




Gebet um Mut.

 Wenn ich mitten in Angst wandere, so erquickst du mich. (Ps. 138,
 1.)


2.Zu dir, o Gott, rufe ich, und bete, o, la mein Seufzen nicht
unerhrt zurckkehren. Dich suche ich auf in dieser Zeit der Not und
nach dir strecke ich meine Hand aus in der Nacht, wenn nichts meine
bange Seele erquicken will, denn rings um mich her verbreitet der Tod
seine Schrecken, und der Mut verlt mich. O, mein Vater, du bist bisher
mit mir gewesen, verla mich auch jetzt nicht, sondern erneuere in mir
deine gnadenreiche Verheiung:Frchte dich nicht, denn ich bin bei dir
in der Not; verzage nicht, ich bin dein Helfer; ich strke dich und
behte dich, ich untersttze dich mit der Hand meiner
Gerechtigkeit. Fle mir Mut ein, da ich, umringt von den Schrecknissen
des Todes, sicher ausrufen mge:Der Herr ist mit mir, deshalb frchte
ich nichts! O, nicht nur um meinetwillen sondern auch fr die, welche
verzagt und in des Todes ngsten wandeln, bitte ich dich: gib mir Mut,
da ich sie in ihrer Furcht beruhigen, da ich zur Hilfe eilen knne, wo
jemand niedersinken will, und da ich ihre angsterfllten Herzen strken
knne.--Ich bitte um Mut und Kraft fr die, deren Beruf es ist, die
Kranken zu besuchen, da sie auf dich vertrauen und es erfahren, wie du
ihren Mut und ihre Kraft vermehrst, da sie gehen und nicht ermatten,
da sie laufen und nicht mde werden! Wir sind ja in deiner Hand, wie
sehr wir auch bedroht sind, und nichts kann uns widerfahren, ohne da es
von dir geschickt ist, und niemand stirbt, bevor seine Zeit verflossen,
die du ihm zugemessen hast! Soll ich da Furcht hegen in den bsen Tagen,
in denen meine Treue ja recht geprft werden soll, wenn ich glaube, da
es ein weiser und liebevoller Lenker ist, dessen Augen offen sind ber
den Wegen aller Menschenkinder, und der ber Leben und Gesundheit eines
jeden wacht; wenn ich glaube, da  wir einen Gott haben, der da hilft, und
den Herrn, der vom Tode errettet! O, Herr, vergib mir meine sndige
Schwche, la mich schpfen aus der Quelle des Lebens, aus der
Gottesfurcht und den Schlingen des Todes entgehen. So sei denn ruhig,
meine Seele; weshalb bist du so niedergebeugt und strmst in mir? Warte
auf den Herrn, denn ich soll ihm noch danken, da er mein Helfer war! O
Herr, strke mich, durch Unerschrockenheit deinen Namen zu verherrlichen
und ihn vor den kommenden Geschlechtern zu preisen. Zeige dich gtig
gegen mich, da ich leben mge und deine Gebote halte.

Amen!





Trstung.

 Gott, wir hren deine Stimme durch die Welt erschallen--und
 beben:--o Ewiger, erhalte deine Geschpfe, denke im Zorn daran,
 dich zu erbarmen, bevor die Jahre verrinnen, da der Himmel mit
 deiner Herrlichkeit erfllt und die Erde deines Ruhmes werde. (Hab.
 3.)


3. Der Herr ist meine Strke, mein Schild! Auf ihn hofft mein Herz, und
mir ist geholfen; deshalb freut sich mein Geist, und auch meine Glieder
wohnen in Sicherheit. Wenn auch ein Unwetter rast, und giftige Dnste
sich ausbreiten, mein Herz frchtet sich doch nicht, denn der Herr
stillt das brausende Meer und das Getse der verheerenden Wogen. Ja, du,
Herr! hltst deine Hand ber mich, da kein bel mich vernichte, wie
gro und gewaltig es auch sei. In deiner Hand, o Ewiger, ruhen ja meine
Lebenstage; welche Gefahr kann mir wohl drohen, wenn du mein Felsen
bist, an dem ich mich festhalte? Du bist ja mein Hirt, dessen Stab mich
leitet; du birgst mich in deiner Htte zu der schlimmen Zeit und
bewahrst mich und alle die Meinigen vor Krankheit und Plage; denn wenn
du auch im Himmel thronst, so schaust du doch mit holdem Vaterblick auf
deine Menschenkinder herab. Du scheinst sie wohl fr eine kleine Stunde
zu verlassen, aber wendest dich ihnen bald in deiner groen
Barmherzigkeit wieder zu. Deshalb will ich auf dich bauen, da du mich
wie mit einer Mauer von Feuerflammen umgibst und mich errettest, da ich
alle deine Wundertaten verknden kann.

Amen!




Ergebenheit in Gottes Willen.

 Und sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er half ihnen aus ihrer
 Angst. (Ps. 107, 13.)


4. Umgeben von den Schrecknissen des Todes, umringt von den ngsten der
Drangsale und der Betrbnis, sucht mein bekmmertes Herz dich, du Herr
des Lebens und des Todes, der die Stunde bestimmt hat, in der wir von
hier scheiden sollen, und ich bete zu dir, da du meine Seele mit
Ergebung in deinen Willen erfllen mgest, so da ich vertrauensvoll
mich dir hingebe und spreche:Siehe, hier bin ich, Allgtiger, tue mit
mir, wie dir am besten scheint!(1. Sam. 15, 26.) Ach rings um mich her
rast ja die verheerende Krankheit, und der kalte Flgelschlag des Todes
trifft so viele, die noch so frisch und froh ins Leben dreinschauen; er
schont weder das Alter, noch die kraftvolle Jugend. Was kann da mein
Herz strken, wenn es verzagen und verzweifeln will, als nur allein der
Gedanke, da meine Zukunft, mein Schicksal in deiner lieben Hand ruht?
Du hast mir das Leben verliehen, und in deiner Macht steht es, dasselbe
wieder zurckzunehmen, aber gewi wirst du es nicht tun, ohne da auch
darin deine Liebe, deine Gnade sich mir offenbart.Herr, in deine Hand
befehle ich meinen Geist; du wirst mich erlsen, wenn du es fr gut
findest, du wahrhaftiger, getreuer Gott!--Mit Sorgfalt will ich mich
vor allem hten, wodurch ich leichtsinnig mein Leben in Gefahr bringen
knnte, und will suchen, dasselbe durch Migkeit, durch Ordnung in
meinem Lebenswandel, durch einen wohlzufriedenen und ruhigen Sinn und
durch die Kunst und Klugheit des Arztes zu beschtzen. Aber ich will
auch bereit sein, von hier zu scheiden und mich deshalb im Geiste mit
allen vershnen, die irgendwie mich gekrnkt oder beleidigt haben, und
ich will alle ueren und inneren Angelegenheiten meines Lebens ordnen
und eine innige Gemeinschaft mit dir suchen, da ich nicht unvorbereitet
vor dein Angesicht treten mge, wenn du mich zur Ewigkeit rufen
solltest.--Allgtiger! deinem Schutze und deiner Leitung befehle ich
mich und diejenigen, welche mir lieb und teuer sind. Dir berantworte
ich mein und ihr zeitweiliges und ewiges Wohl, und mein Herz ist ruhig
und gefat. Weshalb sollte mir vor dem Tode und seiner vernichtenden
Hand grauen? Mein Leben und meine Seligkeit ist ja in deiner Hand und
wird von deiner Liebe behtet, die strker ist als der Tod. Deshalb
verzage nicht, meine Seele, sondern befiehl dem Herrn deine Wege und
hoffe auf ihn, denn er wird's wohl machen.

Amen!




Gebet um das Morgen-und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu
beschlieen.


5. Herrscher der Welt! Ewiger, barmherziger Gott, der voll Gte und
Erbarmen ist, und in dessen Hand die Seelen aller Lebendigen ruhen, o,
gehe nicht ins Gericht mit uns, denn kein Menschenkind kann sich vor dir
rechtfertigen. Wie sollen wir, o Allmchtiger, unsere Schuld abbitten,
und womit uns vor dir verantworten? Wenn du uns unsere Snde anrechnen
willst, wer knnte da vor deinem Zorn bestehen, aber erhre uns um
deines heiligen Namens willen und blicke gndig vom Himmel auf uns
nieder und la mein und aller Gebete, die in dieser Zeit zu dir
aufsteigen, dir angenehm sein wie das reinste Rauchopfer, welches uns in
frheren Tagen deine Vershnung und Errettung gewann. Vergib und
verzeihe diesem Volke seine Snden in deinem groen Erbarmen, o du, der
du allen denen nahe bist, die dich in Wahrheit anrufen! Neige dein Ohr
unserer heien Bitte und wende jede Krankheit und Seuche von uns ab;
errette alle, die in dieser Stadt und diesem Lande wohnen von Pest und
Plage! La deine Barmherzigkeit ber uns alle, nah und fern, wachen, und
sende deinen Engel vor uns her, da wir unerschrocken im Vertrauen auf
dich wandeln, und keine Plage sich unserer Wohnung nhere; heile uns, so
sind wir geheilt, hilf uns, so ist uns geholfen, denn du allein bist
unser Ruhm und unsere Zuflucht. Allerbarmer, treuer Arzt, alliebender
Vater! verbirg dein Angesicht nicht vor uns, sondern lausche in unserer
Not auf unsern Angstruf; schweige nicht zu unsern Trnen und zchtige
uns nicht in deinem Zorne; suche uns nicht heim in deinem Grimme, verla
uns nicht in unserem Kummer, verwirf uns nicht, wenn unsere Krfte
schwinden, sondern erinnere dich deiner unendlichen Gte und behalte
zurck das schlimme Verhngnis; strke die Schwachen, da unsere Herzen
mit Mut erfllt werden, und sei uns gndig um deines heiligen Namens
willen. O, eile uns zu Hilfe, da wir nicht unter dem Drucke der Leiden
erliegen, befreie uns von allem Bsen, und la uns nicht unerhrt von
deinem Angesichte gehen, sondern la dein Antlitz uns in Gnade leuchten,
auf da ich und wir alle uns deiner Hilfe freuen und durch deine Rettung
froh werden mgen.

Amen!

 Danach lese man abwechselnd 2 von folgenden Psalmen Davids. 6. 20.
 23. 25. 27. 30. 32. 33. 34. 38. 41. 88. 86. 90. 91. 102. 103. 116.
 118. 121. 130. 143.




Ein anderes Gebet, um die Morgen-und Abendandacht zu beschlieen.


6. Alliebender Vater! getreuer Gott, der du in deiner Langmut uns unsere
Snden vergibst und alle unsere Krankheiten heilst, der du unser Leben
vom Grabe errettest und uns mit Gte und Barmherzigkeit krnst, o, neige
dein Ohr meinem und aller Gebet in dieser Zeit der Heimsuchung und sende
Heilung fr mein zerknirschtes Herz! In Demut bekenne ich vor dir, da
meine Snden gro und zahlreich sind, ach, und da keiner von uns vor
dir wrde bestehen knnen, wenn du uns unsere Schuld anrechnen wolltest;
aber du vergiltst uns nicht nach unseren Missetaten! Denn so hoch der
Himmel ber der Erde ist, so hoch erhebt sich deine Gnade ber uns; du
erbarmst dich ja ber uns, wie sich ein Vater ber seine Kinder erbarmt,
o la denn deine Gte mit uns sein und zeige uns das Zeichen der
Errettung! Hilf uns unter allen schlimmen Heimsuchungen, unter all den
schweren Schickungen und Strafgerichten, welche du ber die Welt
verhngst; sei uns nahe, whrend wir beten, zerteile die dunkle Wolke,
die sich ber uns gelagert hat, und entferne von uns jede Krankheit und
Plage, ja errette uns von der bsen Seuche, die sich ber so viele Lande
verbreitet hat! O, nimm dieses Unheil fort von deiner Erde und la das
Verderben unsere Wohnung nicht erreichen; befreie uns von aller Angst,
vor der Pest, die im Dunkel einherschleicht, und vor der Plage, die in
der hellen Mittagsstunde Verderben bringt. Erflle an uns deine
Zusage, da du denjenigen Speise und Trank segnen und von denen jede
Krankheit abwenden willst, die dir dienen! Und sind wir auch nicht
wrdig, erhrt zu werden, o, so tue es um der Unmndigen und Suglinge
willen, die dein Reich auf Erden befestigen sollen, und die nicht
gesndigt haben! O, siehe unsere Reue, hre auf unser Seufzen, und la
es uns erfahren, da du keine schlimme Krankheit ber uns kommen lassen
willst, wenn wir deiner Stimme gehorchen und tun, was recht vor deinen
Augen ist und deine Gebote halten, denn du, Allwissender, Ewiger, bist
unser Arzt! O, so heile denn mein zerknirschtes Herz, heile die Wunden
aller! Erbarme dich ber alle diejenigen, welche von Bekmmernis, Leiden
oder Schmerzen ergriffen sind, sei allen denen nahe, die da krank sind,
untersttze sie auf ihrem Lager, la sie gesunden, verlngere die Zahl
ihrer Tage und schenke ihnen wieder ein freudenreiches Jahr! La die
Stimmen des Frohsinnes in unserem Lande wieder laut werden, la die
Stunde der Freude aufs neue fr diese Stadt erscheinen, da wir in dein
Haus eilen und dir Dankopfer fr die Errettung, die du uns gesandt hast,
darbringen knnen. Schenke mir und schenke uns allen Leben und Kraft,
deinen Namen zu preisen und zu bekennen, da auch dieser bittere Kelch
zu unserm Seelenfrieden gedient, uns vom Verderben gerettet hat; denn du
warfst alle unsere Snden hinter uns. O, la die Worte meines Mundes,
die Gedanken meines Herzens dir gefallen, Herr, mein Erretter.

Amen!




XXIII. Gebete auf dem Friedhof.

ber die Sitte, die Grabstellen zu besuchen und dort zu beten.

Siehe, ich lege dir Leben und Tod vor, whle das Leben!(5. B.
 Mos. 30, 15. 19)

 So lauten die Worte der Schrift: Whle das Leben, denn alle Lehren
 und Gebote in der heiligen Thora gehen nur auf das Leben (Ezech.
 20, 11.), und des Glaubens Kraft soll sich fr das Leben und in
 demselben wirksam zeigen.


Diese Worte geben uns den Grund dafr an, warum der Israelit seine
Heiligtmer nicht auf Grabeswlbungen baut, nicht das Tote zum Grund fr
die Saat des Glaubens whlt und keinen Reliquien-Dienst kennt; und wie
hoch er auch den entseelten Leichnam achtet, als die Hlle, die einst
gewrdigt gewesen ist, den gttlichen Geist zu tragen, so da die
Geringschtzung einer Leiche als Gotteslsterung bezeichnet wird
(Berachoth 19), so verbietet seine Religion doch, eine Leiche zur Schau
zu stellen oder Prunk mit derselben zu entfalten, um der Eitelkeit
Nahrung zu geben, wenn die Verwesung schon davon zeugt, da sie eine
Beute des Grabes ist.

Bei jedem Todesfall soll das Gefhl von dem Ernst des Lebens und seinem
raschen Entschwinden bei uns geweckt werden, so da wir aufs neue unser
Dasein zur ntzlichen Wirksamkeit unter den Menschen heiligen, zu einem
heiligen Wandel vor dem Unsichtbaren, und wenn man auch die Sttten
bezeichnen soll, wo teure Entschlafene ruhen (Ezech. 39, 15.), so soll
es doch nicht durch kostbare Denkmler geschehen; denn gute Werke sind
die schnsten Monumente, welche die Hinterbliebenen fr die Verklrten
errichten und edle Handlungen die schnsten Blumen, die auf ihren
Grabeshgeln gepflanzt werden.[90]

[Funote 90: Wenn man in der spteren Zeit auch auf jdischen
Friedhfen prachtvolle Grabmler, sogar mit heidnischen Sinnbildern
geschmckt, hervorragen sieht, so kann man nur beklagen, da der
erhabene Geist der jdischen Religion so wenig erkannt wird; denn dieser
gebietet einen bescheidenen Wandel im Leben, um wie viel mehr verbietet
er also das Entgegengesetzte im Grabe. Man mu beklagen, da die
Kurzsichtigen nicht einsehen wollen, da alle diese Denkmler zuletzt
verwittern werden, so da niemand die Sttte mehr kennt, wo sie
gestanden haben. Wie viel besser, wenn die Summen, welche darauf
verwendet worden sind, zu Wohltaten gespendet worden wren. Und ist es
auch nur eine geringe Summe, so knnte doch die Rente davon einer armen
Familie jhrlich eine frohe Woche verschaffen, und da wrden
Freudentrnen als dankbare Beweise dem Gedchtnisse eines lngst
Entschlafenen flieen.]

Wenn es demnach eine uralte Sitte ist, an gewissen Tagen im Jahre die
Grber zu besuchen, besonders, wenn der Tag wiederkehrt, an dem man
einen seiner Verwandten verloren hat, oder wenn Sorgen und Bekmmernis
unsern Sinn darniederdrcken,[91] so ist es eine Selbstfolge, da eine
jede aberglubische Vorstellung davon fern gehalten werden mu, jene
schwrmerischen Gedanken, als ob man mit den Toten verkehren oder sie
sogar anbeten knne, was ganz und gar wider die Grundstze unserer
erhabenen Religion streitet (5. Mos. 18, 9. 11.); denn die, denen Gott
sich offenbart hat, heit es bei den Propheten (Jes. 8, 19.), die sollen
sich zu ihm wenden, der einen jeden erhrt, der ihn in Wahrheit anruft,
und nicht die Toten fr die Lebenden fragen.

[Funote 91: Cir. Taanith. Fol. 16 u. 23, wonach in lteren Zeiten die
ganze Gemeinde in Zeiten der Bedrngnis, z. B. bei Miernte, in
Kriegszeiten, u. s. w. sich auf dem Friedhofe zum Gebet versammelte.]

Nein! Ganz andere Gesichtspunkte sind es, von denen aus der Besuch der
Grber bei den Juden verstanden und begriffen werden soll. Zuerst und
vor allen Dingen soll er den Namen Gottes heiligen und es laut
verknden, da der Allgtige gerecht ist, wie unerforschlich auch seine
Wege sind. Dort legt er, wenn einer seiner Lieben zur Erde getragen
wird, das Bekenntnis ab, da des Allmchtigen Schpfers Werk vollkommen
und alle seine Wege gerecht sind (5. Mos. 32, 4). Je mehr es uns in dem
schweren Augenblick, wo der Leichnam eines unserer Lieben versenkt wird,
vorkommen knnte, als ob manches Menschen Dasein unvollendet geblieben
sei, und wir in der Bitterkeit des Schmerzes versucht werden knnten,
Gottes Gerechtigkeit zu bezweifeln, destomehr sollen wir unsere wahre
Ergebenheit in Gottes Willen, unsern unverrckbaren Glauben beweisen,
und indem wir der knftigen Welt gedenken, es bekennen, da der Herr
gerecht ist. Und diesen Glauben sollen wir jedesmal strken, da wir die
Grber besuchen.

Sowohl das Leben als der Tod scheinen uns in Wahrheit rtselhaft. Wir
sehen hier nicht nur Menschen jeden Alters und Standes bestattet, und
scheinen oft Grund zu der Frage zu haben, weshalb es diesen oder jenen
treffen mute, sondern wir sehen auch solche, deren Wirksamkeit uns von
der grten Wichtigkeit zu sein schien, in der Blte der Jugend
fortgerissen, whrend die, welche nach unserer Meinung fr die Welt ganz
entbehrlich waren, erst hochbetagt zu den Ihrigen versammelt wurden.
Mtter wurden von den Kindern fortgerissen, whrend diese noch der
mtterlichen Pflege bedrftig waren, und die Hoffnung der Zukunft, die
lebendige Jugend, ging den Weg alles Fleisches, whrend schwchliche
Greise erst spt ihr Haupt zur Ruhe legten. Aber je rtselhafter hier
uns alles erscheint, desto innerlicher sollen wir das Wort des Glaubens
erfassen, da der Herr wohl wunderbar in seinem Rate ist, aber doch
herrlich in seiner Tat, und da das, was er geschaffen hat, vollkommen
ist, und das, was uns als gestorben erscheint, begonnen hat, seiner
Vollendung entgegenzugehen. Denn beide Welten stehen in Verbindung mit
einander; das ewige Leben nimmt seinen Anfang schon mit diesem, und was
der Unerforschliche bestimmt, mu gerecht sein.

Bereits hier auf Erden nimmt das ewige Leben seinen Anfang, und gerade
dieser Gedanke ist es, der dadurch lebendig in uns werden soll, da wir
die Grabstellen der Entschlafenen besuchen,[92] wo aller Stolz und alle
Eitelkeit uns verlassen sollen und die Macht der Sinnlichkeit gebrochen
wird. Nur allzu leicht vergessen wir unsere wahre Bestimmung im Taumel
des Lebens, allzu leicht betrachten wir Reichtum, Ehre und Vergngungen
als die Gter, welche wir zumeist erstreben sollen, als ob sie uns
niemals entfliehen wrden, aber hier auf dem Friedhof:

Hier zeiget deutlich uns das Grab,
Wie Glanz und Reichtum nichts als Staub,
Der Jugend Blten fallen ab,
Und Weltenruhm welkt hin wie Laub!

Hier sehen wir wie schnell alle Herrlichkeit verschwindet,
wie der Ehrgeizige mitten in seinem hochstrebenden Vorhaben
gehemmt wird, und die stolzesten Plne im Nu
vernichtet sind. Und hier, wo Gro und Klein gleich sind,
(Ijob 3, 19.), wo wir erfahren, da deren Namen im
Dunkeln verborgen bleiben (Pred. 6, 14.), die mit Eitelkeit
kommen und im Finstern gehen, hier beschlieen
wir, im Licht zu wandeln und nach einem guten Namen
zu streben (Pred. 7, 1.), denn der Mensch in all seiner
Herrlichkeit ist nichts, wenn er nicht durch seine Taten
und Handlungen darnach strebt, das ewige Leben zu erreichen.

[Funote 92: Der Friedhof wird deshalb nicht nur das Haus der
Grber (Beit Hakvarot]) sondern auch das Haus der Lebenden (Beit Hachayim)
(Beit Olam)] genannt oder das Haus der Ewigkeit.]

Und zu einem solchen Streben soll der Gang nach
den Grbern uns entflammen. Wir sind die Arbeiter, die
der Herr in seinen Weinberg gestellt, da sie ihr Tagewerk
verrichten sollen; ob wir frh oder spt davon abberufen
werden, das ist nicht unsere Sache, nur das ist unsere
Sache, da wir vollfhren, so viel wir vermgen. Aber
der Tag ist kurz, und die Arbeit ist gro (Ijob 7, 1-6),
und nur allzu oft glauben wir, da noch Zeit genug ist,
zur Ttigkeit und zur Umkehr. O, hier werden wir erinnert,
wie viele Menschen in ihrer Bltezeit starben,
wie wenige auch nur einen Teil ihres Berufes haben
erfllen knnen, wie wenige, deren Arbeit fr die Zeit
gengte, die ihnen zugemessen war; hier werden wir daran
erinnert, da das irdische Leben dahinfhrt wie ein Schatten,
und wir werden zu eifriger Ttigkeit ermuntert, die Zeit
zu benutzen, ehe sie verronnen ist.

Wie viel tragen hierzu nicht die Gedanken an den
frommen und wohlttigen Wandel der Verklrten bei!
Wohl sollen wir uns im Leben nach Vorbildern umschauen
und ihnen nachzuahmen suchen; aber so lange die Hlle
des Staubes die Seele umgibt, bemerken wir nur zu leicht
die Mngel, die an jener kleben. Erst wenn wir die
irdische Gestalt nicht mehr sehen, dann steht die lautere
Tugend der Heimgegangenen, ihrer Seele reiner Adel klar
vor unseren Blicken; rein ist jetzt unsere Liebe zu ihnen,
und mit grerer Liebe umfassen wir am Grabe die Teuren,
ber deren Gegenwart wir uns noch freuen knnen, und
wir erfahren in Wahrheit, da das Gedchtnis der Frommen
zum Segen ist. Denn unser Sinn weilt nicht nur
bei den auf dem Friedhof schlummernden Abgeschiedenen,
sondern auch bei den schon lngst Heimgegangenen, bei allen
Vtern und Mttern, den Propheten und Mrtyrern, den
Lehrern und Fhrern, die einstmals gelebt haben und deren
Andenken uns heilig ist. Nicht als ob wir an sie dchten,
wie an Heilige, die angebetet werden sollten, denn des
grten Propheten Moses Grab wurde gerade verborgen,
damit es nicht ein Gegenstand aberglubischer Anbetung
und Wallfahrt werde, sondern wir gedenken ihrer hier,
um uns ins Gedchtnis zu rufen, wie sie fr die Wahrheit
gelitten und gestritten haben, um uns zu erinnern an die
Verfolgungen, die sie um des Glaubens willen geduldet
haben, wir gedenken ihrer, weil ihr Leben ein Zeugnis
fr die Unsterblichkeit ablegt. Hier erinnern wir uns auch
der Liebe, welche die Heimgegangenen zu uns hegten, whrend
sie noch in der Hlle des Staubes wandelten, einer Liebe,
die gewi im Reich der Ewigkeit erhht werden mu, die
bei uns die berzeugung eines Wiedersehens jenseits des
Grabes weckt, und Balsam in das wunde Herz trufelt.
Ja, der Gang zum Grabe soll uns besonders Trstung
und Frieden verschaffen, wenn der Weg des Lebens rauh
wird, wenn irdisches Weh uns ergreift und unsre Seele
Ruhe sucht.




Am Jahrestage des Todes eines der Eltern.


1. Herr des Lebens und des Todes, der du dem
Menschen das Leben gibst und ihn zur bestimmten Zeit und
Stunde wieder abrufst, hier stehe ich vor dir an dieser
Sttte, die eines der teuersten Gter meines Lebens in
sich birgt; hier liegen meines teuren Vaters (meiner
geliebten Mutter) Gebeine; hier schlfst du den ewigen
Schlaf, du, dem (der) ich meines Lebens ganzes Glck
schulde, du meines Herzens schnster Schmuck, meiner Seele
kostbarster Schatz. O! erst jetzt, da ich dich fr immer
vermisse, fhle ich, was du mir gewesen bist, was ich fr
dich htte sein sollen, o, wie oft habe ich schon als Kind
deine treue Liebe verkannt, mit Undank dir deine freundliche
Frsorge vergolten. Siehe, deshalb will ich hier an deinem
Grabe meine Reue vor Gott aussprechen, da er mir
vergeben mge, so ich gegen dich gefehlt habe, will ihn
bitten, da er ber deine Asche Frieden walten lassen mge,
und ihm geloben, da ich, da ich dich verloren habe, noch
nach deinem Tode die Pflichten kindlicher Liebe gegen dich
dadurch erfllen will, da ich deinen Namen stets in Ehren
halte. O Gott! strke du mich, da ich fest am Glauben
halte, da ich als frommer und gottesfrchtiger Israelit
(meinen..........) im Himmel Freude bereiten
mge, verleihe mir Kraft, da ich mir ein reines Herz
bewahre, um das Andenken (meines....) durch gute
Werke und durch gottgefllige Handlungen zu verewigen.
Und wenn du mich einst aus diesem Leben abrufst, la
mich dann ohne Scham vor die Seele treten knnen, die
jetzt bei dir weilt. Dazu sei dieser Todestag mir eine Triebfeder,
o himmlischer Vater, gewhre mir, was ich von dir
erbitte, o Gott. Ich bete fr die Errettung der Seele meines
gestorbenen (.........), la ihn (sie) in den
Bund des Lebens aufgenommen sein, la den frommen
Entschlu, den ich heute fasse, dir wohlgefallen und nimm
mich einst in Gnaden auf.

Amen!




Ein anderes Gebet bei derselben Veranlassung.


2. Herr, o allgtiger Vater im Himmel, hier bei
diesem stillen, bescheidenen Grabeshgel, der die Asche
eines so teuern Verwandten bedeckt, hier erhebe ich, dein
schwaches, sterbliches Kind, mein zerknirschtes Herz zu
deinem Himmel, wo die unsterblichen Seelen, deren Staub
hier ruht, wie die Sterne leuchten. O Gott der Liebe!
gedenke mit vterlichem Erbarmen der Seele, an deren
Scheiden dieser Tag mich mit so tief innerlicher Wehmut
erinnert. Noch schwebt mir die wehevolle Stunde vor, da
du diese teure Seele (meinen Vater, meine Mutter) von
mir riefst. Ach, wie ganz anders war doch mein Leben,
da sie noch als mein leuchtendes Vorbild hier auf Erden
wandelten; wie manche Freude haben sie mir bereitet!
Wie oft strkten sie mich durch ihren weisen Rat! O!
ich erinnere mich ferner, welche Hoffnung (der liebe Vater,
die gute Mutter) auf mich setzte, wie ich voll Hoffnung
zu ihm, (ihr) aufschaute, wie ich darnach strebte, seines
(ihres) Alters Sttze zu sein, und wie er (sie) so rasch von
meiner Seite hinweggerissen wurde, ehe diese Hoffnungen noch
in Erfllung gehen konnten. Doch mein Glaube lehrt mich, da,
was du Allmchtiger tust, gerecht, weise und heilbringend ist,
er belebt mich mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen jenseits
des Grabes, wo mir offenbar werden soll, da des Menschen
hheres Hoffen erfllt wird. O, vergnne mir denn heute,
da ich mich deinem Throne nhere und dich um Kraft dazu
anflehe, da es mir glcke, auf meiner Pilgerreise etwas zu
wirken, das von dem frommen Geist zeugen mge, den der
Heimgegangene in meiner Seele gepflegt hat. Stehe mir
bei, da ich die Gaben, welche du mir verliehen hast, dazu
anwende, durch meine Handlungen dem Verklrten ein ewiges
Angedenken in der Gemeinde zu grnden. O, Herr leite
mich, da meine Wege dir gefallen mgen, und nimm
mich zuletzt mit Ehren auf.

Amen!




Am Grabe des Vaters, am Jahrestage seines Todes.


3. An diesem Tage, der mich so lebhaft an die Sorge
erinnert, die mein Herz erfllte, als du zur Ewigkeit abgerufen
wurdest und nur der Gedanke an die Unsterblichkeit,
den du, mein heimgegangener Vater, mir eingeprgt hast,
mir Trost verleihen konnte,--an diesem Tage nahe ich
mich deinem Staube, um meinem niemals gengend ausgesprochenen
Dank zu uern, den ich dir fr all deine
vterliche Frsorge, die du mir mit so vieler Aufopferung
bewiesen hast, schuldig bin. Der alliebende Vergelter wird
dort gewi deine Seele dafr belohnen, und sie wird
himmlische Freude und Glckseligkeit in dem Bewutsein
finden, da dein Kind darnach strebt, den Weg der Frommen
zu gehen, auf dem es die Vollkommenheit erreichen kann.
Dein Andenken soll mir deshalb stets heilig und unvergelich
sein; oft will ich der guten Lehre, der liebevollen
Ermahnungen und ntzlichen Warnungen mich erinnern,
die ich aus deinem Munde empfangen habe. Wenn die
Versuchung kommen sollte, will ich mich damit wider sie
krftigen und sie besiegen, da ich mich frage: entspricht
deine Handlung wohl der frommen Weisung, die du von
deinem Vater erhalten, stimmt sie mit seinem rhmlichen
und wohlttigen Wandel berein? Wrde er sie billigen
knnen und ihr seine Zustimmung verleihen? Wrdest du
ihn nicht damit betrbt und das Herz verwundet haben,
welches stets fr dein Wohl schlug? Ja, geliebter Entschlafener!
Dein Leben soll mir ein leuchtendes Vorbild
auf meiner irdischen Laufbahn sein. Ich will der unerschtterlichen
Standhaftigkeit gedenken, mit der du an
deinem Glauben hieltest, der innigen Teilnahme, mit der
du dich in der Schar der Betenden einfandest, der Sparsamkeit,
die du bewiesest, wenn es die Gensse des Lebens
galt, und der Freigebigkeit, womit du den Bedrngten
halfest. O, du Allmchtiger im Himmel! der du gewi
der Seele meines verstorbenen Vaters das Reich der Ewigkeit
aufgetan hast, la auch meinen Wandel mehr und mehr
dazu beitragen, da sie froh werde, dein Angesicht in voller
Klarheit zu schauen; erhre die verklrte Seele, wenn sie
vor deinem Thron ihre Frbitte fr mich niederlegt.
Zeige du mir den Weg des Lebens, denn bei dir ist die
Quelle des Lebens, in deinem Lichte sollen wir Licht
und Seligkeit schauen in Ewigkeit.

Amen!




Am Grabe der Mutter, am Jahrestage ihres Todes.


4. Mutter! Liebe Mutter! Das Kind, welches du
einst unter deinem Herzen getragen und das du so treulich
mit innigster Liebe gepflegt hast, als du noch unter den
Sterblichen wandeltest, dieses dein Kind kommt an diesem
heiligen Gedchtnistage zu deinem Grabe, indem Trnen
der Wehmut und der Liebe seine Augen fllen. O, da
dein Geist dorten wahrnehme die dankbaren Gefhle, die
mich in diesem Augenblick durchstrmen. Ach, wie wenig
war ich doch imstande, meine kindliche Erkenntlichkeit dir
zu beweisen; kaum verstand ich die mtterliche Liebe zu
schtzen. Aber seit ich dich nicht mehr habe, habe ich erst
recht die Gre meines Verlustes kennen gelernt, seit der
Zeit, da du nicht mehr auf Erden wandelst, werde ich
tglich daran erinnert, wie viel Dank ich deiner mtterlichen
Frsorge schulde, wie du Selbstverleugnung btest,
um das Glck und Wohl deines Kindes zu frdern. Ich
wei nicht, wie ich meine Schuld bezahlen soll, auer da
ich mich bestrebe so zu leben, da ein Jeder, der meinen
Wandel auf Erden sieht, ausrufen mu:Heil dem Weibe,
das ihn geboren hat, und da ich so deinen Namen mit
Ruhm verewige. Deine Seele sei ein unsichtbarer Engel,
der mich stets umschwebe, mich von Snden und Lastern
fern halte, und mich stets an die heilige Andacht erinnere,
mit welcher du in deinem Heim, wie im Gotteshause zu
dem Herrn betetest, soda mein Herz dadurch fromm
und mein Sinn milde werde.--Und du, himmlischer
Vater, der so gerne die Gebete seiner Kinder erhrt, o!
erhre mich, wenn ich bete: schenke meiner heimgegangenen
Mutter dort, wo nur Liebe und Friede herrscht, jene
beseligende Wonne, die du deinen Heiligen bereitet hast,
zu denen auch sie ja sicher zhlt, da sie es wissen, wenn
ihre Nachkommen in Reinheit und Frmmigkeit vor dir
wandeln. Strke mich dazu, da ich einst, wenn die Bande
des Staubes fallen, und der Geist zu dir emporsteigt,
mit heiliger Freude einer seligen Wiedervereinigung mit
meiner verklrten Mutter und allen Edlen, die bei dir
sind, gewi sein kann. Dein Name sei gepriesen in aller
Ewigkeit.

Amen!




Am Grabe eines Kindes.


5. Allweiser! du, dessen Gedanken weit hinausreichen
ber die unseren, vergib, wenn mein betrbtes Herz hier
am Grabe eines geliebten Kindes seufzt, an das meine
Seele so fest geknpft, das meines Lebens Stolz, Freude
und Hoffnung war. Ach, so oft ich mich seiner Asche
nhere, werden die traurigen Betrachtungen erneuert, die
sein Verlust verursachte; ach, welch freudige Aussichten
wurden durch seinen Tod vernichtet, welche Hoffnungen
mit ihm bestattet! Doch es ist deine Weisheit, erhabenes
Wesen, das ich anbete; du weit ja besser, als die schwachen
Sterblichen, was zu ihrem Heile dient. Die fernste Zukunft
liegt ja vor deinem Blicke offen da, und du kennst die
Tage deiner Frommen, wenn sie zum ewigen Erbe und
Lohn erfllt sind. (Ps. 36, 18.) Du wolltest vielleicht
meinen so frh heimgegangenen Liebling vor groen Gefahren
und Versuchungen, vor unzhligen Beschwerden
bewahren. Wohl rinnen meine Trnen bei dem Gedanken,
da ich niemals mehr hier auf der Erde dem begegnen soll,
was meine Augenweide war, aber ich will in dem Gedanken
Trost suchen, da die Unschuldigen, welche frh sterben,
doch lange gelebt haben; denn ihre Prfungszeit war bald
vorber, ihre Seele gefiel dem Ewigen, deshalb beeilte
er sich, dieselbe von dem sndigen Leib zu befreien und sie
dorthin zu versetzen, wo sie besser der Vollkommenheit
entgegenreisen kann. Ich will Trost in der berzeugung
finden, da ich durch Ergebenheit in deinen Willen deinen
Namen heiligen soll, du Heiliger!--O, mein geliebtes
Kind, sehe ich dich auch nicht mehr um mich, ewig will
ich dich doch mein nennen und in der Hoffnung leben, da
ich dich einst verklrt unter den Engeln in der Ewigkeit
wiedersehen werde. O, wenn ich nur nichts versumt
habe in der Ausbildung deines unvergnglichen Geistes!
(Dein frhzeitiger Tod soll mich noch mehr bestimmen,
deine Geschwister nicht nur fr die Welt, sondern auch
fr den Himmel zu erziehen, indem ich in ihrem Herzen
den Glauben befestige und so dieselben zur Seligkeit vorbereite.)
O Herr! vergib mir, wenn ich je meine mtterlichen
Pflichten vergessen habe, und la die teure Seele, die jetzt
bei dir ist, schon mehr und mehr deinem Reiche entgegenreisen!
Erhre mich, o himmlischer Vater, und la Trost,
Ruhe und Seligkeit mein Inneres erfllen, so da ich freudig
deinen Namen in aller Ewigkeit preisen kann.

Amen!




Eine Witwe am Grabe ihres Mannes.


6. Friede sei mit deinem Staube, du meines Lebens
leitender Stern, du meiner Kinder Versorger und
Fhrer![93] Ach, wenn auch viele Tage verflossen sind, seit der Allweise
in seinem unerforschlichen Ratschlu dich von mir rief,
so fhle ich doch jedesmal, wenn ich mich deiner Ruhesttte
nhere, meinen tiefen Schmerz und erinnere mich mit ser
Wehmut unseres glcklichen Zusammenlebens, von dem
Augenblick an, da du mir freundlich entgegen lcheltest und
den Frhling meines Lebens mir verherrlichtest, da deine
Gedanken nur darauf zielten, mir Glck und Frieden zu
bereiten, fr das Wohl unserer Kinder zu sorgen, bis zu
der Stunde, da dein Auge brach, und das Licht, das mein
Haus erhellte, verdunkelt wurde, und Sorge und Bekmmernis
fr meine Kleinen mein Herz berwltigten.
O, ich kann nicht ohne Trnen fragen: weshalb, o Herr,
sollte er mir genommen werden? Aber gerade dieser Schmerz
ber deinen Verlust lst sich in dem seligen Bewutsein
auf, da du mir nahe bist! Ja, ich habe, ich besitze dich
noch. In meines Herzens Tiefe schliee ich dich ein, denn
das, was uns vereinigt hat, ist unsterblich. Das leibliche
Auge sieht dich nicht mehr, aber mein geistiges Auge erblickt
dich noch, und es ist mir, als ob deine ermunternde
Stimme mich strke. Zeige du mich hin zu ihm, der den
Witwen ein Fhrer und den Vaterlosen ein Vater ist,
der die heimsucht, welche er liebt, und dessen Wege all zu
erhaben sind, als da wir Sterbliche sie verstehen knnten,
die aber sicherlich zum Guten fhren. Ja, Allheiliger!
Strke mich zur Ergebung in deinen heiligen Willen,
giee Balsam in mein wundes Herz, vergib mir meine
Snden und erbarme dich ber meine Kinder. Gib mir
Kraft sie zu allem Guten zu erziehen, und wecke du in
ihrem Innern eine fromme Denkungsart, da sie dir um
Wohlgefallen, mir zur Freude und meinem heimgegangenen
Gatten zum rhmlichen Gedchtnis werden mchten.
Beschirme die Tage meiner Zukunft und gedenke stets der
teuren Seele, deren Verlust ich beweine, zum Guten und
zur ewigen Glckseligkeit.

Amen!

[Funote 93: Wenn sie keine Kinder hat, mu natrlich alles, was darauf
hindeutet, aus diesem Gebet weggelassen werden.]




Am Grabe eines gefallenen Vaterlandsverteidigers.


7. Mit Ehrfurcht und Dankbarkeit nahe ich mich diesem
Grabe, o Ewiger! wo der Staub dessen ruht, der heldenmtig
sein Leben geopfert hat, um des Vaterlands Recht
und Wohlfahrt zu schtzen. O, Allgerechter, wie sein Andenken
ewig teuer ist und sein mu fr einen jeden, der
es aufrichtig mit seinem Volke und Vaterlande meint, und
wie seine Ruhesttte allezeit von den Trnen heiligster
Erinnerung benetzt werden wird, so belohne du ihn dort
fr seine fromme Tat, wo allein wahre Treue und Aufopferung
fr die Mitmenschen vollkommen belohnt werden
kann. Ja, du, der du hier schlummerst, du hast es gezeigt,
da, so kostbar auch das Gut des Lebens ist, doch noch ein
hheres Gut vorhanden ist, fr das man jenes hingeben
mu. Du tuschtest das Vertrauen nicht, das man in der
Stunde der Gefahr auf dich setzte; unerschrocken tratest du
dem Tode entgegen, und welch se Bande dich auch fesselten,
du rissest dich von ihnen los und kmpftest mit Mut und
Kraft, wie die Helden des Altertums, sicher, da nur
der vergngliche Teil des Menschen berwunden werden
und fallen kann, der unvergngliche aber siegen mu. An
deinem Grabe soll sich die Jugend fr Vaterlandsliebe
begeistern, soll der Mut in den Shnen des Landes entflammt
werden, ja, hier will ich mich begeistern, jedes Opfer, das
in meinen Krften steht, fr das Vaterland, fr die Brder,
fr die Gemeinde zu bringen. Hier will ich lernen, fr
meinen Glauben zu dulden und zu streiten, hier will ich
als ein treuer Brger lernen, alles zu bekmpfen, was dem
Wohle des Vaterlandes schaden kann, und als ein wahrhafter
Diener Gottes in jedem Kampfe fr mein himmlisches
Vaterland bis zum Letzten ausharren. Hilf du mir, Allheiliger,
da meine Seele den Tod der Gerechten sterben
und mein Ende dem der Frommen gleichen mge. Sei
mit mir, Allgegenwrtiger, und la meinen Wandel dir
stets wohlgefallen.

Amen!




Beim Grabe eines Verwandten.

(Nach einem lteren hebrischen Gebet.)


8. Hier an dieser Sttte, wo der Gedanke an ihn,
der zum Tode wie zum Leben fhrt, in unserm Innern
lebendig wird, hier erhebe ich meinen Geist zu dem Unendlichen
und sage: mein Gott, du mein teuerstes Gut, das
mir ber alles geht, nchst dir strebt meine Sehnsucht nach
jenen wahrhaft Frommen, welche jetzt die Erde deckt, und
hier weilt die Asche eines mir teuren Krpers;

Mutter oder Gromutter
am Grabe
eines Kindes:

Siehe, ich deine Mutter, welche
dich (geboren), gepflegt und geliebt
hat, mit treuer mtterlicher Sorge
mit inniger Zuneigung,

       *       *       *       *       *

Kinder oder Enkel
am Grabe der Eltern
oder der Groeltern:

Siehe, ich deine Tochter (Enkelin),
die durch die heiligen Banden
des Blutes mit dir verbunden ist;

       *       *       *       *       *

Am Grabe eines
Ehegatten:

Siehe, ich, deine treue Gattin,
welche dich innigst liebt!

       *       *       *       *       *

Am Grabe eines
Bruders oder eines
sonstigen Angehrigen:

Siehe, ich deine Schwester,
(Schwiegertochter, Freundin, Schlerin
usw.)

       *       *       *       *       *

besuche deinen Grabeshgel! Ehre sei Gott in der Hhe!
Friede mit deinem Staub! Die Freude der Seligkeit mit
deiner Seele! Innige Liebe zu dir, die eben so warm ist,
als damals, wo du noch am Leben warst, durchdringt mich,
fhrte mich hierher zu deiner Ruhesttte, wo ich vor dem
Gott der Geister meine Seele ausschtten und ihn bitten
will, dir gndig zu sein und deine Seele im Eden im Verein
mit deiner Stammvter verklrten Seelen zu erfreuen,
da du in Seligkeit das ewige Gut genieen mgest, das
Er seinen Frommen vorbehalten hat. Mgest du von dem
Tau der Seligkeit im ewigen Leben erquickt werden, wie
der Tau des Himmels die Pflanze erquickt.--Und sollte
in jenem Leben die Liebe, welche einst dein Herz bewegt
hat, denn aufhren knnen? Nein, so innig, wie ich deiner
gedenke, und wie meine Gebete fr deine Seligkeit aufsteigen,
eben so innig gedenkt deine Seele der meinigen,
wnscht mir alles Gute und betet fr meine Wohlfahrt zu
dem Allerbarmer. O, da unsere gemeinsamen Gebete ihm
wohlgefallen mchten, und er in seiner Gte alles Bse von
mir und allen deinen Angehrigen abwenden wollte. Gott
der Liebe! du, in dessen Hand die Seelen aller Toten und
Lebendigen stehen, erhre unsere Gebete, die zum Throne
deiner Herrlichkeit aufsteigen, segne mich, da ich ein dir
wohlgeflliges Leben fhren mge, zur Ehre und zum Ruhm
fr den, dessen ich heute gedenke, und da ich also glcklich
hier auf Erden sei und einst selig werde dort in der
Ewigkeit, wenn ich in das gttliche Reich bei dir aufgenommen
werde, mein Vater und mein Richter.

Amen!




Am legten Tage im Jahre. (Ereb Rsch Haschonoh.)

Herr! tue mir mein Ende kund, und was das Ma meiner Tage
sei, da ich erkenne, wie vergnglich ich bin.


10. Nach uralter heiliger Sitte besuche ich am letzten
Tage des Jahres die Sttte, wo viele Grabhgel an
lngst vergangene Geschlechter und die frisch aufgeworfenen
an die Teuren erinnern, die in diesem Jahre entschlafen
sind. Wie knnte ich wohl an diesem Tag, der so lebhaft
den Gedanken an des Lebens Vergnglichkeit erweckt, und
der mich dazu auffordert, Rechenschaft darber abzulegen,
wie weit ich mich der erhabenen Bestimmung meines
Lebens genhert habe und in Glauben und Tugend vor
dem Herrn gewandelt bin,--wo knnte ich besser eine
erhebende, vershnende Stunde zubringen, als hier, wo
ich meinen Blick auf diejenigen richte, welche in diesen
Grbern ruhen, ach, zum Teil solche, die nach dem Eitlen
jagten und ihre Befriedigung in dem Zeitlichen suchten,
und die nun Moder bedeckt, oder wenn ich am Grabe
derjenigen weile, welche in ihrem vergnglichen Leben das
Ewige suchten und nun die Flle der Freude bei dem
Unendlichen genieen. Ach Herr, da fragt mein Geist:
unter welchen von diesen werde ich einst gefunden werden,
wenn des Lebens letzter Tag gekommen ist? Hier trete
ich deshalb hervor und ergreife das Ewige; denn hier,
wo ich von Tod und Moder umgeben bin, verliert alles
Gold seinen Schein, alle Ehre ihre Strahlen, alles Ansehen
bei den Menschen seine Macht, alle Schnheit ihren
Zauber, alle Sinneslust ihren Reiz; hier fhle ich tief,
da meinen Tagen ein Ziel gesetzt ist, da ich von hier
fort mu, und meine Tage wie ein Schatten sind. Ach
sollten sie wirklich dahin schwinden, ohne etwas Licht ber
meinen irdischen Wandel zu verbreiten, ohne da sie ein
Andenken zum Segen hinterlieen?--Ach, der Strom
der Zeit eilt so rasch dahin und reit auf seinem schnellen
Wege alles mit sich fort, was mir teuer und wert ist!
Wie manche Freunde habe ich schon verloren, wie mancher
ging fort im Jugendalter, wie mancher, der sein Ende
noch nicht erwartete, und heute ruft mir die Erinnerung
daran zu: auch deine Stunde kann unerwartet kommen;
willst du unvorbereitet vor den Allerheiligsten treten?
Ja, ich will heute mit Trnen eurer in der Ewigkeit
gedenken, die meines Lebens Ehre und Schmuck waren,
eurer, meine Eltern usw. (ob euer Staub nun hier ruht,
oder weit entfernt in fremder Erde); Jahre sind darber
hingegangen, seit ich euch verloren habe, und die Hoffnung
auf Wiedersehen war mein einziger Trost; aber habe
ich auch so gelebt, da der Gedanke an eine Wiedervereinigung
mit euch mich mit himmlischer Freude erfllen
kann? Knnte ich euch mit einem sndhaften Sinn gegenbertreten,
mit einem unreinen Herzen mich der ewigen
Klarheit nhern, welche die Frommen umgibt? O! indem
ich euch heute meine Trnen der Erinnerung weihe, will
ich ber meine Snden weinen, will ich im Vorausgefhl
meines endlichen Heimganges alles abwerfen, was mich
als Menschen entwrdigt, was mir nicht ziemt als Israelit;
ich will die Ketten brechen, welche mich an das Zeitliche
fesseln und den Wahn bannen, als sei das, was die Welt
mir bietet, etwas Bestndiges, und ich will mich bestreben,
dir anzuhangen, du Ewiger und Unwandelbarer!--Allerbarmer!
vergib mir meine Snden und meine bertretungen
und strke mich in meinem frommen Vorsatz,
behte mich vor einem jeden Fehltritt, der Beschmung
ber meine Tage bringen knnte; schirme mich wider jede
Versuchung, da weder Eitelkeit noch Habsucht, noch Ehrgeiz
Macht ber mich gewinne, sondern da ich, geleitet
von deiner heiligen Lehre, so rein werden mge, als ich
an dem Tage war, da ich geboren wurde. La die frommen
Handlungen meiner teuren Seligen meine Frsprecher
sein vor deinem heiligen Throne, auf da meine Gebete
fr das neue Jahr erhrt werden. La, o Quell der
Liebe, meine (meines Gatten, meiner Kinder usw.) Bue
dir wohlgefallen und verleihe uns ein Jahr voll Segen
und Glck, ein Jahr, in dem deine Versprechungen an
Israel zu seinem und der ganzen Menschheit Heil sich
erfllen mgen. Bewahre mich und die Meinen vor
Drangsal und Not, vor Armut und Schande, auf da wir
mit freiem Geiste dir dienen knnen. La mich und meine
Lieben erfahren, da ich noch deine Segnungen im Lande
der Lebenden sehen soll(Ps. 27, 15.), da ich noch in
dem Lichte der Lebendigen vor deinem Angesichte wandeln
soll(Ps. 56, 14.). Deine Gnade sei mit mir und allen, welche
dich mit einem treuen Herzen anbeten, da wir auf unserer
Pilgerreise noch viel Gutes wirken knnen und ein Wohlgefallen
bei dir finden in alle Ewigkeit.

Amen!




XXIV. Schlu




Dankgebet bei Vollendung eines Werkes.


Ewiger, allgtiger Gott! Wie ich in deinem Namen
diese Arbeit begonnen habe, so la mich sie auch damit
schlieen, da ich zu dir aufschaue und dir meinen Dank
fr deinen Beistand darbringe. Du warst es ja, der die
Gedanken in meine Seele legte, und dein allmchtiger
Schutz hielt meine Kraft aufrecht, es war dein Geist, der
mich trieb, so da ich stets mit Freudigkeit und Lust zur
Arbeit schritt. O, wie oft verzagte ich, wie oft erfllte
sich meine Seele mit Furcht, da ich mein Vorhaben nicht
zu vollenden vermgen wrde, und siehe, da hrte ich
gleichsam eine erweckende Stimme von oben; mein Geist
belebte sich aufs neue, und du erfreutest mein Herz dadurch,
da meine Arbeit gedieh und vorwrts schritt.--O, nimm
mein Dankopfer an;denn es stammt ja alles von dir,
und was ich selbst von dir empfangen habe, das gebe ich
dir wieder zurck.[94] Nun erhre du denn mein Gebet,
da du diesem Werke dein Siegel aufdrcken wollest, auf
da es fr viele zu einem Segen werde. Gelobt seist du,
o Herr, in Ewigkeit.

Amen!

[Funote 94: 1. Chron. 29, 14]




XXV. Anhang.




Esehu Mekmon.

(Betrachtung ber die Opfer, anstatt einer bersetzung).


Meine Gedanken, o Herr, weilen bei den Opfergesetzen,
welche du unsern Vtern gabst, und mein
Herz wird voll des Dankes, indem ich deine Gnade erkenne,
da du durch diese deine Gebote hast Israel fest an
dich knpfen wollen; mgen sie deshalb mir auch zur
Richtschnur dienen bei der Anbetung deines heiligen
Namens. Wenn nun gleichwohl auch bei mir der tiefere
Sinn verborgen ist, und ich die gttlichen Geheimnisse
nicht zu erforschen vermag, die mit den Opfern, welche
du befahlst, verbunden sind, und nicht ergrnden kann,
weshalb du sie mit so vielen Vorschriften anordnetest,
und wie sie dazu dienen sollen, den Sohn des Staubes
mit dir, dem Unendlichen, zu vereinen, ihn deiner Gnade
gewi zu machen, denn dir gehrt das Verborgene, o
Ewiger, aber was du offenbart hast, ist fr uns,[95] und
wie herrlich ist nicht das, was uns offenbart worden ist!
Wenn ich all der Scheulichkeit gedenke, die mit der Opfermahlzeit
der Heiden verbunden war, durch welche sie ihre
Schuld shnen wollten, wie sie von dem Blute des Opfers
tranken und sich zu Wollust und Blutdurst reizten, wie
sie Menschenleben opferten, whrend sie das Tier als
heilig betrachteten, o, wie knnte ich da wohl anders, als
erkennen, da bei Israels Opfer alles nur dazu dienen
sollte, die Reinheit des Glaubes zu beschtzen, Sittlichkeit
und Gerechtigkeit zu wahren und alles fern zu halten,
was Sinnenlust und trichten Aberglauben frdern knnte.
Deshalb verbotest du in deiner Weisheit jeden Gebrauch
des Blutes, verbotest jedem, der unrein war, zu opfern,
deshalb konnte eine absichtlich begangene Snde nicht
durch ein Opfer geshnt werden, deshalb muten die Vergehen
wider den Nchsten erst gut gemacht werden, bevor
das Opfer gebracht werden konnte. Ja, du lehrtest uns,
da ein Opfer fr sich allein nichts ntzt, wenn es
nicht in Wahrheit von einem innern frommen Sinne zeugt,
und du und deine Propheten straften die, welche da
meinten, da sie durch Darbringung eines Opfers allein
geheiligt werden knnten. Du lieest deine Propheten
verkndigen, da Gehorsam besser als Opfer ist,[96] da
Opfer bei einem sndigen Wandel dir zuwider sind,[97]
da du Wohlgefallen an der Liebe findest, und nicht am
Opfer, und da die Erkenntnis deiner mehr ist, als
Brandopfer.[98]

[Funote 95: 5. Mos. 29, 28.]

[Funote 96: 1. Sam. 15, 22. Ps. 40, 7. Spr. Sal. 21, 3.]

[Funote 97: Spr. Sal. 15, 8. Es. 11-17 Jer 6, 21. Amos 5, 22.]

[Funote 98: Hos. 6, 6]

Aber besonders sind es die tglichen Opfer,
welche den Mnnern der groen Synode[99] zum Muster
dienten bei der Anordnung des Morgen-und Abendgottesdienstes,
deren ich gedenken soll, und whrend ich
mich an ihr Wesen und an ihre Bedeutung erinnere, erwecke
ich in meinem Innern eine wahrhafte Erbauung
und die Sehnsucht darnach, dich bestndig und richtig
durch meine Gebete zu verehren. Da tritt mir denn zuerst
der Gedanke entgegen, da es--ein Opfer war, und
da mein Gebet deshalb auch ein Opfer sein soll. Ja,
ich will im Gebet mich selbst zum Opfer darbringen,
will mich mit all meinen Wnschen, meinen Gelsten und
Sehnen, mit all meiner Furcht und all meinem Hoffen
ganz und ohne Rckhalt dir hingeben, und wie das tgliche
Opfer ganz dargebracht wurde, so will ich jeden
Morgen und jeden Abend, wenn ich zu dir bete, mich
dir auch ganz hingeben und mich vllig deinem Willen
unterordnen.[100]

[Funote 99: Ansche keneseth hagdolo (ecclesia magna) setzten im Hinblick
auf die stndigen Opfer das Schacharith--, Mincha--, und
Maarib Gebet fr jeden Tag, das Mussaph--Gebet fr Sabbat-und
Festtage und das Nelah--Gebet fr den Vershnungstag ein.]

[Funote 100: Taanith 27. Sanhedrin 43.]

Jenes Opfer konnte von keinem dargebracht werden,
der nicht vollstndig rein war, der nicht durch seinen
Willen alle strenden Gedanken zu beherrschen und unangefochten
von der ueren Welt, ganz mit seiner vollen
Seele sich der heiligen Handlung hinzugeben vermochte;
denn das Opfer wurde verworfen, wenn nicht sein eigentlicher
Zweck, die rechte Andacht, den Opfernden erfllte.
So will denn auch ich mich zuvor prfen, ob ich rein bin,
ob ich wrdig bin, vor dich, den Allheiligen hinzutreten,
will deshalb zuvor Bue tun, will mich von allen weltlichen
Gedanken losreien, will die tierischen Triebe in
mir tten und den irdischen Sinn abwerfen, jedesmal
da ich vor dich hintrete, da ich vor deinem Angesicht in
meinem, wie in der ganzen Gemeinde Namen erscheine.

Denn das tgliche Opfer wurde ja im Namen der
ganzen israelitischen Gemeinde gebracht und sollte dazu
dienen, was man so oft vergit, fr all das Gute zu
danken, das bestndig in so reicher Flle dem Menschen
zuteil wird; dir dafr zu danken, da du ber ihn in
der Nacht wachtest und ihm neues Leben schenktest, wenn
des Morgens Licht ihn auf seinem Lager weckte, und da
du ihn den ganzen Tag alles finden lt, dessen er bedarf.
Dieses Opfer sollte in Israels Heiligtum ein Lamm sein,
das dir als Dankopfer dargebracht wurde, der du
durch den Schlummer der Nacht alle gestrkt,
und wiederum am Abend, wenn es dunkelt als Dankopfer
fr den glcklich verlebten Tag.

Und es war begleitet von einem Speiseopfer,
wohl um fr das Brot zu danken, welches der Mensch
wiederum gefunden hatte, fr Kraft und Schnheit
des Krpers, was durch das l bezeichnet wurde, fr
die Gabe und den Vorzug des Geistes, was
bildlich der Wein andeutete. So will auch ich, o Herr,
jeden Morgen und jeden Abend deiner Wundertaten
eingedenk sein und dir danken, weil du meinen Geist und
meinen Krper erhltst, so will auch ich dir fr alle zeitlichen
Gter, die du mir verleihst, fr die Sonne,
welche ihre Strahlen auf meinen Weg sendet, fr den
erquickenden Schatten der Nacht, wie fr das
himmlische Licht, das Wort des Lebens, welches du
mir gegeben hast, das Dankopfer meines Gebets darbringen.

Aber das tgliche Opfer war ja auch ein Shnopfer,
welches tglich fr die Gesamtheit Israels,
wie fr den Einzelnen, dargebracht werden sollte, nicht
offenbare Vergehungen, sondern fr diejenigen, deren der
Mensch sich schuldig macht, ohne da er sie sich zur Snde
anrechnet, und so sollte tglich das Bewutsein der
Snde in der Brust des Israeliten geweckt werden.
Dein, o Herr! ist der Tag und dein, o Herr! ist die
Nacht, und bestndig sollen wir dich vor Augen haben;
unsere Arbeit wie unsere Ruhe soll von dem Gedanken
an dich begleitet sein. Aber, wenn der Schlummer der
Nacht uns in seine Arme schlieen will, bevor der Schlaf
unsere Sinne und Gedanken gebunden hlt, da denken
wir nicht an dich, da benutzen wir die ruhigen Augenblicke
nicht dazu, dich zu erkennen und zu suchen; und in
des Tages geschftigem Treiben richten sich nicht die Gedanken
auf dich, und wir vergessen es, deiner zu gedenken.
Deshalb soll am Morgen ein Opfer gebracht werden
fr die Snde der Nacht und am Abend fr des
Tages Snde. Aber auerdem kann die ganze Gemeinde
auch dem nicht entgehen, da sie bestndig sndigt,
und jede einzelne Seele ist mitschuldig der Sndenschuld
der groen Gesamtheit, und wer sich fr unschuldig hlt
wie ein Lamm, ist sndig. Aber was ehemals das
tgliche Opfer fr mich wirkte, das soll jetzt durch mein
tgliches Gebet erreicht werden, da ich nicht in Leichtsinn
wandeln mge, sondern das Bewutsein der Snde in
mir wecke, die Erkenntnis dessen, wie weit meine Gedanken
und Handlungen, meine Arbeit und meine Ruhe,
im Groen wie im Kleinen von der Pflicht Israels abweichen,
soda ich jeden Morgen und jeden Abend aufs
neue geheiligt werde und den Vorsatz fasse, deinem Dienste
zu leben, o Herr! ob ich nun meinen Erwerb mir
suche, oder danach trachte, meines Hauses oder
meines Namens Ansehen zu erweitern, oder ob ich
in Freude und Frohsinn weile, wo der Wein des
Menschen Herz erfreut.

Und endlich sollte das tgliche Opfer von Bestndigkeit
im Glauben und in Gottergebenheit ein
Zeugnis sein, und jeden Morgen und jeden Abend sollten
Israels Kinder die Lebendigkeit dieses Glaubens zu erkennen
geben, ob nun das Glck ihnen zulchelte oder ob
Unglck sie in das Dunkel der Nacht hllte. Ebenso
will auch ich es frh und spt an den Tag
legen, da, welches Schicksal du mir auch sendest, ich
stets mit Vertrauen mich dir nhern will und es soll
stets nach Vorschrift am Morgen und am Abend geschehen;
und indem ich mich an die heilige Ordnung binde, will
ich den Geist des Gebetes in mir wecken und bewahren.
Denn wenn auch die Pflicht zu beten, das Opfer des
Herzens darzubringen, nicht an Ort oder Zeit gebunden
ist, sondern wir stets und berall beten sollen, so oft wir
uns dazu gedrungen fhlen, so sollen wir doch zu den
festgesetzten Zeiten beten, wenn auch unser Herz uns nicht
dazu drngt, weil wir sonst in dem Gewirre der Welt
vielleicht niemals dazu veranlat wrden. Aber gerade
durch das tgliche Gebet, dadurch, da wir mit aller
Kraft unseres Willens darnach streben, von dem Geiste
des Gebetes durchdrungen zu werden, sollen wir die
Unlust zum Gebete berwinden, die Hindernisse besiegen,
welche sich zwischen dich und uns stellen, o Gott, und
den Geist der Welt ertten, der uns den hchsten Schatz
unserer Seele rauben will,--die Anbetung deines
Wesens.

So will ich denn dir mein tgliches Opfer darbringen,
mein Gott, will meinen Willen dir ergeben, will jeden
Morgen meinen Dank zu dir aufsteigen lassen und mich
deiner Leitung anvertrauen und mich jeden Abend sorglos
deiner Fhrung hingeben. Ich will Krnkungen ertragen,
will das Schlechte nicht vergelten, das mir zugefgt wird,
will um deinen Schutz bitten fr alle, die auf Erden
wandeln, will darnach streben von jeder sndigen Lust
mich zu reinigen, will fest in meinem Glauben verharren,
und will, wenn auch die Menge der Versuchungen mich
umringt, wie manchen Kampf ich auch zu bestehen habe,
meine Standhaftigkeit als Israelit zeigen, der nicht
nach dem Lohne und der Ehre der Welt trachtet, sondern
allein darnach strebt, dir wohlzugefallen und der gewi
ist, da du den errettest, der dir bestndig dient.[101]

[Funote 101: Dan. 6, 27.]




XXVI. Freitagabendbetrachtung.




Bame madlikin.

(Eine Betrachtung anstatt der bersetzung.)


Der letzte Tag in dieser Woche nhert sich seinem Ende und wieder
schliet mit ihm ein Abschnitt meines Lebens ab, in dem ich deine Gte
erfahren habe, du, mein Schpfer, whrend ich meiner huslichen
Ttigkeit oblag. Die heilige Stunde ist nahe, mit welcher der Sabbat
beginnt, der dazu da ist und da sein soll, eine heilige Ruhe in dir zu
suchen und zu finden, indem ich auf das hinblicke, was du fr mich
vollfhrst hast, und indem ich prfe, was ich vollbracht, und mit
welcher Gesinnung ich gehandelt habe.

O, schaue ich hin auf deine Liebe und Gte gegen mich in den sechs
verflogenen Tagen, wie kann ich da Worte finden dir zu danken, der du
wiederum das Werk der Schpfung vor meinen Augen erneuert hast, der du
am Tage deine Gnade ber mich ausstrmen und mich bei Nacht in deinem
Schatten weilen lieest und der du mich mit so unendlich vielen
Gnadenbeweisen, Wohltaten und Segnungen berschttest hast, da ich sie
nicht zu zhlen vermag! Du hast dich ber mich erbarmt, mich jeden Tag
zu meiner Ttigkeit gestrkt und hast mich durch so vieles erfreut; Du
warst in trben Stunden meine Kraft und mein Schild und du hieltest mich
aufrecht im Unglck. O Herr! Ich bin nicht wert so groer Gte; denn
gedenke ich meiner Aufgabe, die mir in diesen Tagen der Arbeit zu
vollfhren auferlegt war,--ach, wie oft war ich da nicht schlaff und
nachlssig; wie oft verga ich nicht in meiner Ttigkeit zu dir
aufzuschauen, zu wirken und zu schaffen, wie einer, der sich in deinem
Dienste fhlt, der bei all seinem Tun dich stets vor Augen hat, da er
den rechten Weg nicht verliere und dir wohlgefalle. Ich wei, da ich
leben soll, um das Wohl meiner Mitmenschen zu frdern und mit
liebevollem Sinne ihnen Wohltaten zu erweisen; ach, und ich erkenne wie
viel eigenntzige und eitle Zwecke mich noch gebunden halten. Als
Israelitin soll ich, was auch mein Beruf sei, beweisen, da ich von
einem Glauben beseelt bin, der voll Ergebung und Geduld ist, und deshalb
ein Leben fhren, das allen denen, die mir nahe stehen,
heilbringend sei,--aber wie wenig schwebte solch ein Ziel mir bei all
meinem Wirken vor!

Wohl habe ich in der vergangenen Woche Zeit gefunden zu allem, was mein
Herz begehrte, aber habe nicht, so wie ich sollte, mich bestrebt, mich
als ein Glied der Genossenschaft zu beweisen, welche dein offenbartes
Wort bewahren und das Licht, das gttliche Licht, der Welt leuchtend
erhalten soll, und wenn ich auch einige flchtige Augenblicke dazu
anwandte, so konnte das doch nur wenig bedeuten fr den, welchem die
Sorge fr die Bedrfnisse des Lebens keine Zeit lassen, frei zu atmen
und an deine heiligen Wahrheiten zu denken. O Herr, deshalb bete ich zu
dir: la den heiligen Sabbat mir anbrechen, da er meiner Seele Frieden
bringe, auf da ich deine unendliche Gte erkennen mge und aufs neue zu
allem Guten erglhen und dazu beseelt werden mge, im Verein mit deinen
wahren Anbetern dir zu dienen, den Glauben zu pflegen, zu frdern, was
der Gesamtheit zum besten dient, mich allem fern zu halten, was den
Israeliten entheiligt und mit neuer Lust aus der Quelle des Lebens zu
schpfen, in deinem Wort zu forschen, da es mich in deiner Wahrheit
strke und wie eine reine Flamme voller Klarheit ber die Erde
leuchte und mich auf meinem Pilgerwege begleite, bis ich es in
Herrlichkeit aufleuchten sehe, wenn die ewige Sabbatruhe kommt, wo
seliger Friede und himmlische Ruhe mich bei dir erwarten!

Amen!




XXVII. Betrachtung zum Mussaphgebet.

 (Das Nachfolgende ist ein Abschnitt aus dem Talmud (Tractat
 Kritth), welches die Art und Weise behandelt, in der das
 Rauchopfer zubereitet wird. Anstatt einer wortgetreuen bersetzung
 wird folgendes Gebet gegeben).

Pittum hak'tres.


So nhert sich denn die Zeit des Verweilens in deinem Hause ihrem Ende,
und die angeordneten Gebete haben wir verrichtet; aber ach, wie mancher
Augenblick weckte nicht einen Gedanken in uns, der wider den Geist des
wahren Gebetes stritt! Wie oft regten sich nicht sndige Gefhle in
unserer Brust; wie oft strten wir durch unser Benehmen nicht die
Andacht anderer, wie oft wankten wir nicht beim Gebet im Glauben an
Erhrung; wie oft rgerten wir uns nicht ber die Herrlichkeit und den
Glanz der Gottlosen und lieen den Nchsten, lieen den Abgefallenen aus
unserm Gebete ausgeschlossen sein, so da unsere Anbetung dir nicht zum
Wohlgefallen sein konnte! Deshalb, o Allerbarmer, wollen wir des
Rauchopfers gedenken, das vormals im Heiligtum dir zu einem
wohlgeflligen Dufte dargebracht wurde, auf da es alles Widerliche vom
Opfer entferne. Wir wollen uns an die vier Hauptbestandteile des
Rucherwerks erinnern, da jede Andachtstrne, die heute flo, wie ein
Balsamtropfen sein, jeden bekmmerten Sinn heilen und von wahrer
und innerlicher Bue hervorgerufen sein mge; da des Herzens harte
Schale zermalmt werde, und wir keinen Zweifel nhren mgen, da du
das Gebet eines zerknirschten Herzens[102] nicht verachtest. Und wir
wollen uns erinnern, da man dem Weihrauch auch Galban, eine
Substanz von unangenehmen Geruch, zusetzte, eine Erinnerung fr uns
daran, da du selbst die Tiefgefallenen erhrst, welche bereuend ihre
Gebete in das Gebet der Gemeinde mischen, ja eine Erinnerung daran, da
unsere eigene, fromme Erbauung[103] dadurch vermehrt wird, wenn wir
diese in unser Gebet einschlieen, wenn wir uns selbst zu ihnen rechnen
und in Demut deinen Namen anflehen; eine Versicherung, da wenn wir auch
eine Stunde vergaen, da wir vor dir stehen und andachtslos hier
weilten, du uns doch vergeben willst, wenn wir mit heiligem Sinne kommen
und unsere Gebete wie Weihrauch zu dir aufsteigen lassen, und wenn
wir noch zum Schlu recht innig unsern Geist zu dir erheben. O,
Allheiliger, erhre uns und la unser Gebet vor dir wie ein Rauchopfer
ein.[104]

Amen!

[Funote 102: Ps. 51, 19.]

[Funote 103: Kritth Fol. 6, 66.]

[Funote 104: Ps. 141, 2.]





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work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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